Samstag, 24. November 2018

22.12. Lesung und Buchpräsentation GAMES OF ELEMENTS @Avalon


Games of Elements
Lesung und Buchpräsentation           
am 22. Dez. 2018
um 19:30h
im Avalon
Pfeilgasse 27 (Ecke Albertgasse)
1080 Wien

Eintritt frei!

Es lesen Patricia Brooks & Judith Nika Pfeifer sowie Ilse Kilic & melamar ihre jeweils paarweise verfassten Textbeiträge.


Games of Elements

Die Anthologie Games of Elements stellt eine Fortsetzung des Projektes „Aus Sprache“ dar. Sie rückt das Element, rückt Elemente allgemein in den Mittelpunkt der poetischen Betrachtung. Wieder ist es ein poetischer Dialog von älteren mit jüngeren Autorinnen, der das Zentrum der Sprachauseinandersetzung bildet. War der erste Band thematisch nicht festgemacht, so findet sich der vorliegende nun im Einzugsbereich der Elemente in all ihren Ausformungen und Funktionen. In diesem Kontext stellt sich auch die spannende Frage, wie ein literarischer Abtausch zwischen Autorinnen funktioniert, die naturgemäß von ihrer Genese und/oder ihrem Alter her unterschiedliche poetologische Standorte aufweisen.

Die Autorinnen

Patricia Brooks, geboren 1957 in Wien, freie Schriftstellerin,
zahlreiche Buchveröffentlichungen, Theaterstücke und Hörspiele, sowie das interdisziplinäre Performance Projekt „Radio rosa“.
Zuletzt erschienen
Garten der Geschwister”, Roman, Molden Verlag
Sprich nicht mit Fremden“ (Hörspiel, ORF, 2013)
Die Grammatik der Zeit", Roman, Verlag Wortreich, 2015 „Der Flügelschlag einer Möwe", Roman, Verlag Wortreich, 2017


Ilse Kilic, wurde am 28. Mai 1958 in Wien geboren.
Von 1986 bis 1991 war sie Sekretärin der Grazer Autorenversammlung; seither lebt sie als freiberufliche Schriftstellerin in Wien. 1986 gründete sie gemeinsam mit Fritz Widhalm die Edition "das fröhliche wohnzimmer". Es folgten Veröffentlichungen in Anthologien u. a. des Wiener Frauenverlags, der "edition aha" sowie in Zeitschriften, Film- und Fotoarbeiten.

melamar wurde 1976 in Klagenfurt / Celovec geboren, seit 1993 lebt sie in ihrer Wahlheimat Wien. Sie verfasst Poesie und Prosa, gelegentlich wagt sie Ausflüge in musikalische Gefilde.
Melamar ist Mitbegründerin der Literatur- und Kunstplattform farce vivendi sowie, gemeinsam mit Andi Pianka, Organisatorin und Moderatorin des regelmäßig in Wien stattfindenden farce vivendi OPEN MIC. Melamar ist Mitglied der IG Autorinnen Autoren sowie der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung GAV. Sie lebt und arbeitet in Wien.

Judith Nika Pfeifer autorin, kommunikations- und sprach-wissenschaftlerin, performance- und sprach-künstlerin, schreibt lyrics und lyrik, szenische texte und prosa, mag und realisiert gerne transmediale kunstprojekte. zb: an den rändern der sprache 1+2, hundsturm wien 2013. LOOP im rahmen von unruhe der form wiener festwochen 2013. literaturautomat, erich fried tage 2009, literaturhaus wien und salzburg 2011. das sisi projekt 2011; dear jenny, poems in situ @ jenny holzer‘s blue purple tilt exhibition, talbot rice gallery edinburgh 2010. veröffentlichungen in anthologien und zeitschriften, u.a. springerin, literatur + kritik, kolik, lichtungen.


