Montag, 18. Juni 2018

Rückblick 9.6.2018 farce vivendi OPEN MIC @Theseustempel






Am Sa, dem 9.6.2018 fand erstmals ein farce vivendi OPEN MIC Special im Rahmen des Festivals Lateinamerikanischer Poesie in Wien statt und zwar Open Air vor dem Theseustempel im Volksgarten.






Der Wettergott meinte es gut mit uns, er wehte die vor Veranstaltungsbeginn herannahenden Regenwolken an einen unbekannten Ort und hieß die Sonne scheinen, so sehr, dass ein Teil des Publikums unter Bäumen Schutz suchte oder die mitgebrachten Regenschirme als Sonnenschirme gebrauchte.







Die Moderation erledigte diesmal Melamar alleine, da Andi Pianka andernorts gefragt war und sie tat dies zweisprachig, Deutsch und Spanisch, was ein Debüt für sie darstellte. Ein paar Vokabel frischte sie vor Veranstaltungsbeginn auf (Eisbrecher = rompehielos; Glücksfee = hada madrina).
Sie war auch die Eisbrecherin der Veranstaltung, welche im Übrigen ohne Pause über die Bühne
ging.







 
Die Reihenfolge der Lesenden wurde wie üblich von spontan aus dem Publikum rekrutierten Glücksfeen und Glücksfaunen ermittelt, mit Ausnahme zweier Special Guests, dem österreichischen Schriftsteller Wolfgang Hermann und seinem Übersetzer José Aníbal Campos, sowie dem Liedermacher Wolfgang Ratz, der auch als Übersetzer in Erscheinung trat und somit einen besonderen Beitrag leistete. Den beiden Special Guests wurde ein wenig mehr Zeit zur Verfügung gestellt, sie teilten ihre Beiträge in zwei Auftritte auf. Die Reihenfolge der Auftretenden fügte sich folgendermaßen:

01. melamar (Eisbrecherin)
Sie performte ihr einziges Gedicht, welches in spanischer Übersetzung (und sogar in englischer) vorliegt. Freundinnen und Freunden des farce vivendi Open Mic wird es nicht unbekannt sein, diente eine Zeile daraus lange Zeit als Motto der Veranstaltungsreihe.

"(...)
Poesie, das bist du!
Poetry, that's you!
Poesía, eres tú!
(...)"


02. Wolfgang Herrman (A) & José Aníbal Campos (Übersetzung)
Der aus Brengenz stammende und in Wien lebende Autor gab Gedichte preis, die von Licht und Schatten durchflutet waren.


 "(...)
Zerbirst dir nicht der Kopf
vor Schönheit
beim Anblick der Sonnenspiegelung
im Fenster des Salon Helga
mit der alten Dame
unter der Haube
(...)"


03. Carmen Verde (Venezuela) & Wolfgang Ratz (Übersetzung) 
Die Autorin bringt eingangs ihre Freude zum Ausdruck, in Wien freundlich empfangen worden zu sein. Auch bringt sie eine Anekdote ihrer Reise zum Besten. Man hatte sie am Flughafen in Caracas einer Personenkontrolle unterziehen wollen, doch als sie erklärte, sie sei Poetin wurde sie weiter gewunken.

In ihren Gedichten nimmt sie auf die Situation von Frauen ebenso Bezug wie auf jene von Flüchtlingen. Eines ihrer Gedichte bezieht sich auf den polnischen Dichter Czesław Miłosz.


04. David Huerta (Mexico) & Birgit Weilguny (Übersetzung)

"Bevor du dich politisch äußerst

Schau dir an den Gesichtern deiner Gesprächspartner die dunkle Seite an,
diesen Zug um den Mund wie von Geistlichen oder Banditen

und dann miss die Entfernung zwischen dir und dem
Auge des Sturms: dort findest du die Politik
(...)"


05. Ana Vidal Egea (Spanien) & Anna Hackl (Übersetzung)

"(...)
Er sagt:
Wenn du die Kakerlake zertrittst,
verteilen sich ihre Eier,
alles wird sich vermehren,
weil sich die Geschichte wiederholt,
es vermehren sich die Kranken,
jene, die ihren Schmerz übergehen, vermehren sich selbst,
der Fehler breitet sich aus;
bevor Paare sich entzweien,
vermehren sie sich lieber,
als könnte der letzte Spross
sie retten.
(...)"


