Freitag, 2. Januar 2015
Und weiter geht's...
Im neuen Jahr 2015 sehen wir uns erstmals am Di, 20. Jänner im Spektakel wieder!
Mittwoch, 17. Dezember 2014
Eine verbesserte Wirklichkeit als Möglichkeit
Das letzte farce vivendi open mic 2014 bildete
quantitativ wie qualitativ einen sehr würdigen Jahresabschluss. Mit 15 Auftretenden
(sehr abwechslungsreiche 11 literarische und 4 musikalische Darbietungen) – das
eisbrechende Moderationsduo nicht miteingerechnet – gab es die höchste
Teilnehmendenzahl seit über zwei Jahren.
Entgegen der ursprünglichen Planung kam als
Veranstaltungsort statt des Spektakel kurzfristig doch wieder einmal der
Celeste-Jazzkeller an die Reihe.
[Zur Info bezüglich Location: Grundsätzlich sollte es 2015
beim Spektakel bleiben. Im Fall technischer Probleme etc. ist es aber im
Notfall sehr praktisch bzw. ein großes Glück, anstatt die Veranstaltung absagen
zu müssen, nur zwei Häuser weiter einen (binnen nicht einmal einer Gehminute
erreichbaren) Alternativort zur Verfügung zu haben – wenngleich solche technischen
Notfälle wie diesmal 2015 wesentlich unwahrscheinlicher werden dürften, da das
Spektakel in ein paar Wochen nach langer Pause endlich wieder den Vollbetrieb
aufnehmen wird]
Nun aber zum Geschehen dieses letzten fv open mic 2014:
Im Anfang war die geworfene Münze. Sie wies ANDI PIANKA
den eisbrechenden Weg zum Mikro. Er „warb“ in seinem kritischen Text (ausgehend
vom Zitat eines ehemaligen deutschen Bundespräsidenten bei einem Afrika-Besuch)
für die hiesige Gastfreundschaft. Ob der Luxus im 5-Sterne-Kurort Traiskirchen,
das temperamentvolle Agieren der Polizei oder der Vorteil des nicht arbeiten Müssens
– unserem Gästekonglomerat soll es an nichts mangeln.
Als Startnummer 1 wurde JAZMIN DEL CAMPO gezogen.
Einem „Aufwärmtext“, der sich sprachspielerisch mit der Frage „Wer bist du?“
beschäftigte, folgte ein vom „kleinen Ich-bin-Ich“ inspirierter über innere
Zwiegespräche. Nein? Ja? Schreib einmal! Und (nach einem Umdrehen der Seite): „Die Wörter haben auch
einen Wortlaut“. Schließlich melden sich auch noch Gehirn, Füße, Popo zu Wort.
Im letzten Text ging es dann um das Wollen des Wollens.
Zwar schon bühnenerfahren, aber erstmals beim fv open mic
trat (samt Gesang und Gitarre) JULIA SANTINI auf. Ihr Song „Overpower
Me“, handelte vom (wieder) alleine sein („Now I’m sitting here again alone“),
Sehnsüchten und einem brennenden Feuer: Touch me, give me a fire please! Denn: I’m sick of be sick. Und
deswegen: Burn me down! Und anstatt einer gewünschten Zugabe gab es ihre
Ankündigung, bald zum fv open mic wiederzukommen.
Auch PAVEL feierte seine fv-open-mic-Premiere. Einem
Gedicht über Umkehr und Heimkehr auf grauer See folgte eine dunkle Verführung
in zarter Dunkelheit. Im dritten (einem persönlichen) Gedicht legte er seinen
Kopf an ihren warmen Busen. Doch nach dem Aufwachen war die Geliebte fort und
im Spiegel sah er einen 100jährigen mit Todesmaske. Und um nicht allzu
depressiv zu enden, folgte noch ein viertes Gedicht über die Leichtigkeit.
Die Debütanten-Serie setzte XILI fort, der ohne Sinn,
mit viel Spaß, nicht ohne Plan verplant ist. Er meinte, Frieden (und nicht
Krieg) wäre in jedem, dadurch ließen sich Mauern fallen. Wichtig wäre es, positiv
zu formulieren: (auch wenn es nicht am Textblatt stand) Ja! Ja! Ja! Was sonst
noch vorkam: Ein Kuli im richtigen Augenblick zum Schreiben, die (wenn Bildung
Freiheit ist) Ausbildung als Ausfreiheit und ein Märchen („Es war einmal ein
Energiefunke“).