Die Herausgeberinnen

Kronabitter, Erika: geboren 1959 in Hartberg/Steiermark. 1996-2002 Studium der vergleichenden Literaturwissenschaft, Germanistik/Kunstgeschichte, 2003 Studienabschluss:Diplomarbeit zum Thema "Theorie und Praxis des Experiments in der Literatur". Zahlreiche künstlerische Arbeiten und Preise.

Ganglbauer, Petra: geboren 1958 in Graz. Lebt in Wien und im Burgenland. Autorin und Radiokünstlerin. Lyrik-, Prosaveröffentlichungen, Herausgeberschaft, Hörstücke, Projekte. Werkstätten. Leitung des Lehrgangs Wiener Schreibpädagogik.



Games of Elements
Anthologie
Erika Kronabitter | Petra Ganglbauer (Hg.)

Erstveröffentlichung 12 2017 | 118 Seiten | Einband Softcover [A5]
ISBN 978-3-902864-73-4 |
EDITION ART SCIENCE | Preis EUR 15,00




Eine Veranstaltung von farce vivendi - Plattform für Literatur, Kunst und menschenwürdiges Dasein.

www.farcevivendi.net

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturkommission des 8. Bezirkes.

Samstag, 17. November 2018

SCHLINGENSIEFSCHE RIPPEN- UND BOHNENBEOBACHTUNGEN AGAINST DEN DUNKLEN DROGENZUG (oder: WEIN, MEIN URIN!)

Damit heuer jede Jahreszeit ihr farce vivendi Open Mic bekommt, kamen wir nach Winter, Frühling und Sommer nun auch im Herbst zusammen. Und wie schon zwei Male zuvor, so war auch diesmal der Keller des Cafe Benno der Ort des Geschehens. Durch den Abend geleiteten und (ver)führten – wie üblich – melamar und Andi Pianka.


 

ANDI PIANKA machte aufgrund der traditionellen Münzwurfentscheidung den ersten Eisbrecher. Sein von einem orf.at-Artikel inspirierter Text (mit welchem er im Übrigen am Folgetag den ersten Schönberger Poetry Slam gewann) handelte von 4.300 Shades of politische Grauslichkeiten.






WOLFGANG E. EIGENSINN wurde, da er noch zu einer anderen Veranstaltung musste, ohne Los als Startnummer 1 vorgezogen. In seinem ersten
Text war er ein „alter Sack“ und „geiler Mann“, im zweiten wurde ein Kinderreim zum Dunkelmann: Im Dunkeln ist gut munkeln.


 
NIKI-TA war „voll da“ und kam in den Flow. In ihren im Dialekt gehaltenen Texten ging es u.a. um's „spün mit Text und Textü“. Danach gab es noch einen Text aus ihrer Radieschen-Kolumne, der vom Weinen um die Weinberge, also Wiens grüne Lunge, handelte.

 
NIKOLAUS LUTTENFELDNER las einen über 20 Jahre alten Text, in dem die Ich-Person auf der Heimfahrt von einem Seminar im Zugabteil auf einen
mysteriösen Mitpassagier trifft, der alles über ihn zu wissen scheint. Als dieser verschwindet, ahnt man, wer es gewesen sein könnte...


 
ANGEREICHERT brachte ebenfalls einen Text aus der Ich-Perspektive. Es
graust und graut der Ich-Person vor Abhängigkeiten, die mit der alttestamentarischen Rippe in Zusammenhang stehen. Am Ende stehen „unser Zusammenbruch und meine Auferstehung“.



KLAUS SINOWATZ kam mit Gedichtband und Gedichten eben daraus. Diese behandelten u.a. eine berühmte Schlingensief-Aktion aus dem Jahre 2000, umjeweils einen Buchstaben reduzierte Natur, Saurier, Schamlosigkeiten und Kommentare zu Goethe und Mörike.


Nun wurde für ca. eine Viertelstunde pausiert.