06. Wolfgang Ratz (A)
Der Liedermacher bringt es fertig, die Wehmut und Schwärze des Wienerliedes mit lateinamerikanischen Rhythmen und Harmonien zu kombinieren und dies auf so selbstverständliche Weise, als brächte er bloß zusammen, was immer schon zusammen gehört hat.

(...)
Ein Hund, der sein Hundeleben satt hat
wär lieber ein Spieler, der ein gutes Blatt hat.
(...)

 

07. Rómulo Bustos Aguirre (Kolumbien) & Eva Srna (Übersetzung) 



"Über die Ontologie des Schinkens

Ein Schinken ist ein Schinken ist ein Schinken ...

Man erkennt darin unschwer die Neufassung
eines Satzes, der häufig zitiert wird
wenn man über Literatur und Kunst philosophiert

Nur ist jetzt ein Schwein
in Frau Steins Garten eingedrungen
und hat ihre denkwürdige Rose zerstört.
(...)


08. Wolfgang Herrman (A) & José Aníbal Campos (Übersetzung)
Im zweiten Teil seiner Lesung dominierte die Todesthematik.

"Der Name an der Tür des Todes bleibt verborgen"
heißt es in einem Text und
"Der Tod errichtet eine Mauer, damit wir auf ihr balancieren"
in einem anderen.


09. Tania Leodolter (A)
 Verarbeitete Erfahrungen der Fremde und der Sprachlosigkeit bei ihrer Jahre zurück liegenden Ankunft in Österreich.
In einem weiteren Text thematisierte sie den Missbrauch der Religion durch die Politik.


10. Ana Haidée Desangles (A)
Die Autorin war zum zweiten Mal bei einem farce vivendi Open Mic aber zum ersten Mal am Mikrophon.

Sie las eigene Gedichte wie auch solche ihres Vaters.






11. Luisa Futoransky (Argentinien) & Eva Srna (Übersetzung)
Die Gedichte der aus Buenos Aires stammenden Autorin erzählen Geschichten, die von feiner Ironie durchzogen sind.
Da ist die Japanische Nachbarin, Kiko, deren Name Chrysantheme bedeutet, die aber lieber Rosen mag, da sind die Männer...

(...)
Ach diese Männer
ich habe sie in kurze Verse verwandelt
und in Bücher und Zeitschriften verbannt
(...)


12. Georg Harlekin (A)

Einer der treuesten Autoren des farce vivendi Open Mic der letzten Jahre las aus seinen "Briefe an die Liebe".

(...)
Wer oder was bist du?
Bloß ein Wind.
(...)





13. Isabel Santonja
Entschloss sich spontan mitzumachen.

Sie merkte an, es wäre eine "Frechheit" dass sie unter "echten Dichtern" lesen dürfe.
Nun denn, das farce vivendi open Mic liebt freche Frauen und hofft auf ein Wiedersehen!


14. Wolfgang Ratz

In seinem zweiten Set präsentierte er spanische Lieder.
Eines davon, "el chico del bus" ist eine Hommage an jene Lebenskünstler in lateinamerikanischen Bussen, die einem etwas verkaufen wollen.


15. Enrique Moya (A) & melamar (& Eva Srna)
 
War melamar anfangs als Eisbrecherin aufgetreten, so bemühte sich Enrique
Moya, der Veranstalter des Festivals Lateinamerikanischer Poesie, gegen Ende - mit einem eigenen Gedicht, welches von Eva Srna übersetzt worden war und von melamar in deutscher Fassung gelesen wurde - das Eis wieder herzustellen.









Ein herzliches MUCHAS GRACIAS sei an dieser Stelle Cristian Lopez ausgesprochen, der sich um die Tontechnik kümmerte und sich durch nichts aus seiner bewundernswerten Ruhe bringen ließ, weder vom anfangs unsicher scheinenden Wetter, noch von nicht zugänglichen Steckdosen.










Herzlichen Dank auch an Georg Harlekin für die Bereitstellung der hier sichtbaren Fotos!

Es war eine gelungene Veranstaltung! Mögen noch viele weitere nachfolgen!

HASTA LA PROXIMA! 