Nicht zum ersten Mal dabei war wALTEREGOn mit
Gitarre und zwei Liedern. Das erste handelte vom Loslassen, verbildlicht durch
ein Schiff, das seinen Hafen verlässt: Komm, wir fahren raus – um mit den Ungeheuern
einen Joint zu rauchen. Das zweite, ein Liebeslied, widmete er dem Christkind. Es
ging (Zucker drüber streuend) um den (Beweg)Grund für die Veränderung zwischen
früher und jetzt: Weil der Teil, der dich erkennt, in mir noch schlief.
THOMAS MAYER (ausnahmsweise nicht als Erster gezogen)
stellte sich in seinem ersten Beitrag den an seiner Tür läutenden Zeugen
Jehovas als Gott vor. Warum solle er also mit ihnen über sich nachdenken, wo er
doch die Welt erschuf: „Was, ihr zweifelt an mir?“ Im zweiten Text begann der
Lurch zu sprechen, worauf der Autor ihn und das Spinnennetz über seinem Bett mit
dem Besen wegfegte. Und Text Nr.3 erzählte vom schüchternen neuen Jahr.
Als letzter vor der Pause kam WOLF MORRISON samt
Keyboard und dem berühmten Doctor Mouse auf die Bühne. Es wurde weihnachtlich: Zusammen
mit seiner ersten Liebe, die ihm (als er 14 war) die Tür im Pyjama öffnete,
schmückte er erst den Christbaum, dann hörten sie gemeinsam im Radio Weihnachtslieder.
Auf diesen eigenen englischsprachigen Song folgte noch eine Instrumentalversion
des Klassikers „Joy to the World“ und dann die Pause...
...nach der es mit dem zweiten Brechen des Eises, also mit MELAMAR
weiterging. Auf einen älteren Text mit dem Titel „Wendezeit“, in dem ein von
einer Kakerlake heimgesuchter DJ aufgefordert wird, doch mehr Vinyl aufzulegen,
folgten viele kurze neue, von denen sie einige eigens zu Bildern des Malers
Kan-Boris Kamhi schrieb – u.a. über das Muss des Berufenen, das ihn zum inneren
Lachen führt, oder über die Lebendigkeit der Farbe Rot.
Vier Gedichte brachte GERHARD mit: Zeitalter des Herzens
(handelte von einer zukünftigen besseren Zeit), Ode an die Traurigkeit („Ich
werd dich nicht vermissen (...) Ohne sie lebt man befreiter“), Ich bin gegen (nämlich
u.a. gegen nicht hilfreiche Ideale, die verraten werden, gegen Konzerne,
Konkurrenz, Kostenwahn, aber für die Unterstützung) sowie Wurm im Sturm (über
existenzielle Probleme des Regenwurmes im Schnabel einer Amsel). So wie er...
...war auch ALEPH das erste Mal dabei. An die Existenz
knüpfte sie gleich an, nämlich die des Kreises, der sie nicht verneint. Ein sich
ausdehnender trostloser Augenblick, in dem das Gewebe zerrissen bleibt, doch
das Fleisch wieder warm wird, war Thema ihres zweiten Gedichts. Im dritten verfestigte
sich das Gewirr („Der Griff erstreckt sich in die Weiten, die ich nicht
ergreifen kann“), bis dann im letzten Text im zeitleeren Raum der Traum
zerbrach.
ANGELA setzte sich in einem (von Xavier Naidoo und
Curse inspirierten) Text mit der Frage auseinander, ob sie schon Kinder hätte.
Das wüsste sie auch gern. Denn sie wurden ihr noch vor deren Zeugung von
Wissenschaftlern geraubt und verkauft –> „Jetzt steh ich allein“. Diesem
folgte ein Text über ihre Erfahrungen als 7 Tage in der Woche suchender Websingle:
Aus 20 und schick wurde 40 und dick. Erkenntnis: Hier gibt’s Singles, die nicht
solo sind.
Sechste fv-open-mic-Debütantin des Abends (kommt auch nicht
alle Tage vor) war TIA, die überhaupt ihre „allererste Premiere“ auf der
Bühne und den kürzesten Auftritt des Abends hatte. Aus ihrer 10-Punkte-Liste
mit Dingen, die man im Leben tun sollte, ließ sie das Publikum (vorläufig, aber
wir hoffen, sie kommt wieder) nur am ersten teilhaben – ein „I love you“,
ergänzt um wichtige Dinge im Leben (z.B.: sharing is gold... make a gift...
take care...).
In Glitzer fragte MICHAELA HINTERLEITNER, ob sie politisch
oder romantisch werden soll – das Publikum wollte beides. Im politischen Teil
ging es um Wachsamkeit: Dem nachspüren, was vorkommt. Die Augen, die trauen
ihren Augen nicht.Wir haben nicht genug hingesehen auf das Kommende, das
Verkommende. Nach einem würmlerischen Wiedergeburt-Text wurde sie schließlich nicht
romantisch: Bitte berühr mich nicht, aber pack mich!