MELAMAR war Eisbrecherin #2. Sie las (nachdem sie ein wenig über die mexikanischen „narcotraficantes“ erzählt hatte) einen kurzen Ausschnitt aus ihrem 2004 erschienenen Roman „Fall in die Nacht“, in dem zur Musik von Janis Joplin ein Heroinschuss vorbereitet wird.



EVELYN HOLLOWAY, die hauptsächlich in Cornwall lebt, wo sie immer wieder auftritt, brachte englischsprachige Gedichte: Ein „Poem against fear“, das viele
Aufforderungen zu einem besseren Leben enthielt, ein „Memory is an ocean without salt“ und eines über eine Künstlerkolonie.


 

CHRISTIAN „SCHREIBI“ SCHREIBMÜLLER folgte mit kleinen
Nebenbeobachtungen zur Literatur. Der erste Text entsprang einer möglichen Doppeldeutung des Satzes „Die Wolken werden dichter“, die beiden folgenden setzen sich kritisch mit dem Verzicht auf Appetit auseinander.






GEORG HARLEKIN hat es mit seinem Gedicht „Der Moment“ in die Anthologie Deutsche Gedichte 2017 geschafft (wir gratulieren herzlichst!). Nach Vortrag
des selbigen ging es in seinen beiden folgenden Gedichten um den pochenden Rhythmus und um die Musik.

 
STEFAN PETER kam mit gereimtem Schleim aus der „Bohnen Zeitung“, der
größten Zeitung des Landes. Ein Dichter, der von dieser Zeitung noch nie etwas gehört hat, soll von deren (den Führer imitierenden) Journalisten Herbert Wicht als Hausdichter engagiert werden.

 
MARIO FERNANDEZ debütierte beim fv Open Mic – und zwar mit einem spanischsprachigen Liebesgedicht, das von einer gemeinsamen Zukunft, einem bedeckten Himmel und einem nicht kommenden Wind handelte. La ciudad es mas fría sin tí.



 
HEIDI WIMMER, ebenfalls das erste Mal bei uns mit dabei, präsentierte sich
mit dem kürzesten Auftritt des Abends. In ihrem Gedicht zeigte sich vom Schmetterling bis zur Haut alles Mögliche.



 
WOLFGANG GLECHNER warnte zunächst vor Kamasutra-Unfällen, ehe er von seinem Handy aus ein Textfragment aus einem unfertigen Roman las, in dem
Walter jetzt 3, 4 oder 5 Berufe hat, u.a. Rotkäppchendarsteller oder Drogentester, der Sportlern beim Urintest Kunstpenisse abnimmt.


Nun waren wir am Ende angelangt und es ging in den geselligen Teil über (wo dann so Manches vergessen wurde, aber das soll an dieser Stelle nicht näher erörtert werden).

Und auch wenn das nächste reguläre fv Open Mic wohl erst im Februar 2019 stattfinden wird, so sehen wir uns hoffentlich noch heuer im Dezember wieder. Es gibt da eine bereits fixierte Lesung am 22.12. und möglicherweise noch eine weitere Veranstaltung, die mit einem Buch in Zusammenhang stehen könnte ;-)

PS: Zum Vergrößern auf die Bilder klicken! Eine größere Anzahl von Fotos gibt es hier:

https://www.facebook.com/melamar/media_set?set=a.10216767779683261&type=3

(Das Album ist öffentlich und somit auch für jene einsehbar, die nicht auf Facebook sind.)

Fotos: Christian Schreibmüller & melamar

Donnerstag, 30. August 2018

Why comest thou? To tell thee thou shalt see us at Leopoldi.

