Samstag, 17. November 2018

SCHLINGENSIEFSCHE RIPPEN- UND BOHNENBEOBACHTUNGEN AGAINST DEN DUNKLEN DROGENZUG (oder: WEIN, MEIN URIN!)

Damit heuer jede Jahreszeit ihr farce vivendi Open Mic bekommt, kamen wir nach Winter, Frühling und Sommer nun auch im Herbst zusammen. Und wie schon zwei Male zuvor, so war auch diesmal der Keller des Cafe Benno der Ort des Geschehens. Durch den Abend geleiteten und (ver)führten – wie üblich – melamar und Andi Pianka.


 

ANDI PIANKA machte aufgrund der traditionellen Münzwurfentscheidung den ersten Eisbrecher. Sein von einem orf.at-Artikel inspirierter Text (mit welchem er im Übrigen am Folgetag den ersten Schönberger Poetry Slam gewann) handelte von 4.300 Shades of politische Grauslichkeiten.






WOLFGANG E. EIGENSINN wurde, da er noch zu einer anderen Veranstaltung musste, ohne Los als Startnummer 1 vorgezogen. In seinem ersten
Text war er ein „alter Sack“ und „geiler Mann“, im zweiten wurde ein Kinderreim zum Dunkelmann: Im Dunkeln ist gut munkeln.


 
NIKI-TA war „voll da“ und kam in den Flow. In ihren im Dialekt gehaltenen Texten ging es u.a. um's „spün mit Text und Textü“. Danach gab es noch einen Text aus ihrer Radieschen-Kolumne, der vom Weinen um die Weinberge, also Wiens grüne Lunge, handelte.

 
NIKOLAUS LUTTENFELDNER las einen über 20 Jahre alten Text, in dem die Ich-Person auf der Heimfahrt von einem Seminar im Zugabteil auf einen
mysteriösen Mitpassagier trifft, der alles über ihn zu wissen scheint. Als dieser verschwindet, ahnt man, wer es gewesen sein könnte...


 
ANGEREICHERT brachte ebenfalls einen Text aus der Ich-Perspektive. Es
graust und graut der Ich-Person vor Abhängigkeiten, die mit der alttestamentarischen Rippe in Zusammenhang stehen. Am Ende stehen „unser Zusammenbruch und meine Auferstehung“.



KLAUS SINOWATZ kam mit Gedichtband und Gedichten eben daraus. Diese behandelten u.a. eine berühmte Schlingensief-Aktion aus dem Jahre 2000, umjeweils einen Buchstaben reduzierte Natur, Saurier, Schamlosigkeiten und Kommentare zu Goethe und Mörike.


Nun wurde für ca. eine Viertelstunde pausiert.


MELAMAR war Eisbrecherin #2. Sie las (nachdem sie ein wenig über die mexikanischen „narcotraficantes“ erzählt hatte) einen kurzen Ausschnitt aus ihrem 2004 erschienenen Roman „Fall in die Nacht“, in dem zur Musik von Janis Joplin ein Heroinschuss vorbereitet wird.



EVELYN HOLLOWAY, die hauptsächlich in Cornwall lebt, wo sie immer wieder auftritt, brachte englischsprachige Gedichte: Ein „Poem against fear“, das viele
Aufforderungen zu einem besseren Leben enthielt, ein „Memory is an ocean without salt“ und eines über eine Künstlerkolonie.


 

CHRISTIAN „SCHREIBI“ SCHREIBMÜLLER folgte mit kleinen
Nebenbeobachtungen zur Literatur. Der erste Text entsprang einer möglichen Doppeldeutung des Satzes „Die Wolken werden dichter“, die beiden folgenden setzen sich kritisch mit dem Verzicht auf Appetit auseinander.






GEORG HARLEKIN hat es mit seinem Gedicht „Der Moment“ in die Anthologie Deutsche Gedichte 2017 geschafft (wir gratulieren herzlichst!). Nach Vortrag
des selbigen ging es in seinen beiden folgenden Gedichten um den pochenden Rhythmus und um die Musik.

 
STEFAN PETER kam mit gereimtem Schleim aus der „Bohnen Zeitung“, der
größten Zeitung des Landes. Ein Dichter, der von dieser Zeitung noch nie etwas gehört hat, soll von deren (den Führer imitierenden) Journalisten Herbert Wicht als Hausdichter engagiert werden.