Ein Stammgast auf fv-open-mic-Bühnen ist (ob musikalisch,
literarisch oder kabarettistisch) schon seit Jahren STEFAN PETER.
Diesmal ging es – passend zur Jahreszeit – um eine Adventfeier in einem oberösterreichisches
Altersheim, zu welcher der Zivi Kekse mit (THC-haltiger) „Spezialwürz’n“
mitbringt, worauf die dort wohnenden älteren Damen (u.a. „die oide Liesl“ oder
die Herta) völlig ausflippen. „Selten so einen spasserten Adventdienst erlebt“.
„Endlich“ kam auch GEORG HARLEKIN dran, mit neuen
Gedichten (aber, wie üblich, deren drei an der Zahl). Eine verbesserte
Wirklichkeit als Möglichkeit mit Reset und Neustart bildete den Anfang. Es
folgte die Frage: Wer ist Emo? „Sie!“, war die Antwort, mit ihrem vollen Namen
die auf Orgelpfeifen spielende Emotion (Emo = Energie, Motivation, OM). Auch
das letzte Gedicht begann mit einer Frage: Was täten wir Männer ohne euch
Frauen?
Der Abschluss und Ausklang des Abends war ein musikalischer.
RAFAEL spielte ein Lied für seinen kranken Cousin: Tee. Mogst no an Tee
trinken? Ganz krank liegt er da auf der Couch. Mit an bisschen an Honig?
Schmelzen tut er. Magst a paar Vitamine? Das zweite, improvisierte Lied war
dann eines „für die Traudl“, die Sonne in seinem Herzen, mit der er überall hin
möchte, sogar ins Theater. Selbst in der legendären REM-Phase sieht er sie.
Nun war es vorbei, das letzte farce vivendi open mic des
Jahres 2014. Ein Abend, der nicht nur künstlerisch sehenswert war, sondern auch
gleich im praktischen Alltag Georg Harlekins Worte von der verbessserten
Wirklichkeit als Möglichkeit umsetzte und eine scheinbar nicht vorhandene
Barrierefreiheit für einen Besucher mit vereinten Kräften in eine vorhandene
umwandeln konnte.
Ein Dank an dieser Stelle an Das Fröhliche Wohnzimmer, das
uns Bücher aus seiner Edition zur Verfügung stellte, von welchen (wie schon im
November) alle Auftretenden jeweils eines mit nach Hause nehmen konnten, als
zweite Belohnung neben dem üblichen Freigetränk.
Eine kurze Statistik zum Jahresausklang: Bei den 10 fv open
mics des Jahres 2014 sahen wir insgesamt 109 Auftritte (also im Schnitt 10,9
pro Abend) von 53 verschiedenen KünstlerInnen (bzw. inklusive des Moderationsduos
lauten die diesbezüglichen Zahlen 129 und 55).
Mit hoher Wahrscheinlichkeit sehen wir uns am 20. Jänner
2015 wieder. Da dieser Termin aber noch nicht fix bestätigt ist (sollte
allerdings innerhalb der nächsten paar Tage passieren), wollen wir ihn auch
noch nicht offiziell verkünden. Einfach nach Weihnachten mal wieder in unseren
Blog reinschauen bzw. bekommen alle, die auf unseren Mailinglisten stehen,
natürlich dann im Jänner die Info auch per Mail. Bis dahin...
...auf ein kreatives 2015!
Mittwoch, 19. November 2014
Im Lichte der Wackelkontaktfreudigkeit
Während zur selben Zeit im Ernst-Happel-Stadion die
gegeneinander spielenden österreichischen und brasilianischen Fußballer open
air frieren mussten, konnte sich das ein paar Kilometer und Bezirke weiter
westlich stattfindende FARCE VIVENDI OPEN MIC glücklich schätzen, sich ein Dach
über dem Kopf leisten zu können. Was angesichts des novemberlichen Wetters draußen
auch sehr von Vorteil war. Und das ein wenig wackelkontaktfreudige Bühnenlicht
konnte dankenswerterweise (siehe weiter unten) gut kompensiert werden.