Keine Angst, wir sind nicht so blutrünstig wie Brutus und Cäsars Geist im obigen (situationselastisch leicht abgewandelten) Dialog aus Shakespeares "Julius Cäsar". Deswegen sehen wir uns eben auch nicht bei Philippi wieder (wie es im Original heißen würde). Stattdessen wollen wir gemütlich fasslrutschen...ähm, also vor allem eure Darbietungen genießen. Wie alle der Wien-NÖischen Landesgeschichte kundigen also mittlerweile wohl draufgekommen sein dürften:
Das nächste farce vivendi Open Mic findet am Do, 15.11.2018 um 19:30 statt
(trotz des Leopoldi-Tages allerdings nicht im Cafe Leopold, auch nicht in der Leopoldstadt (wo das fv Open Mic einstmals seinen Ursprung nahm) oder gar im Stift Klosteneuburg, sondern - wie heuer bereits zwei Male -  im Cafe Benno, 8., Alser Straße 67) 

Donnerstag, 16. August 2018

Angereicherte Tuba-Hymnen in der sternenklaren Steppe


Der Sommer ist ja bekanntlich die Zeit der Open Airs. Und wenn eine Open-Air-
Veranstaltung direkt an einem Gewässer stattfindet (in dem Fall dem Donaukanal), umso mehr kommt Urlaubsstimmung auf. Das Wetter (bei solchen Sachen stets ein Unsicherheitsfaktor) meinte es mit uns sehr gut. Und so konnte das 64. farce vivendi Open Mic tatsächlich auch draußen (vorm Werk in Spittelau) stattfinden.

  




Das Los in Gestalt einer ungarischen Münze fiel auf den Würgfalken, entschied damit für ANDI PIANKA als Eisbrecher #1. Dieser, beeindruckt von der Mondfinsternis unlängst, brachte einige Gedichte, die sich alle um Sterne und Planeten drehten.






 

CHRISTIAN „SCHREIBI“ SCHREIBMÜLLER kam, sang und dichtete unserer
Bundeshymne neue Strophen. Da wurde es dann schamlos blau und peinlich, peinlich im Land der Gnome, dem weinseligen Österreich.







JOPA trug viele Katzentexte vor, die u.a. von fake cats im postkatzischen Zeitalter, cat contents oder dem LCD, welches das LSD ersetzt hat, handelten. Zum Abschluss gab es die Interkatzionale: Katzen stört die Signale!

[An dieser Stelle folgte als spontane kurze Zwischeneinlage eine weitere, vom TEX vom Werk, vorgetragene Hymne, die am Ende der Veranstaltung eine nochmalige Wiederholung fand]


 
NIKOLAUS LUTTENFELDNER zeigte vor, wie man sich als politischer
Quereinsteiger zu präsentieren hat. Mit Sätzen wie „Ich war noch sehr jung, als ich geboren wurde“ oder „Denken Sie nicht, was ich jetzt denke!“

 

 



RÉKA begann mit einem „gemeinen“ Text, in dem rote Augenpaare erschienen, als die Urlauber schliefen. In jener Blutnacht wurde die Erde von diversen Makroorganismen befreit. Im zweiten Text ging es um (das Fehlen von) Katzen.

[Die Autorin möchte kein Bild von sich im Netz haben.]






 
THOMAS MAYER PHANTASÖNLICH glaubt nach wie vor. Aber nicht in dem
Sinn, wie er erzogen wurde. So glaubt er beispielsweise eher daran, dass er morgen in der Früh einen Kaffee trinken wird.








WOLFGANG E. EIGENSINN brachte einen Text namens „Mehrfachillusionen sind denkbar“, der sich sehr politik- und gesellschaftskritisch gab. Was er uns u.a. als Parole mitgab: Denke und lenke den Ausstieg!







 
GEORG HARLEKIN war diesmal nicht allein. Zu seinen (traditionellerweise drei) Gedichten, die vom Moment, von der Wurzel des Übels und der Demut handelten, steppte begleitend Überraschungsgästin ASTRID.



Danach wurde die übliche Halbzeitpause ausgerufen.


MELAMAR machte dann als Eisbrecherin #2 den Wiederbeginn. Sie prangerte in ihrem Text männliche Gewalt an (in dem Fall alleine reisenden) Frauen an – anlässlich eines aktuellen Mordverbrechens, nämlich an der 25jährigen mexikanischen Musikerin Maria Trinidad „Sirena“.