Donnerstag, 24. Mai 2018

Next Stop Rathaus filozófos: Echofarn meets Moosküken

Am 24.Mai fand das FARCE VIVENDI OPEN MIC zum insgesamt 62. Mal und zum nunmehr zweiten Mal an seinem neuen Veranstaltungsort, dem Cafe Benno, statt. War der Besucherandrang beim vorigen Mal noch eher unterdurchschnittlich gewesen, so fanden diesmal (zumindest bis zur Pause) einige Leute nicht einmal mehr einen freien Sitzplatz vor. Scheint, als ob sich unsere neue Location mittlerweile herumgesprochen hätte :-) Wir hatten diesmal übrigens nicht nur im Publikum, sondern auch unter den Auftretenden einen recht hohen Anteil an fv-Open-Mic-DebütantInnen (45,4545454545%, um so halbwegs genau zu sein). Moderiert wurde der Abend wieder einmal von MELAMAR und ANDI PIANKA.

Letzterer durfte (nach dem üblichen Münzwurf) sogleich als Eisbrecher #1 drankommen. ANDI PIANKAs Text handelte v.a. von Wiener Straßennamen, die er in Verbindung mit lebenden PolitikerInnen gleichen Namens brachte. Und schlug vor, die Weinmanngasse im 22.Bezirk als Hommage an den am gleichen Tag abgetretenen Wiener Bürgermeister zur "Spritzweinmanngasse" umzubenennen.

Danach ging es sogleich in medias res. Zum ersten Mal mit dabei war PHIPPS, der in seinem kabarettistisch gehaltenen Beitrag eine Geschichte aus seinem alten Tagebuch erzählte. Bei der Befundbesprechung mit seiner Internistin habe diese gemeint, er wäre ein aus medizinischer(!) Sicht "heißer Typ".

Bei FELICIAN U. NOWOTNEY, ebenfalls erstmalig bei uns auftretend, wurde es dann lyrisch. In sieben Texten - hauptsächlich Gedichte, davon ein englischsprachiges - ging es viel um die Liebe in all ihren Facetten, nebenbei auch noch um die Grenzen der Welt, ein Gestöhne mit Hugo-Boss-Bezug u.v.a.m.

THOMAS HINTERHOFER, schon öfters beim fv Open Mic aufgetreten, führte uns in seinem "fröhlichen" Text in die Wiener U-Bahn, in der erst ein Baby zu schreien beginnt, danach er selbst und schließlich alle anderen, während der Fahrer zweisprachig meint: "Next Stop: Rathaus" und "Go away now!"

PUSZTA COWBOY, wie sich Angyal Gyula nun auf heimischen Bühnen nennt, wurde philosophisch und forderte vom Publikum den Refrain "filozófos" ein (eine Anspielung auf das ungarische Wort "filozófus"). Der Text selber handelte u.a. von "philosophischem Bullshit", Diogenes, Alfa Romeo und Douglas Adams.

ANJA kam für ihren allerersten Auftritt überhaupt auf einer Bühne extra aus Graz(!) angereist. Welch große Ehre für uns! In ihrem Text sitzt sie mit Sonnenbrille und offenem Haar am Wörthersee. Es geht um Gedanken über die Liebe. Denn erst hat sie Ja gesagt, aber dann folgen Streit & Co.

GERHARD, das sechste Mal bei unserem Open Mic dabei (und ebenfalls von außerhalb Wiens angereist), entschied sich aus diesem Anlass - passend zur Zahl - sich ebenfalls mit der Liebe zu befassen. Seine vier Gedichte in denen u.a. eine Gewitterwanderung und ein rothaariges Mädchen vorkamen, waren teils froh, teils traurig gestimmt.

MARLIES THUSWALD, keine Unbekannte auf unseren Bühnen, hat ein neues Buch: Es heißt "Echofarn" und enthält neben Text auch Bilder und eine CD. Aus diesem las sie auch. Tote Blätter raschelten voraus, es ging viel um Natur und ein Kind, das mit ihr interagiert. Und "Ich bin das Echo der Stadt."

Hernach ward Pause.


Als Eisbrecherin #2 war MELAMAR zu hören, die drei Auszüge aus einem noch unfertigen Text, welcher eventuellerweise ein Roman (mit dem Arbeitstitel
"Kryptogen oder Malika und die heilige Krankheit") werden könnte. Ein wesentliches Thema darin war Epilepsie, die manche Menschen als Teufelsbesessenheit betrachte(te)n, andere wiederum als Schamanentum. Und Medikamente, welche den Geist lähmen.