Es begann – wie immer – mit dem Münzorakel. Dieses (auch
wenn es jedes Mal eine andere Münze ist) lässt seit der Übersiedlung vom Celeste ins
Spektakel eine klare Vorliebe für MELAMAR als erste Eisbrecherin
erkennen. Diese eröffnete in memoriam RAINER TRAMIN (1957-2014,
Mitbegründer des Vereins farce vivendi) mit dem Gedicht „Schwarze Aspekte“ des
kürzlich verstorbenen Autors. In diesem ging um es um die verschiedenen (u.a.
auch politischen) Bedeutungen von schwarz. Dem folgten drei eigene Gedichte
melamars über missglückte Liebe, Liebeswissenschaft und die Weiterentwicklungen
von Worten.
Wie der Zufall (oder sonst eine Kraft) es so wollte, wurde THOMAS
MAYER nun zum dritten(!) Mal in Folge mit der Startnummer 1 gezogen (welche
er aber – im Unterschied zu manchen SlammerInnen – durchaus gerne hat). Einem
düsteren Text über einen Diplomaten, der um den Frieden zu erhalten, in einem
Bordell fündig wird, folgte ein zynischer über einen Tag, an dem nichts
passiert und deswegen in den Nachrichten Schreckensmeldungen erfunden werden
müssen (mitsamt dem Wetterbericht „Der Himmel ist einsturzgefährdet“) und
schließlich einer über seine Katze, die dem Autor Frühstück ans Bett (in
Gestalt einer toten Maus) bringt.
Ebenfalls drei Texte (diese Zahl ist bei ihm bereits gute
Tradition) gab es von GEORG HARLEKIN zu hören. Zunächst wurde ein weißer
Punkt in einer bunten Welt zu einem schwarzen Punkt. Doch rundum erneuert roch
er plötzlich wieder Farben und tauchte in eine noch größere bunte Welt ein. Dem
folgte als zweites Gedicht ein Schock („Knock, knock, es rockt der Schock) über
volksverblödende Gratiszeitungsenten mit einer abschließenden Danksagung an das
Buch bzw. an Oscar Wilde. Das dritte Gedicht war ein Cash-Gewäsch über
Klarsichtsklassen: Sagt einfach nein!
Wie der Zufall (an den man in so einem Moment gar nicht mehr
zu glauben vermag) es so wollte, durften genau jene drei Künstler, deren
geäußerte Hoffnung es war, möglichst früh gelost zu werden, auch als erste drei
auftreten. Als Nummer 3 WOLF MORRISON, diesmal nach einigen
Keyboard-Auftritten bei den letzten open mics wieder mit Gitarre. Im ersten
Lied hieß es „Du bist wia a Kaktus in der Wüste, der grad blüht“. Es ging u.a.
um Anpassung. Das zweite war von Ludwig Hirsch inspiriert und handelte von
einer fiktiven Beziehung mit einer reellen (vergebenen) Frau.
Ebenfalls mit Gitarre kam STEFAN PETER (dem wir
übrigens für sein mit- und angebrachtes Lämpchen danken, das angesichts kleiner
Probleme mit der Bühnenbeleuchtung eine große Hilfe war) auf die Bühne. Sein Lied
„Wie viel Hölle noch?“ war als eine Art melancholischer Kontrast zu seinem (bei
einem früheren fv open mic vorgetragenen) Selbstmordberatungssketch gedacht.
„Komm, steh auf, Wolken ziehen auf“, während das lyrische Ich des Liedes lieber
in Ruhe gelassen werden möchte. Doch es ist nichts verloren – „lerne zu
verstehen“.
Wie auch beim parallel laufenden Fußballspiel, so trennte
auch beim fv open mic die beiden Hälften eine ca. viertelstündige PAUSE.
Den zweiten Eisbrecher gab ANDI PIANKA. Nach einer
kritischen Betrachtung von Laudationes bei literarischen Preisverleihungen (bei
denen man manchmal den Eindruck gewinnt, den LaudatorInnen ginge es primär um
ihre eigenen „15 minutes of fame“) und einem von einem Einkauf in einem
skandinavischen Möbelgeschäft inspirierten Gedicht, bei dem er „fyndig“ wurde,
drehte er die Zeit ein Vierteljahrhundert zurück und las aus einem eigenen
Schulaufsatz über eine Reise ins ungarische Sopron.
Erstmals mit dabei beim fv open mic war bzw. in der Pause
spontan angemeldet hat sich SUSANNE RÖDL mit ihrem Plädoyer für den
Wiener Dialekt, das sie in Form von zwei Texten und einem Lied hielt. Im ersten
Text ging es um die Suche nach schadstofffreien Plastikflaschen, passenden
Schuhbandln oder Kopfhörerkabeln, die sich automatisch aufrollen. Der zweite
behandelte den U-Bahn-Alltag (u.a. die Blitzgneißer, die wie angewachsen bei
der Tür stehen). Ihren Auftritt beendete sie mit einer von ihr auf wienerisch
verfassten Cover-Version des Klassikers „Autumn leaves“ (Da Herbst is da, die
Blattln fall’n...).