 
WUF (nämlich Werner und Frieda) sorgten für die erste Tuba-Darbietung in der
Geschichte des fv Open Mic. Sie waren breit aufgestellt und machten Electronic Tuba Music, die in eine Hip-Hop-Nummer über die Schwammerlgesellschaft mündete.










IO (oder I0 – je, nachdem) brachte drei kurze Texte. Im ersten war er ein schleunigst entschleunigender Wortaholiker, im zweiten beging er einen Denkanschlag („Wir sind anti portem und anti domum“) und im dritten ging es um Drüberredungskunst.

 [Leider glückte kein Foto des Autors.]






TIPHAN setzte mit ebenfalls kurzen Texten fort. Darin erweiterte er u.a. die
Redewendung „Kommt Zeit, kommt Rat“, machte eine Entspiegelungskur und endete im Dialekt. Dazwischen gab's noch: Alle nervös, alle Regierung, alle am Pferd. Alea iacta Hetz.






KAMYLEON ist an sich kein Unbekannter beim fv Open Mic. Nur ist er diesmal unter neuem Namen aufgetreten. Und auch die Sprache seiner zwei Lieder („Aus dem Liederzyklus der pathologischen Beziehungen“) war mit Englisch eine andere als üblich.



 

SAMUEL, erstmals seit ein paar Jahren wieder bei einem fv Open Mic dabei,
sorgte für den kürzesten Auftritt des Abends, nämlich mit einem 16-zeiligen „uralten“ (nämlich vor 12 Jahren entstandenen) und „authentischen“ Liebesgedicht.








NIKI-TA übersetzte „präsent“ mit „voll da“ und erzählte von ihren „Lieblingstätigkeiten“. Mit ihrer Arbeit im konventionellen Schulsystem hat sie abgeschlossen. Sie hat sich nämlich fort-gebildet: Nie mehr Schule!






 
ANGEREICHERT (ebenso wie WUF und TIPHAN das erste Mal bei einem fv
Open Mic dabei) wurde in ihren drei Gedichten wieder planetarisch – diesmal ging es um die Venus als Metapher für die Liebe: „Dahin sind wir gegangen – lange...“



 

STEFAN PETER beendete den Auftrittsreigen des 64. farce vivendi Open Mic mit – ganz passend zum sternenklaren Abend über uns – mit seinem Lied „Sternenklar“. Somit konnten (knapp, aber doch) alle, die sich angemeldet hatten, rechtzeitig vor 22h (da haben wir lautstärkebedingt fertig sein müssen) auch drankommen.





Es folgte noch der gesellige Teil mit regen Unterhaltungen über Gott und die Welt...
Vielen Dank an alle Aufgetretenen, vielen Dank ans Werk und vielen Dank auch
 für das so zahlreiche Erscheinen. Über 60 Leute waren's (und da sind für kurze Zeit stehen gebliebene PassantInnen gar nicht mal eingerechnet).

Wir kommen wieder, keine Frage. Einen Termin gibt's demnächst. Und dann wäre noch was :-) Dazu ebenfalls demnächst mehr.

[zum Vergrößern auf die Bilder klicken]

Montag, 18. Juni 2018

Rückblick 9.6.2018 farce vivendi OPEN MIC @Theseustempel






Am Sa, dem 9.6.2018 fand erstmals ein farce vivendi OPEN MIC Special im Rahmen des Festivals Lateinamerikanischer Poesie in Wien statt und zwar Open Air vor dem Theseustempel im Volksgarten.






Der Wettergott meinte es gut mit uns, er wehte die vor Veranstaltungsbeginn herannahenden Regenwolken an einen unbekannten Ort und hieß die Sonne scheinen, so sehr, dass ein Teil des Publikums unter Bäumen Schutz suchte oder die mitgebrachten Regenschirme als Sonnenschirme gebrauchte.