 

KLAUS SINOWATZ war der vierte fv-Open-Mic-Debütant des Abends. Sein literarisches Schaffen ist vor allem in der experimentellen Lyrik daheim. So las er ca. ein Dutzend kurzer Gedichte, die sich thematisch u.a. um Schillers faule Äpfel, eine Apothekerin, einen fetten Salamander oder eine übermorgige Ventilation drehten.





STEFAN PETER ist ein bereits langjähriger Stammgast bei uns. Im einzigen Musikbeitrag des Abends erinnerte er in seinem ersten Lied an Mike Hofer (bei uns mehrmals aufgetreten), der letztes Jahr verstorben ist. Es folgte ein vertontes Gedicht für eine Frau und endete mit dem Cover eines weltberühmtem Songs ("We shall overcome").






GEORG HARLEKIN ist ebenfalls ein jahrelanger Wegbegleiter des fv Open Mic. Bald kommt sein zweites Buch heraus. Sechs neue Texte waren von ihm (trotz etwas angeschlagener Gesundheit) zu hören, die mit "obskur" anfingen und u.a. einen Anruf der Demokratie, eine These oder auch abschließend ein "Time will tell" beinhalteten.

Last, but not least die letzte Debütantin unserer Veranstaltungsreihe, nämlich MOOSKÜKEN. Ein solches zog sie sogleich aus ihrer Hose und erzählte, auf einem mitgebrachten Sessel sitzend, eine tragische Liebesgeschichte, in der u.a. rote Zehennägelknospen vorkamen und der Nagellack Nektargeschmack hatte.


Dieses war also der 62. Streich, doch der nächste folgt sogleich (nämlich in der Tat sogleich). Es wird eine Art "Special" sein. Wer erraten möchte, womit diese Special Edition zu tun haben könnte (Auflösung folgt in den nächsten paar Tagen), dem/der sei als kleiner Tipp folgendes Gedicht des Autors dieser Zeilen aus dem Jahre 2013 zur Rätsellösung vielleicht hilfreich ;-)



SÜDLICH DES COSTA-RICA-KANALS

Der wegen der Enthüllung von Geheimdienstaktivitäten von der US-Justiz gesuchte Computerexperte Snowden (30) will politisches Asyl in Ecuador. Sein Antrag werde aber noch geprüft, hieß es in Caracas.“
(aus dem orf-teletext, 24.6.2013)


wenn du
in ecuador
nach caracas suchst
in bolivien
nach montevideo
oder nach lima
in paraguay
so wirst du
auch in brasilien
buenos aires
ganz gewiss
nicht finden
selbst dann nicht
wenn der karneval
von bogota
mal ausnahmsweise
nicht in chile
stattfindet

Alle Fotos von Georg Harlekin

Donnerstag, 26. April 2018

Der Bürgermeister geht, farce vivendi bleibt!

Liebe farce-vivendi-Interessierte!

Auch wenn der 24.Mai nach beinahe einem Vierteljahrhundert der letzte
Amtstag des derzeit amtierenden Wiener Rathaus-Häupling sein wird, so handelt es sich beim Termin des nächsten fv open mic nicht um eine absichtliche Kausalität, sondern um eine reine Zufälligkeit auf der Zeitachse. Jedoch kann beiden Ereignissen mensch sehr wohl vorher- oder nachsagen, jeweils weltbewegende Momente in der Wiener Stadtgeschichte miterlebt zu haben. Insofern hoffen wir auf möglichst viele Menschen, die mit uns die Sternstunden unserer Auftretenden live vor Ort miterleben möchten. So tretet ein:

FARCE VIVENDI OPEN MIC #62
Do, 24.5.2018, 20:00
Cafe Benno (Keller)
8., Alser Straße 67
Eintritt: frei(willig)e Spende

5 min fuer deinen text / deinen song / deine performance
alle sprachen und stile willkommen!
1 freigetränk

Moderation: melamar & Andi Pianka

Donnerstag, 15. Februar 2018

Romanes eunt domus? Romani ite domum!