 
MARIO FERNANDEZ debütierte beim fv Open Mic – und zwar mit einem spanischsprachigen Liebesgedicht, das von einer gemeinsamen Zukunft, einem bedeckten Himmel und einem nicht kommenden Wind handelte. La ciudad es mas fría sin tí.



 
HEIDI WIMMER, ebenfalls das erste Mal bei uns mit dabei, präsentierte sich
mit dem kürzesten Auftritt des Abends. In ihrem Gedicht zeigte sich vom Schmetterling bis zur Haut alles Mögliche.



 
WOLFGANG GLECHNER warnte zunächst vor Kamasutra-Unfällen, ehe er von seinem Handy aus ein Textfragment aus einem unfertigen Roman las, in dem
Walter jetzt 3, 4 oder 5 Berufe hat, u.a. Rotkäppchendarsteller oder Drogentester, der Sportlern beim Urintest Kunstpenisse abnimmt.


Nun waren wir am Ende angelangt und es ging in den geselligen Teil über (wo dann so Manches vergessen wurde, aber das soll an dieser Stelle nicht näher erörtert werden).

Und auch wenn das nächste reguläre fv Open Mic wohl erst im Februar 2019 stattfinden wird, so sehen wir uns hoffentlich noch heuer im Dezember wieder. Es gibt da eine bereits fixierte Lesung am 22.12. und möglicherweise noch eine weitere Veranstaltung, die mit einem Buch in Zusammenhang stehen könnte ;-)

PS: Zum Vergrößern auf die Bilder klicken! Eine größere Anzahl von Fotos gibt es hier:

https://www.facebook.com/melamar/media_set?set=a.10216767779683261&type=3

(Das Album ist öffentlich und somit auch für jene einsehbar, die nicht auf Facebook sind.)

Fotos: Christian Schreibmüller & melamar

Donnerstag, 30. August 2018

Why comest thou? To tell thee thou shalt see us at Leopoldi.

Keine Angst, wir sind nicht so blutrünstig wie Brutus und Cäsars Geist im obigen (situationselastisch leicht abgewandelten) Dialog aus Shakespeares "Julius Cäsar". Deswegen sehen wir uns eben auch nicht bei Philippi wieder (wie es im Original heißen würde). Stattdessen wollen wir gemütlich fasslrutschen...ähm, also vor allem eure Darbietungen genießen. Wie alle der Wien-NÖischen Landesgeschichte kundigen also mittlerweile wohl draufgekommen sein dürften:
Das nächste farce vivendi Open Mic findet am Do, 15.11.2018 um 19:30 statt
(trotz des Leopoldi-Tages allerdings nicht im Cafe Leopold, auch nicht in der Leopoldstadt (wo das fv Open Mic einstmals seinen Ursprung nahm) oder gar im Stift Klosteneuburg, sondern - wie heuer bereits zwei Male -  im Cafe Benno, 8., Alser Straße 67) 

Donnerstag, 16. August 2018

Angereicherte Tuba-Hymnen in der sternenklaren Steppe


Der Sommer ist ja bekanntlich die Zeit der Open Airs. Und wenn eine Open-Air-
Veranstaltung direkt an einem Gewässer stattfindet (in dem Fall dem Donaukanal), umso mehr kommt Urlaubsstimmung auf. Das Wetter (bei solchen Sachen stets ein Unsicherheitsfaktor) meinte es mit uns sehr gut. Und so konnte das 64. farce vivendi Open Mic tatsächlich auch draußen (vorm Werk in Spittelau) stattfinden.

  




Das Los in Gestalt einer ungarischen Münze fiel auf den Würgfalken, entschied damit für ANDI PIANKA als Eisbrecher #1. Dieser, beeindruckt von der Mondfinsternis unlängst, brachte einige Gedichte, die sich alle um Sterne und Planeten drehten.






 

CHRISTIAN „SCHREIBI“ SCHREIBMÜLLER kam, sang und dichtete unserer
Bundeshymne neue Strophen. Da wurde es dann schamlos blau und peinlich, peinlich im Land der Gnome, dem weinseligen Österreich.