WOLFGANG E. EIGENSINN las aus seinem mittlerweile
vergriffenen Buch „Die Archive des Eigensinns“, nämlich zuerst dessen Vorwort.
Dieses handelt vom (unberechenbaren, scheuen, undurchschaubaren) Wesen eines
Schriftstellers, welchen dubiose Personen gerne als Haustier oder Hofnarr
halten würden. Er frönt dem Exzess, durchstreift Städte & Länder, spricht
mit Hunden und ist verdreckt, während dem Journalisten eine Sorgfaltspflicht
obliegt. Dem folgte – aus demselben Buch – ein Ausschnitt aus dem Text
„Undisputed consequences / eindeutige Auswirkungen“ über die immer ewige letzte
Instanz.
Ein Stammgast beim fv open mic ist mittlerweile MIKE
HOFER, der, wie es der Zufall so wollte, wie schon im Oktober als
(zumindest scheinbar, denn es kam schlussendlich doch ein wenig anders – dazu
gleich) letzter Auftretender gezogen wurde. Sich auf seiner Gitarre begleitend,
erzählte er, der er „gar nicht ein Beziehungsmodell“ ist, von einer Frau, die
er kennt und die Interesse an ihm hat, ihm aber fast nur auf die Nerven geht,
da sie’s immer falsch macht und ihm nie zuhört. Es folgte u.a. der Satz „Liebe
kann mir auf die Nerven gehen.“
Nachdem bereits die abschließenden Worte der ModeratorInnen
gesprochen waren und diese im Begriff waren, die Bühne zu verlassen, stürmte ANGYAL
GYULA hinein, der soeben von einem Poetry Slam kam, bei welchem er den
dritten Platz belegt hatte, und begehrte, noch auftreten zu dürfen. Das wurde
ihm auch gestattet. Sein Text handelte vom Unwissen über die richtige
Aussprache des Ortes Leoben (Löben?) und zitierte dieser Stadt berühmtesten
Sohn Tschif: „In Löben leben Pöeten“. Wikipedia und seiner eigenen Blödheit
vertraue er immer, seine Stadt wäre Szigetszentmiklós (=SSM =sodomischer
Sado-Masochist). Loeben? J.Lo – eben!
Mittwoch, 22. Oktober 2014
Kläffende Mikros beißen nicht...
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| (melamar & Andi Pianka) |
Wie schon im September gastierte das farce vivendi open mic auch im Oktober wieder im Spektakel (und wird das auch die nächsten Male tun). Einige verspätete Teilnehmende und Zuschauende noch abwartend (an dieser Stelle eine allgemeine Bitte um etwas mehr Berücksichtigung der 20:00-Beginnzeit, wobei es natürlich nach wie vor möglich sein wird, später zu erscheinen, wenn wer wirklich nicht früher da sein kann), ging es nach ca. eineinhalb akademischen Vierteln endlich in medias res.
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| (se crowd) |
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| (melamar) |
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| (Andi Pianka, sich auf die Suche nach einer Glücksfee machend & melamar) |
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| (Thomas Mayer) |
Noch überraschendererweise wurde auch bei der Startnummer 1 exakt derselbe Autor gezogen wie schon im September, nämlich THOMAS MAYER. Er las wieder Texte aus seinen beiden (auch am Büchertisch aufgelegten) Gedichtbänden, diesmal drei an der Zahl. Im ersten beendete ein Zahnarzt Bastians Krieg hinter den Wangen, indem er den Übeltäter entfernt, im zweiten (Anm.: wem es gewidmet ist, bleibt an dieser Stelle auf Wunsch des Autors unerwähnt) war ein kläffender Vierbeiner die Hauptfigur und im dritten wurde die Beziehung mit Sabine zur feindseligen Routine.
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| (Rafael S.) |
RAFAEL S., der erstmalig beim fv open mic auftrat, sang, sich dabei auf einer Gitarre begleitend: „Jaja, das Leben“. Er ging so dahin und fragte die gnädige Frau nach der Hamburgerstraße 14 (Anm.: was sich dort befindet, bleibt an dieser Stelle unerwähnt, wurde aber an einer anderen bereits verraten), wo er, nachdem er den Eingang um die Ecke gefunden hatte, sich nach ein paar Bieren fragte: Ist die Kunst Leben oder Leber? Nach der Aufforderung „Lebe lieber ungewöhnlich!“ (mit welcher das Lied ohnehin zu Ende war) revoltierte der Bühnen-Sound ein wenig. Nach einer kurzen Reparaturpause am Tonpult ging es aber schon bald...