Die Moderation erledigte diesmal Melamar alleine, da Andi Pianka andernorts gefragt war und sie tat dies zweisprachig, Deutsch und Spanisch, was ein Debüt für sie darstellte. Ein paar Vokabel frischte sie vor Veranstaltungsbeginn auf (Eisbrecher = rompehielos; Glücksfee = hada madrina).
Sie war auch die Eisbrecherin der Veranstaltung, welche im Übrigen ohne Pause über die Bühne
ging.







 
Die Reihenfolge der Lesenden wurde wie üblich von spontan aus dem Publikum rekrutierten Glücksfeen und Glücksfaunen ermittelt, mit Ausnahme zweier Special Guests, dem österreichischen Schriftsteller Wolfgang Hermann und seinem Übersetzer José Aníbal Campos, sowie dem Liedermacher Wolfgang Ratz, der auch als Übersetzer in Erscheinung trat und somit einen besonderen Beitrag leistete. Den beiden Special Guests wurde ein wenig mehr Zeit zur Verfügung gestellt, sie teilten ihre Beiträge in zwei Auftritte auf. Die Reihenfolge der Auftretenden fügte sich folgendermaßen:

01. melamar (Eisbrecherin)
Sie performte ihr einziges Gedicht, welches in spanischer Übersetzung (und sogar in englischer) vorliegt. Freundinnen und Freunden des farce vivendi Open Mic wird es nicht unbekannt sein, diente eine Zeile daraus lange Zeit als Motto der Veranstaltungsreihe.

"(...)
Poesie, das bist du!
Poetry, that's you!
Poesía, eres tú!
(...)"


02. Wolfgang Herrman (A) & José Aníbal Campos (Übersetzung)
Der aus Brengenz stammende und in Wien lebende Autor gab Gedichte preis, die von Licht und Schatten durchflutet waren.


 "(...)
Zerbirst dir nicht der Kopf
vor Schönheit
beim Anblick der Sonnenspiegelung
im Fenster des Salon Helga
mit der alten Dame
unter der Haube
(...)"


03. Carmen Verde (Venezuela) & Wolfgang Ratz (Übersetzung) 
Die Autorin bringt eingangs ihre Freude zum Ausdruck, in Wien freundlich empfangen worden zu sein. Auch bringt sie eine Anekdote ihrer Reise zum Besten. Man hatte sie am Flughafen in Caracas einer Personenkontrolle unterziehen wollen, doch als sie erklärte, sie sei Poetin wurde sie weiter gewunken.

In ihren Gedichten nimmt sie auf die Situation von Frauen ebenso Bezug wie auf jene von Flüchtlingen. Eines ihrer Gedichte bezieht sich auf den polnischen Dichter Czesław Miłosz.


04. David Huerta (Mexico) & Birgit Weilguny (Übersetzung)

"Bevor du dich politisch äußerst

Schau dir an den Gesichtern deiner Gesprächspartner die dunkle Seite an,
diesen Zug um den Mund wie von Geistlichen oder Banditen

und dann miss die Entfernung zwischen dir und dem
Auge des Sturms: dort findest du die Politik
(...)"


05. Ana Vidal Egea (Spanien) & Anna Hackl (Übersetzung)

"(...)
Er sagt:
Wenn du die Kakerlake zertrittst,
verteilen sich ihre Eier,
alles wird sich vermehren,
weil sich die Geschichte wiederholt,
es vermehren sich die Kranken,
jene, die ihren Schmerz übergehen, vermehren sich selbst,
der Fehler breitet sich aus;
bevor Paare sich entzweien,
vermehren sie sich lieber,
als könnte der letzte Spross
sie retten.
(...)"


06. Wolfgang Ratz (A)
Der Liedermacher bringt es fertig, die Wehmut und Schwärze des Wienerliedes mit lateinamerikanischen Rhythmen und Harmonien zu kombinieren und dies auf so selbstverständliche Weise, als brächte er bloß zusammen, was immer schon zusammen gehört hat.