JOPA trug viele Katzentexte vor, die u.a. von fake cats im postkatzischen Zeitalter, cat contents oder dem LCD, welches das LSD ersetzt hat, handelten. Zum Abschluss gab es die Interkatzionale: Katzen stört die Signale!

[An dieser Stelle folgte als spontane kurze Zwischeneinlage eine weitere, vom TEX vom Werk, vorgetragene Hymne, die am Ende der Veranstaltung eine nochmalige Wiederholung fand]


 
NIKOLAUS LUTTENFELDNER zeigte vor, wie man sich als politischer
Quereinsteiger zu präsentieren hat. Mit Sätzen wie „Ich war noch sehr jung, als ich geboren wurde“ oder „Denken Sie nicht, was ich jetzt denke!“

 

 



RÉKA begann mit einem „gemeinen“ Text, in dem rote Augenpaare erschienen, als die Urlauber schliefen. In jener Blutnacht wurde die Erde von diversen Makroorganismen befreit. Im zweiten Text ging es um (das Fehlen von) Katzen.

[Die Autorin möchte kein Bild von sich im Netz haben.]






 
THOMAS MAYER PHANTASÖNLICH glaubt nach wie vor. Aber nicht in dem
Sinn, wie er erzogen wurde. So glaubt er beispielsweise eher daran, dass er morgen in der Früh einen Kaffee trinken wird.








WOLFGANG E. EIGENSINN brachte einen Text namens „Mehrfachillusionen sind denkbar“, der sich sehr politik- und gesellschaftskritisch gab. Was er uns u.a. als Parole mitgab: Denke und lenke den Ausstieg!







 
GEORG HARLEKIN war diesmal nicht allein. Zu seinen (traditionellerweise drei) Gedichten, die vom Moment, von der Wurzel des Übels und der Demut handelten, steppte begleitend Überraschungsgästin ASTRID.



Danach wurde die übliche Halbzeitpause ausgerufen.


MELAMAR machte dann als Eisbrecherin #2 den Wiederbeginn. Sie prangerte in ihrem Text männliche Gewalt an (in dem Fall alleine reisenden) Frauen an – anlässlich eines aktuellen Mordverbrechens, nämlich an der 25jährigen mexikanischen Musikerin Maria Trinidad „Sirena“.



 
WUF (nämlich Werner und Frieda) sorgten für die erste Tuba-Darbietung in der
Geschichte des fv Open Mic. Sie waren breit aufgestellt und machten Electronic Tuba Music, die in eine Hip-Hop-Nummer über die Schwammerlgesellschaft mündete.










IO (oder I0 – je, nachdem) brachte drei kurze Texte. Im ersten war er ein schleunigst entschleunigender Wortaholiker, im zweiten beging er einen Denkanschlag („Wir sind anti portem und anti domum“) und im dritten ging es um Drüberredungskunst.

 [Leider glückte kein Foto des Autors.]






TIPHAN setzte mit ebenfalls kurzen Texten fort. Darin erweiterte er u.a. die
Redewendung „Kommt Zeit, kommt Rat“, machte eine Entspiegelungskur und endete im Dialekt. Dazwischen gab's noch: Alle nervös, alle Regierung, alle am Pferd. Alea iacta Hetz.






KAMYLEON ist an sich kein Unbekannter beim fv Open Mic. Nur ist er diesmal unter neuem Namen aufgetreten. Und auch die Sprache seiner zwei Lieder („Aus dem Liederzyklus der pathologischen Beziehungen“) war mit Englisch eine andere als üblich.



 

SAMUEL, erstmals seit ein paar Jahren wieder bei einem fv Open Mic dabei,
sorgte für den kürzesten Auftritt des Abends, nämlich mit einem 16-zeiligen „uralten“ (nämlich vor 12 Jahren entstandenen) und „authentischen“ Liebesgedicht.








NIKI-TA übersetzte „präsent“ mit „voll da“ und erzählte von ihren „Lieblingstätigkeiten“. Mit ihrer Arbeit im konventionellen Schulsystem hat sie abgeschlossen. Sie hat sich nämlich fort-gebildet: Nie mehr Schule!