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| (Georg Harlekin) |
...mit dem fv-open-mic-Routinier und Triptychon-Spezialisten GEORG HARLEKIN weiter. Im Tanz der Worte (so hieß übrigens auch ein literarisch-musikalischer Abend, an dem G.H. einen Tag vorher auf derselben Bühne mitwirkte) rief ein Siebenschläfer „Tanzt! Tanzt! Tanzt!“. Dem folgte eine Notiz, die eine göttliche Pause nach dem irdischen Weg ankündigte. Schwarze Löcher (u.a. jenes in seinem Schuh) spielten da eine wichtige Rolle. Schließlich gab es eine Ode an die Farbe blau zu hören: Jede Wette, eure Träume sind kobaltblau, jede Wette! Und gibt es ein Leben nach blau?
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| (melamar & Andi Pianka) |
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| (Stefan Peter) |
STEFAN PETER versuchte sich daraufhin als Cover-Slammer (an sich möchten wir beim fv open mic eigene Texte hören, aber Ausnahmegenehmigungen sind unter besonderen Umständen durchaus möglich – der Text stammt von einem in der Ö-Slamily und im Cafe Anno nicht gänzlich unbekannten Radieschen-Züchter; mehr zu seiner Identität bleibt an dieser Stelle unerwähnt). Es ging um’s zum Himmel und drei Mal gegen den Wind stinken. „Meine Pickel drücke ich nicht aus, ich drücke mich durch meine Pickel aus“. Sein Parfum heißt Iltis und seine Hornhaut geht auf keine Kuhhaut.
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| (melamar & das arme Künstlerschwein) |
Nach einer nochmaligen kurzen kleinen Sound-Störung (es sollte aber glücklicherweise die letzte des Abends bleiben) stellte WOLF MORRISON sich und sein Keyboard auf (und das Moderationsduo den Lesetisch weg). Ein an eine Julia gerichteter Film-/Lovesong aus einem selbst gedrehten Film war das erste Lied. Dann durfte – wie schon letztes Mal im September – als Gaststar mit dem meisten Sex-Appeal wieder Doctor Mouse auf die Bühne.
Nun war es Zeit für eine PAUSE.
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| (Andi Pianka) |
Nachdem das Publikum im Bar-Bereich seine letzten halben und allerletzten viertel Zigaretten ausgedämpft hatte und wieder zurückkam, kam ANDI PIANKA als zweiter Eisbrecher auf die Bühne. er versuchte, den Ersten Weltkrieg auf eine für die heutige Jugend möglichst verständliche Sprache zu erklären, nämlich als Event: Österreich-Ungarn hat die Veranstaltung erstellt. Österreich-Ungarn nimmt teil. Deutsches Reich gefällt das. Serbien nimmt teil. Russisches Reich gefällt das. Und so weiter...
Erstmals mit dabei war hingegen ELFRIEDE HAASS-EHRENFELD, die auf’s Mikrophon verzichtete und ihren (Licht-)Text in einer schauspielerischen Performance darbrachte. Sie stellte Fragen („Wo nix is, kann da was sein?“), griff hinaus ins Universum und kam drauf: Es ist die Einsicht! Es sind die Augen! Und als sie stand, wo sie noch nie war, meinte sie: I steh, i steh und bleib. Dies war allerdings nicht als Weigerung gemeint, die Bühne zu verlassen, somit...
...wurde sogleich die nächste Teilnehmerin gezogen, welche aufgrund ihres Spontanwunsches nach einem Auftritt überhaupt erst einige Minuten vorher ins Los-Sackerl gekommen war, nämlich ANDREA. Sie coverte (ebenfalls Mikro-los, mitsamt spontan ausgeborgter Gitarre) den Song „Strong“ von London Grammar: Excuse me for a while, while I’m wide eyed and so damn caught in the middle. Das sich eine Zugabe wünschende Publikum wurde von ihr auf das nächste fv open mic vertröstet. Also an alle: nächstes Mal wieder kommen...
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| (Mike) |
Den Schlusspunkt dieser von den meisten Auftretenden ohne Mikro (aber gut hörbar) gestalteten zweiten Hälfte bildete MIKE. Sein erstes, englischsprachiges Lied nannte er „Chance“. We should choose! Es ging u.a. um „truths & lies“. Dem folgte ein instrumentales “Extro” (Wortschöpfung eines Zuschauers, welcher anschließend zum Thema verstimmte Gitarren auch noch den Satz des Tages “Wir san alle verstimmt!” kreierte). Die Welt is schee, die Richtung ist richtig, hieß es in einem zweiten Lied.