Foto: Georg Harlekin
Nach einem Jahr fv-Open-Mic-Pause (aber nicht einem Jahr farce-vivendi-Pause, denn es gab ja dazwischen andere fv-Veranstaltungen wie "Die 4 Jahreszeilen" oder "Worte wie Pfeile") wurde es langsam Zeit für ein Comeback. Pünktlich zum chinesischen Neujahr fanden wir uns in unserer neuen MELAMAR und ANDI PIANKA durch den Abend.
Location, nämlich dem Veranstaltungskeller des Cafe Benno, ein. Wie gewohnt, führten

Foto: Georg Harlekin
Das Los (in Form einer geworfenen Münze) entschied sich für MELAMAR als erste Eisbrecherin. Ihr Frauentagstext "Die gesichtslose Göttin" nimmt bei einer in Rumänien gefundenen Statue, welche eine Göttin darstellt, ihren Ausgang. Über das Thema matristischer Kulturen führt der Text melamar dann zu ihrer eigenen Kindheit, in der Mädchen noch nicht ministrieren durften und das Unkeuschheitsverbot dem Religionslehrer das wichtigste der zehn Gebote war.


RÉKA TÁRKÁNY SZÜCS fing mit einem persönlichen Text über ständig unzuständige Zustände an, bei denen sie die dafür angebotene Lösung kritisch hinterfragt. Ein zweiter Text handelte von 5 Karten spielenden Menschen, von denen einer die Menschen erschaffen hat. Auf einen Inferno-Text ("so negativ, dass es schon irgendwie...") folgten einige ihrer Mami-Dialoge, ein paar makabre Sätze und schließlich "Schmetterlinge auf dem Dachboden".
Foto: Georg Harlekin

Während die vorige Auftretende bereits 2007 beim fv Open Mic aufgetreten war, stand TERESA an
diesem Abend das allererste Mal in ihrem Leben auf einer Bühne. Sie brachte einen englischsprachigen Text, der eine Rede/Anklage an die Mutter enthielt, die deren Mangel an Liebe und daraus resultierende Folgen thematisierte. "My voice is fleeting anyway" und "I'm so tired" hieß es darin unter anderem.



Foto: melamar


NADIA BAHA stellte zu Beginn ihres Auftritts fest, aus "Einer für alle" sei "Alles für eine(n)" geworden. Es ging in ihren politisch/kritischen Kurztexten u.a. um den Strick durch die Rechnung. "Unter den Zahntechnikern ist der Speichelsauger König" und "Heute Germania, morgen Generika" - so würde es heute laufen. Auf das Thema "Worship" folgte als letztes ein Hänschen-/Hans-Text: Fast fassion, speed kills.




Foto: melamar

CHRISTIAN "SCHREIBI" SCHREIBMÜLLER, häufigster fv-Open-Mic-Teilnehmer bislang (und auch bereits des allerersten), brachte einen Dialekt-Text zum Besten, der im Bierwirtshaus spielte und so manche Begriffe wie "Schiebedach", "Reißerta", "Friedhofsjodler" oder "Schnullerbeißer" dem p.t. Publikum erst erklärt werden mussten. Danach ging es noch um eine "oame klane Gstörte", ehe die Pause anbrach.





Foto: melamar

Nach jener wurde dann ANDI PIANKA zum Eisbrecher #2. In seinem Beitrag hatten Kanzler und Vize, also Basti und Bumsti, ihren ersten Streit. Während ersterer mehr auf Austrofaschiertes mit vaterländichem Dollfuß als Beilage und einen ständestaatlichen Heimwehrsalat steht, liebt zweiterer eher die deutschen Flüsse und den Kuchen, zu dem Gauland gerufen hat. Und der sonnige Süden ist für ihn "unsere" Krim.





 
GEORG HARLEKIN, wie so oft mit Klangschale (als Auftretender auf der Bühne) bzw.
Photoapparat (unten als Publikum) ausgestattet, meinte, der Mensch trage den Urknall in sich. In seinen Kurztexten drehte es sich um's bewusste all-ein ("In der Stille bin ich Dein"), die Kummernummer, die Seele, die Demut (und den Specht, der lacht), um Schiffbrüchige & die Wurzel des Übels sowie um den Wind.



Foto: Georg Harlekin
Als nächstes wurde der gleich neben ihm sitzende wALTERGOn gezogen, der (nach der Ankündigung einer Pressekonferenz) für den einzigen musikalischen Beitrag des Abends sorgte. Die
Zeitungsschlagzeile "Die Wahrheit hinter Trumps Frisur" hätte ihn zu einem Lied inspiriert. In diesem Lied kamen u.a. Vergleiche mit anderen US-Präsidenten, frisierte Bilanzen und die Aufforderung "Kämme dein alternatives Haar!" vor.