 
ANGEREICHERT (ebenso wie WUF und TIPHAN das erste Mal bei einem fv
Open Mic dabei) wurde in ihren drei Gedichten wieder planetarisch – diesmal ging es um die Venus als Metapher für die Liebe: „Dahin sind wir gegangen – lange...“



 

STEFAN PETER beendete den Auftrittsreigen des 64. farce vivendi Open Mic mit – ganz passend zum sternenklaren Abend über uns – mit seinem Lied „Sternenklar“. Somit konnten (knapp, aber doch) alle, die sich angemeldet hatten, rechtzeitig vor 22h (da haben wir lautstärkebedingt fertig sein müssen) auch drankommen.





Es folgte noch der gesellige Teil mit regen Unterhaltungen über Gott und die Welt...
Vielen Dank an alle Aufgetretenen, vielen Dank ans Werk und vielen Dank auch
 für das so zahlreiche Erscheinen. Über 60 Leute waren's (und da sind für kurze Zeit stehen gebliebene PassantInnen gar nicht mal eingerechnet).

Wir kommen wieder, keine Frage. Einen Termin gibt's demnächst. Und dann wäre noch was :-) Dazu ebenfalls demnächst mehr.

[zum Vergrößern auf die Bilder klicken]

Montag, 18. Juni 2018

Rückblick 9.6.2018 farce vivendi OPEN MIC @Theseustempel






Am Sa, dem 9.6.2018 fand erstmals ein farce vivendi OPEN MIC Special im Rahmen des Festivals Lateinamerikanischer Poesie in Wien statt und zwar Open Air vor dem Theseustempel im Volksgarten.






Der Wettergott meinte es gut mit uns, er wehte die vor Veranstaltungsbeginn herannahenden Regenwolken an einen unbekannten Ort und hieß die Sonne scheinen, so sehr, dass ein Teil des Publikums unter Bäumen Schutz suchte oder die mitgebrachten Regenschirme als Sonnenschirme gebrauchte.







Die Moderation erledigte diesmal Melamar alleine, da Andi Pianka andernorts gefragt war und sie tat dies zweisprachig, Deutsch und Spanisch, was ein Debüt für sie darstellte. Ein paar Vokabel frischte sie vor Veranstaltungsbeginn auf (Eisbrecher = rompehielos; Glücksfee = hada madrina).
Sie war auch die Eisbrecherin der Veranstaltung, welche im Übrigen ohne Pause über die Bühne
ging.







 
Die Reihenfolge der Lesenden wurde wie üblich von spontan aus dem Publikum rekrutierten Glücksfeen und Glücksfaunen ermittelt, mit Ausnahme zweier Special Guests, dem österreichischen Schriftsteller Wolfgang Hermann und seinem Übersetzer José Aníbal Campos, sowie dem Liedermacher Wolfgang Ratz, der auch als Übersetzer in Erscheinung trat und somit einen besonderen Beitrag leistete. Den beiden Special Guests wurde ein wenig mehr Zeit zur Verfügung gestellt, sie teilten ihre Beiträge in zwei Auftritte auf. Die Reihenfolge der Auftretenden fügte sich folgendermaßen:

01. melamar (Eisbrecherin)
Sie performte ihr einziges Gedicht, welches in spanischer Übersetzung (und sogar in englischer) vorliegt. Freundinnen und Freunden des farce vivendi Open Mic wird es nicht unbekannt sein, diente eine Zeile daraus lange Zeit als Motto der Veranstaltungsreihe.

"(...)
Poesie, das bist du!
Poetry, that's you!
Poesía, eres tú!
(...)"


02. Wolfgang Herrman (A) & José Aníbal Campos (Übersetzung)
Der aus Brengenz stammende und in Wien lebende Autor gab Gedichte preis, die von Licht und Schatten durchflutet waren.


 "(...)
Zerbirst dir nicht der Kopf
vor Schönheit
beim Anblick der Sonnenspiegelung
im Fenster des Salon Helga
mit der alten Dame
unter der Haube
(...)"


03. Carmen Verde (Venezuela) & Wolfgang Ratz (Übersetzung) 
Die Autorin bringt eingangs ihre Freude zum Ausdruck, in Wien freundlich empfangen worden zu sein. Auch bringt sie eine Anekdote ihrer Reise zum Besten. Man hatte sie am Flughafen in Caracas einer Personenkontrolle unterziehen wollen, doch als sie erklärte, sie sei Poetin wurde sie weiter gewunken.