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| (der Autor dieser Zeilen, ebendiese verfassend) |
Mittwoch, 15. Oktober 2014
Wieder im Spektakel!
Achtung, wichtige Info: Auch diesmal (21.Oktober) sind wir, wie schon letztes Mal, nicht im Celeste, sondern zwei Häuser weiter im Spektakel (Hamburgerstraße 14)! Alles andere (Beginnzeit etc.) bleibt wie gehabt.
Mittwoch, 17. September 2014
Ein spektakuläres Spektakel im Spektakel
Das letzte (und gleichzeitig einzige) farce vivendi open
mic dieses Sommers war auch das erste nach der Sommerpause. Trotz eines
sehr kurzfristigen Ortswechsels vom Celeste ins nicht einmal eine Gehminute
entfernte Spektakel war es ein überdurchschnittlich gut besuchtes.
Die Münze, die als Orakel zur Bestimmung des einleitenden Eis
brechenden Auftritts diente, war diesmal sogar älter als so manche Urgroßeltern des
Publikums, sie stammte nämlich aus dem Jahre 1861. Sie fiel auf Kopf, somit
musste MELAMAR als Moderatorin von der Bühne, um sogleich samt Textblatt
als Autorin wiederzukehren. Sie las einen ganz neuen Text über das Schreiben.
Auf philosophische Fragen wie „Wozu schreiben?“ oder „Was ist schreiben?“
folgte eine ebenso philosophische Antwort: „Ich lese, also schreibe ich“.
Außerdem meldete sich die innere Spottdrossel zu Wort, worauf eine Katze als
Mediatorin einschreiten musste.
Als Startnummer 1 wurde ein fv-open-mic-Neuling gezogen. THOMAS
MAYER las je ein Gedicht aus seinen beiden Gedichtbänden („GE-MENSCH-TEN“
und „Phantasönlich“), die auch am Büchertisch auflagen. Im ersten ging es
zurück in die Pubertät und das erste Schamhaar: Was wuchs denn da, oh
wunderbar, jetzt bin ich richtig männlich. Nur für das alte Herz der streng
gläubigen Mutti war das zu viel: Du Ferkel! Auch das zweite Gedicht drehte sich
um ein körperbezogenes Thema, nämlich Blähungen: Wind-Verkehr so schwer.
Auf ihn folgte mit MIKE ein schon mehrfacher
fv-open-mic-Teilnehmer, der wieder einmal mitsamt Gitarre auf die Bühne kam.
Seine instrumentale Darbietung untermalte er hin und wieder mit einzelnen
kurzen Sprecheinlagen, die den eigenen Auftritt betrafen und mitkommentierten.
Erstmals mit dabei war ANGELA, die Ehen als
vom Aussterben bedroht ansah. Dabei wäre Vermählung ganz einfach: „Ich mailte
ihm, schon sind wir vermailt“. Der Text sprang dann thematisch über die Jugend
(Kopferbrechen in Mathe und „was andere tragen, war mehr Loch als Stoff“) bis
hin zur Politik, für deren Dachschäden es eine Haftpflichtversicherung geben
sollte.
Mit STEFAN PETER kam wiederum einer unserer
häufigsten Auftretenden an die Reihe. Von ihm gab es zunächst einen
Sketch-Dialog zu hören, in dem der AMS-Betreuer den Namen seines Gegenüber
nicht aussprechen konnte und deswegen der Meinung war, sich mit ihm in
gebrochenem Deutsch unterhalten zu müssen, damit ihn dieser verstehe (die
Pointe wird an dieser Stelle nicht verraten). Auch der zweite Dialog betraf das
Thema Arbeitssuche, diesmal war es ein Bewerbungsgespräch bei einem
Esoterikklub, der einen sensitiven Gärtner suchte.
Musikalisch ging es mit WOLF MORRISON weiter, der
neben seinem Keyboard auch noch einen prominenten Stargast auf die Bühne
mitbrachte, nämlich Doctor Mouse, den ultimativen „Mr. Sex Appeal“, der in
Sachen Sex-Appeal auch sämtliche Hollywood- & Musik-Stars von Brad Pitt
über Britney Spears bis Sharon Stone übertraf. Nach diesem englischsprachigen
Hit sang er dann in einem deutschsprachiges Lied davon, was es heißt zu leben.
Literarisch und musikalisch beendete wALTEREGOn die
erste Hälfte. Er begann mit einem erotischen Liebestext über „Sie und Du und Ich“.