Foto: Georg Harlekin

So wie die beiden vorigen Auftretenden, ist auch THOMAS MAYER seit einigen Jahren fv-Open-Mic-Stammgast. Nachdem er vom Nicht-Nachrichten-Seher zum Hardcore-Nachrichten-Seher wurde, fragte er sich in seinem Text "Nachrichten ohne Nachrichten", wie die Nachrichten an einem Tag, an dem nichts Erwähnenswertes passierte, ausschauen würden. Da müsse man eine Katastrophe, ein Verbrechen oder einen Skandal erfinden.




Foto: melamar


Als die Moderation bereits das Ende der Veranstaltung gekommen sah, betrat noch WOLFGANG GLECHNER den Raum (dessen Verspätung mit einer sehr erfreulichen familiären Angelegenheit begründet war). Also durfte er noch auf die Bühne und las seinen humorvollen Text "Morbus Schwanensee", in welchem ein Mann zum Tierarzt kommt und sich eine Behandlung nicht für ein Tier, sondern für seine eigene Hämoarthrose wünscht.




Foto: Georg Harlekin
Hiermit war das 61. farce vivendi Open Mic endgültig zu Ende (wobei natürlich noch Menschen blieben und sich u.a. über Monty-Python-Filme lebhaft austauschten - siehe die Überschrift zu diesem Post ;-)). Wir bedanken uns für Euer Kommen und sehen uns hoffentlich (wir haben uns für heuer für einen vierteljährlichen Rhythmus entschieden) beim 62. Mal wieder, welches am 24. Mai stattfinden wird.




(Zum Vergrößern auf die Bilder klicken. )


Dienstag, 23. Januar 2018

Liebe Freundinnen und Freunde der angewandten Wortkunst,

es uns eine Freude, zu berichten, dass 

das farce vivendi OPEN MIC - Die offene Bühne für Literatur, Performance und Musik

dieses Jahr wieder aufleben wird. Geplant sind vier Veranstaltungen. Die erste davon findet 
am Donnerstag, dem 15.2. 2018, ab 20:00h im Cafe Benno
Alser Straße 67, 1080 Wien statt.

Moderation: melamar & Andi Pianka

Eintritt: Frei(e Spende)

Wir freuen uns über Publikum ebenso wie über auftrittswillige Künstler/innen!


Mit poetischen Grüßen

melamar & Andi Pianka

Sonntag, 7. Januar 2018

"Aus dem bunten Spiel der Zeiten wird uns letzte Weisheit kund..." *) - Die vier Jahreszeilen #4

Am 21. Dezember (und somit pünktlich zu Winterbeginn) schlossen wir im Heinrich in der Thaliastraße unsere heurige Veranstaltungsreihe "Die vier Jahreszeilen" ab. Wie auch schon bei den anderen drei Veranstaltungen, so gab es auch diesmal wieder vier Lesende und einen Musik-Act, die da wären:

Foto: Georg Harlekin



MARLIES THUSWALD las 9 kurze Texte - darunter vier aus ihrem Lyrikband "Silberstreifen" (edition innsalz, 2015) - von denen einige weihnachtlich inspiriert waren. Bei einem Mitmachtext durfte sich auch das Publikum einbringen.













Foto: Georg Harlekin


GEORG HARLEKIN (mit Klangschale ausgestattet) brachte ähnlich viele - nachdenkliche - Texte (darunter einen aus seinem ebenfalls 2015 erschienenen Poesieband "Briefe an die Liebe", dessen Fortsetzung demnächst veröffentlicht wird).













Foto: Réka Tárkány Szücs








RÉKA TÁRKÁNY SZÜCS (bzw. eigentlich umgekehrt herum) fing mit einem aktuellen Text zu

einem prominenten jungen Politiker an und ließ dem in ihren weiteren Texten verhaltenstherapeutisches sowie einige persönliche Gedichte folgen.










Foto: Georg Harlekin


ANDREAS PLAMMER las zwei neue Texte ("b'soffene G'schicht'n"), die stilistisch an seinen Kriminalroman "Fauler Zauber" (Milena, 2011) erinnerten. Der erste handelte von einem russischen Roulette, der zweite vo der Bemalung eines Hydranten.








Foto: Georg Harlekin


Für den musikalischen Teil des Abends sorgte JONOPONO mitsamt Stimme und Gitarre sowie
sieben Liedern (darunter eine Zugabe), die teils persönlich, teils systemkritisch, teils auch eine Verschmelzung beider Thematiken waren.