In ihren Gedichten nimmt sie auf die Situation von Frauen ebenso Bezug wie auf jene von Flüchtlingen. Eines ihrer Gedichte bezieht sich auf den polnischen Dichter Czesław Miłosz.


04. David Huerta (Mexico) & Birgit Weilguny (Übersetzung)

"Bevor du dich politisch äußerst

Schau dir an den Gesichtern deiner Gesprächspartner die dunkle Seite an,
diesen Zug um den Mund wie von Geistlichen oder Banditen

und dann miss die Entfernung zwischen dir und dem
Auge des Sturms: dort findest du die Politik
(...)"


05. Ana Vidal Egea (Spanien) & Anna Hackl (Übersetzung)

"(...)
Er sagt:
Wenn du die Kakerlake zertrittst,
verteilen sich ihre Eier,
alles wird sich vermehren,
weil sich die Geschichte wiederholt,
es vermehren sich die Kranken,
jene, die ihren Schmerz übergehen, vermehren sich selbst,
der Fehler breitet sich aus;
bevor Paare sich entzweien,
vermehren sie sich lieber,
als könnte der letzte Spross
sie retten.
(...)"


06. Wolfgang Ratz (A)
Der Liedermacher bringt es fertig, die Wehmut und Schwärze des Wienerliedes mit lateinamerikanischen Rhythmen und Harmonien zu kombinieren und dies auf so selbstverständliche Weise, als brächte er bloß zusammen, was immer schon zusammen gehört hat.

(...)
Ein Hund, der sein Hundeleben satt hat
wär lieber ein Spieler, der ein gutes Blatt hat.
(...)

 

07. Rómulo Bustos Aguirre (Kolumbien) & Eva Srna (Übersetzung) 



"Über die Ontologie des Schinkens

Ein Schinken ist ein Schinken ist ein Schinken ...

Man erkennt darin unschwer die Neufassung
eines Satzes, der häufig zitiert wird
wenn man über Literatur und Kunst philosophiert

Nur ist jetzt ein Schwein
in Frau Steins Garten eingedrungen
und hat ihre denkwürdige Rose zerstört.
(...)


08. Wolfgang Herrman (A) & José Aníbal Campos (Übersetzung)
Im zweiten Teil seiner Lesung dominierte die Todesthematik.

"Der Name an der Tür des Todes bleibt verborgen"
heißt es in einem Text und
"Der Tod errichtet eine Mauer, damit wir auf ihr balancieren"
in einem anderen.


09. Tania Leodolter (A)
 Verarbeitete Erfahrungen der Fremde und der Sprachlosigkeit bei ihrer Jahre zurück liegenden Ankunft in Österreich.
In einem weiteren Text thematisierte sie den Missbrauch der Religion durch die Politik.


10. Ana Haidée Desangles (A)
Die Autorin war zum zweiten Mal bei einem farce vivendi Open Mic aber zum ersten Mal am Mikrophon.

Sie las eigene Gedichte wie auch solche ihres Vaters.






11. Luisa Futoransky (Argentinien) & Eva Srna (Übersetzung)
Die Gedichte der aus Buenos Aires stammenden Autorin erzählen Geschichten, die von feiner Ironie durchzogen sind.
Da ist die Japanische Nachbarin, Kiko, deren Name Chrysantheme bedeutet, die aber lieber Rosen mag, da sind die Männer...

(...)
Ach diese Männer
ich habe sie in kurze Verse verwandelt
und in Bücher und Zeitschriften verbannt
(...)


12. Georg Harlekin (A)

Einer der treuesten Autoren des farce vivendi Open Mic der letzten Jahre las aus seinen "Briefe an die Liebe".

(...)
Wer oder was bist du?
Bloß ein Wind.
(...)





13. Isabel Santonja
Entschloss sich spontan mitzumachen.

Sie merkte an, es wäre eine "Frechheit" dass sie unter "echten Dichtern" lesen dürfe.
Nun denn, das farce vivendi open Mic liebt freche Frauen und hofft auf ein Wiedersehen!