Es ging um ansehen, betasten, riechen, fühlen und um vier Zahnreihen, die das
zarte Fleisch zerteilen. Und die Bibel hat doch nicht recht – es waren sicher
die Erdbeeren! Diesem Text folgte ein Lied über’s Leinen loslassen und Segel
setzen. In dieser Stadt warst du doch noch nie zuhaus.
Danach wurde gemütlich pausiert.
Als Eisbrecher der zweiten Hälfte fungierte die zweite
Hälfte des Moderationsduos, nämlich ANDI PIANKA. Er ging in seinem Text
auf gewisse innenpolitische Ereignisse dieses Sommers ein, nämlich den
kafkaesken Prozess gegen einen DÄMON-stranten, der es wagte, gegen den
akademisierten WKR-Ball auf die Straße zu gehen. Und als der ihn belastende
Polizist den Zeugenstand verließ, fuhr er dann mitsamt Panzer und 1700 KollegInnen
zum kollegialen Pizza bestellen.
GEORG HARLEKIN, derzeit allerregelmäßigster
Teilnehmer an unserer Veranstaltung, war in seinem ersten Gedicht mit solcher
Freude er selbst. Im zweiten Gedicht ging es um das Wachs auf seinem
durchwachsenen Weg: Wachs ist knetbar und polierbar, somit manipulierbar. Im
dritten, gesellschaftskritischen, Gedicht, in dem Jungefernscharen zum Liebe
und Frieden machen aufrufen, war Gott am Ende irgendwie fad. Schließlich ein
viertes, minimalistisches: Ich scherze nicht, ich herze dich.
Der mutmaßliche Rekordhalter an fv-open-mic-Teilnahmen seit
Beginn (2007) ist CHRISTIAN „SCHREIBI“ SCHREIBMÜLLER. Er begann mit
einem ernsten Text über Papa Tränengas und Mama Handgranate, deren wenigste
Feinde schließlich erschießlich sind. Nach Opa Scharfschützgewehr („Granaten
sind doch für Katakomben“) melden sich auch noch Kobaltbombe Clementine und
Wasserstoffbombe Ruth zu Wort. Es ist alles eine Frage der Dosis. Im zweiten
Text sprach der Wirtshausdichter, also der Herr Promillpoet. Da wurde Don
Carlos zum Herrn Karl und Gräfin Ebola war keine Seuche zum Tod.
Extra aus Frankreich angereist kam JACQUELINE, die
anfangs „très nerveuse“ war, dann aber doch sehr selbstsicher ein französisches
Gedicht über das Leben („La vie“) vortrug. Dieses bestand u.a. aus Croissants,
Baguettes, Camembert und viel Pastis. L’état c’est moi! Wie der Zufall es so
wollte, wurde gleich nach ihr JOPA ausgelost, welcher in völliger
Spontaneität dieses französische Gedicht simultan-zeitversetzt ins Deutsche
übersetzte: Leben, Leben lang Brot Kipferl. Kam ein Bär. Rosa Rotwein passt
schon. Die Azur kotzt.
Der schließlich letzte Auftretende des Abends war dann auch
wieder ein schon häufiger Teilnehmer unserer Veranstaltungsreihe, nämlich WOLFGANG
E. EIGENSINN. Zuerst forderte er das Publikum auf, bis 64 zu zählen, danach
setzte es von ihm Ding Dong („Ist da jemand?“), Ping Pong und (Steve’s Freund,
good old mister monster) King Kong. Damit ging nach 11+2 Auftretenden das 45.
farce vivendi open mic zu Ende.
Die Premiere im Spektakel war ein sehenswertes Spektakel mit
hochqualitativen Darbietungen. Dennoch wird das nächste fv open mic (Di,
21.Oktober) voraussichtlich wieder am üblichen Ort, nämlich zwei Häuser
weiter westlich im Celeste stattfinden. Doch vielleicht wird uns in einigen
Monaten der Westwind auch wieder ins Spektakel wehen...
Mittwoch, 3. September 2014
Nach der Sommerpause...
...geht es am Di, 16. September weiter (Einlass 19:30, Beginn 20:00). Nach wie vor im Celeste, aber diesmal nicht unten im Keller, sondern oben im Club. Zum nunmehr bereits 25. Mal in der Moderations-Konstellation melamar & Andi Pianka. Kommet zahlreich, selbst wenn ihr zahlarm seid (denn der Eintritt und seine Lehre sind bei uns frei)!
Achtung: Das heutige Open Mic ist kurzfristig ins Spektakel verlegt worden (2 Häuser weiter, Hamburgerstraße 14)!!!
Achtung: Das heutige Open Mic ist kurzfristig ins Spektakel verlegt worden (2 Häuser weiter, Hamburgerstraße 14)!!!
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