(...)
Ein Hund, der sein Hundeleben satt hat
wär lieber ein Spieler, der ein gutes Blatt hat.
(...)

 

07. Rómulo Bustos Aguirre (Kolumbien) & Eva Srna (Übersetzung) 



"Über die Ontologie des Schinkens

Ein Schinken ist ein Schinken ist ein Schinken ...

Man erkennt darin unschwer die Neufassung
eines Satzes, der häufig zitiert wird
wenn man über Literatur und Kunst philosophiert

Nur ist jetzt ein Schwein
in Frau Steins Garten eingedrungen
und hat ihre denkwürdige Rose zerstört.
(...)


08. Wolfgang Herrman (A) & José Aníbal Campos (Übersetzung)
Im zweiten Teil seiner Lesung dominierte die Todesthematik.

"Der Name an der Tür des Todes bleibt verborgen"
heißt es in einem Text und
"Der Tod errichtet eine Mauer, damit wir auf ihr balancieren"
in einem anderen.


09. Tania Leodolter (A)
 Verarbeitete Erfahrungen der Fremde und der Sprachlosigkeit bei ihrer Jahre zurück liegenden Ankunft in Österreich.
In einem weiteren Text thematisierte sie den Missbrauch der Religion durch die Politik.


10. Ana Haidée Desangles (A)
Die Autorin war zum zweiten Mal bei einem farce vivendi Open Mic aber zum ersten Mal am Mikrophon.

Sie las eigene Gedichte wie auch solche ihres Vaters.






11. Luisa Futoransky (Argentinien) & Eva Srna (Übersetzung)
Die Gedichte der aus Buenos Aires stammenden Autorin erzählen Geschichten, die von feiner Ironie durchzogen sind.
Da ist die Japanische Nachbarin, Kiko, deren Name Chrysantheme bedeutet, die aber lieber Rosen mag, da sind die Männer...

(...)
Ach diese Männer
ich habe sie in kurze Verse verwandelt
und in Bücher und Zeitschriften verbannt
(...)


12. Georg Harlekin (A)

Einer der treuesten Autoren des farce vivendi Open Mic der letzten Jahre las aus seinen "Briefe an die Liebe".

(...)
Wer oder was bist du?
Bloß ein Wind.
(...)





13. Isabel Santonja
Entschloss sich spontan mitzumachen.

Sie merkte an, es wäre eine "Frechheit" dass sie unter "echten Dichtern" lesen dürfe.
Nun denn, das farce vivendi open Mic liebt freche Frauen und hofft auf ein Wiedersehen!


14. Wolfgang Ratz

In seinem zweiten Set präsentierte er spanische Lieder.
Eines davon, "el chico del bus" ist eine Hommage an jene Lebenskünstler in lateinamerikanischen Bussen, die einem etwas verkaufen wollen.


15. Enrique Moya (A) & melamar (& Eva Srna)
 
War melamar anfangs als Eisbrecherin aufgetreten, so bemühte sich Enrique
Moya, der Veranstalter des Festivals Lateinamerikanischer Poesie, gegen Ende - mit einem eigenen Gedicht, welches von Eva Srna übersetzt worden war und von melamar in deutscher Fassung gelesen wurde - das Eis wieder herzustellen.









Ein herzliches MUCHAS GRACIAS sei an dieser Stelle Cristian Lopez ausgesprochen, der sich um die Tontechnik kümmerte und sich durch nichts aus seiner bewundernswerten Ruhe bringen ließ, weder vom anfangs unsicher scheinenden Wetter, noch von nicht zugänglichen Steckdosen.










Herzlichen Dank auch an Georg Harlekin für die Bereitstellung der hier sichtbaren Fotos!

Es war eine gelungene Veranstaltung! Mögen noch viele weitere nachfolgen!

HASTA LA PROXIMA!