14. Wolfgang Ratz

In seinem zweiten Set präsentierte er spanische Lieder.
Eines davon, "el chico del bus" ist eine Hommage an jene Lebenskünstler in lateinamerikanischen Bussen, die einem etwas verkaufen wollen.


15. Enrique Moya (A) & melamar (& Eva Srna)
 
War melamar anfangs als Eisbrecherin aufgetreten, so bemühte sich Enrique
Moya, der Veranstalter des Festivals Lateinamerikanischer Poesie, gegen Ende - mit einem eigenen Gedicht, welches von Eva Srna übersetzt worden war und von melamar in deutscher Fassung gelesen wurde - das Eis wieder herzustellen.









Ein herzliches MUCHAS GRACIAS sei an dieser Stelle Cristian Lopez ausgesprochen, der sich um die Tontechnik kümmerte und sich durch nichts aus seiner bewundernswerten Ruhe bringen ließ, weder vom anfangs unsicher scheinenden Wetter, noch von nicht zugänglichen Steckdosen.










Herzlichen Dank auch an Georg Harlekin für die Bereitstellung der hier sichtbaren Fotos!

Es war eine gelungene Veranstaltung! Mögen noch viele weitere nachfolgen!

HASTA LA PROXIMA! 






Donnerstag, 24. Mai 2018

Next Stop Rathaus filozófos: Echofarn meets Moosküken

Am 24.Mai fand das FARCE VIVENDI OPEN MIC zum insgesamt 62. Mal und zum nunmehr zweiten Mal an seinem neuen Veranstaltungsort, dem Cafe Benno, statt. War der Besucherandrang beim vorigen Mal noch eher unterdurchschnittlich gewesen, so fanden diesmal (zumindest bis zur Pause) einige Leute nicht einmal mehr einen freien Sitzplatz vor. Scheint, als ob sich unsere neue Location mittlerweile herumgesprochen hätte :-) Wir hatten diesmal übrigens nicht nur im Publikum, sondern auch unter den Auftretenden einen recht hohen Anteil an fv-Open-Mic-DebütantInnen (45,4545454545%, um so halbwegs genau zu sein). Moderiert wurde der Abend wieder einmal von MELAMAR und ANDI PIANKA.

Letzterer durfte (nach dem üblichen Münzwurf) sogleich als Eisbrecher #1 drankommen. ANDI PIANKAs Text handelte v.a. von Wiener Straßennamen, die er in Verbindung mit lebenden PolitikerInnen gleichen Namens brachte. Und schlug vor, die Weinmanngasse im 22.Bezirk als Hommage an den am gleichen Tag abgetretenen Wiener Bürgermeister zur "Spritzweinmanngasse" umzubenennen.

Danach ging es sogleich in medias res. Zum ersten Mal mit dabei war PHIPPS, der in seinem kabarettistisch gehaltenen Beitrag eine Geschichte aus seinem alten Tagebuch erzählte. Bei der Befundbesprechung mit seiner Internistin habe diese gemeint, er wäre ein aus medizinischer(!) Sicht "heißer Typ".

Bei FELICIAN U. NOWOTNEY, ebenfalls erstmalig bei uns auftretend, wurde es dann lyrisch. In sieben Texten - hauptsächlich Gedichte, davon ein englischsprachiges - ging es viel um die Liebe in all ihren Facetten, nebenbei auch noch um die Grenzen der Welt, ein Gestöhne mit Hugo-Boss-Bezug u.v.a.m.

THOMAS HINTERHOFER, schon öfters beim fv Open Mic aufgetreten, führte uns in seinem "fröhlichen" Text in die Wiener U-Bahn, in der erst ein Baby zu schreien beginnt, danach er selbst und schließlich alle anderen, während der Fahrer zweisprachig meint: "Next Stop: Rathaus" und "Go away now!"

PUSZTA COWBOY, wie sich Angyal Gyula nun auf heimischen Bühnen nennt, wurde philosophisch und forderte vom Publikum den Refrain "filozófos" ein (eine Anspielung auf das ungarische Wort "filozófus"). Der Text selber handelte u.a. von "philosophischem Bullshit", Diogenes, Alfa Romeo und Douglas Adams.