Foto: Georg Harlekin


Es moderierten wieder einmal MELAMAR und ANDI PIANKA (wobei dem Autor dieser Zeilen erst beim Schreiben dieser Zeilen auffiel, dass es sich um die 50. gemeinsam von den beiden moderierte Veranstaltung gehandelt hat).








Damit sind die 4 Jahreszeilen an ihrem Ende angelangt. Wir hatten bei vier Veranstaltungen 16 Lesende (8 Frauen, 8 Männer), 4 Musik-Acts (2 Männer, 2 Frauen, davon einmal mit männlicher Gitarrenbegleitung) und auch die Moderation war überaus paritätisch, was die Geschlechterverteilung betrifft. Aufgetreten sind KünstlerInnen aus sechs verschiedenen Geburtsjahrzehnten, also auch altersmäßig eine sehr breite Streuung.
Wir waren in vier verschiedenen Locations (Cafe Benno, Das Werk, Cafe Stadtbahn, Heinrich) in vier verschiedenen Bezirken (Josefstadt, Alsergrund, Währing, Ottakring), bei denen wir uns sehr herzlich bedanken - wie ebenso bei der Stadt Wien (MA 7) für ihre Förderung der Veranstaltungsreihe. 

Im Übrigen sind von den letzten beiden Veranstaltungen ein paar Live-Mitschnitte online nachzuhören: https://soundcloud.com/farcevivendi/sets/zweitausendundsiebzehn-lesungen-mit-musik

Und ja, zu guter letzt noch die feierliche Ankündigung: Es wird demnächst wieder ein farce vivendi open mic geben, nämlich am 15.02.2018 im Cafe Benno. Näheres folgt bald...

Wie versprochen, hat es dieser Nachbericht geschafft, noch anno 2017 das Licht der Welt zu erblicken (zwar nicht mehr gemäß gregorianischem Kalender, sehr wohl aber noch gemäß dem julianischen, welcher ja bekanntlich viel älter und weiser ist ;-))



*) aus "Wintersaat" von Clara Müller-Jahnke

"So nimmt und gibt mit vollen Händen / Der Herbst, ein Dieb und eine Fee" *) - Die 4 Jahreszeilen #3

Am 30. November fand im Cafe Stadtbahn in Gersthof/Währing/Wien die Herbstveranstaltung unserer heurigen Reihe "Die 4 Jahreszeilen" statt. Leider hatte nur Petrus in seinem Kalender die Herbst- und Winterveranstaltung verwechselt und ließ es just zu unserer Herbstveranstaltung schneien (zum Glück "nur" draußen und nicht im Stadtbahn drinnen).

Es lasen:

CHRISTIAN SCHREIBMÜLLER, der mit einer Selbstvorstellung ("Jo, der Schreibi...") begann, gefolgt von einem Text über Schreibhemmungen und vier Gedichten, die teils hochdeutsch, teils im Dialekt verfasst waren.

DANIELLE BOUTEILLE füllte seine Viertelstunde mit einer Erzählung bzw. Kurzgeschichte, die sich im Rap-Milieu abspielte. Ein Fan möchte die Platte eines berühmten Rappers stehlen - es kommt u.a. zum Einsatz einer Jungdetektivin und der Polizei.

MARTIN BACHLER veranstaltete eine demokratische Lotterie, indem er das Publikum bat, per Nummernnennung von 1 bis 172 die gewünschten Gedichte auszuwählen, von denen er dann insgesamt 15 vortrug.

NIKI-TA stellte nach einem Text aus der Zeitschrift "& Radieschen" (deren Redaktionsmitglied sie ist) das Projekt "saiL" vor - ein pädagogisches Konzept des natürlichen Lernens. Ergänzt um autobiographische Schilderungen...

Es musizierte:

Zwischen den literarischen Beiträgen sang und spielte STEFAN PETER auf seiner Gitarre einige seiner eigenen Lieder (plus ein Beatles-Cover), die von ernst und nachdenklich ("Wo du hin du willst", "Herrgottsliab") bis witzig ("Das Bad ist besetzt") reichten.

Es moderierten:

Wie gewohnt führten MELAMAR und ANDI PIANKA durch den Abend. 


* aus: "Herbstlied" von Luise Büchner