ANJA kam für ihren allerersten Auftritt überhaupt auf einer Bühne extra aus Graz(!) angereist. Welch große Ehre für uns! In ihrem Text sitzt sie mit Sonnenbrille und offenem Haar am Wörthersee. Es geht um Gedanken über die Liebe. Denn erst hat sie Ja gesagt, aber dann folgen Streit & Co.

GERHARD, das sechste Mal bei unserem Open Mic dabei (und ebenfalls von außerhalb Wiens angereist), entschied sich aus diesem Anlass - passend zur Zahl - sich ebenfalls mit der Liebe zu befassen. Seine vier Gedichte in denen u.a. eine Gewitterwanderung und ein rothaariges Mädchen vorkamen, waren teils froh, teils traurig gestimmt.

MARLIES THUSWALD, keine Unbekannte auf unseren Bühnen, hat ein neues Buch: Es heißt "Echofarn" und enthält neben Text auch Bilder und eine CD. Aus diesem las sie auch. Tote Blätter raschelten voraus, es ging viel um Natur und ein Kind, das mit ihr interagiert. Und "Ich bin das Echo der Stadt."

Hernach ward Pause.


Als Eisbrecherin #2 war MELAMAR zu hören, die drei Auszüge aus einem noch unfertigen Text, welcher eventuellerweise ein Roman (mit dem Arbeitstitel
"Kryptogen oder Malika und die heilige Krankheit") werden könnte. Ein wesentliches Thema darin war Epilepsie, die manche Menschen als Teufelsbesessenheit betrachte(te)n, andere wiederum als Schamanentum. Und Medikamente, welche den Geist lähmen.


 

KLAUS SINOWATZ war der vierte fv-Open-Mic-Debütant des Abends. Sein literarisches Schaffen ist vor allem in der experimentellen Lyrik daheim. So las er ca. ein Dutzend kurzer Gedichte, die sich thematisch u.a. um Schillers faule Äpfel, eine Apothekerin, einen fetten Salamander oder eine übermorgige Ventilation drehten.





STEFAN PETER ist ein bereits langjähriger Stammgast bei uns. Im einzigen Musikbeitrag des Abends erinnerte er in seinem ersten Lied an Mike Hofer (bei uns mehrmals aufgetreten), der letztes Jahr verstorben ist. Es folgte ein vertontes Gedicht für eine Frau und endete mit dem Cover eines weltberühmtem Songs ("We shall overcome").






GEORG HARLEKIN ist ebenfalls ein jahrelanger Wegbegleiter des fv Open Mic. Bald kommt sein zweites Buch heraus. Sechs neue Texte waren von ihm (trotz etwas angeschlagener Gesundheit) zu hören, die mit "obskur" anfingen und u.a. einen Anruf der Demokratie, eine These oder auch abschließend ein "Time will tell" beinhalteten.

Last, but not least die letzte Debütantin unserer Veranstaltungsreihe, nämlich MOOSKÜKEN. Ein solches zog sie sogleich aus ihrer Hose und erzählte, auf einem mitgebrachten Sessel sitzend, eine tragische Liebesgeschichte, in der u.a. rote Zehennägelknospen vorkamen und der Nagellack Nektargeschmack hatte.


Dieses war also der 62. Streich, doch der nächste folgt sogleich (nämlich in der Tat sogleich). Es wird eine Art "Special" sein. Wer erraten möchte, womit diese Special Edition zu tun haben könnte (Auflösung folgt in den nächsten paar Tagen), dem/der sei als kleiner Tipp folgendes Gedicht des Autors dieser Zeilen aus dem Jahre 2013 zur Rätsellösung vielleicht hilfreich ;-)



SÜDLICH DES COSTA-RICA-KANALS

Der wegen der Enthüllung von Geheimdienstaktivitäten von der US-Justiz gesuchte Computerexperte Snowden (30) will politisches Asyl in Ecuador. Sein Antrag werde aber noch geprüft, hieß es in Caracas.“
(aus dem orf-teletext, 24.6.2013)


wenn du
in ecuador
nach caracas suchst
in bolivien
nach montevideo
oder nach lima
in paraguay
so wirst du
auch in brasilien
buenos aires
ganz gewiss
nicht finden
selbst dann nicht
wenn der karneval
von bogota
mal ausnahmsweise
nicht in chile
stattfindet

Alle Fotos von Georg Harlekin