Dienstag, 4. März 2014

DAS GROSSE FV-QUIZ

So, langsam wird es Zeit, euer Wissen zu überprüfen. Hier wären mal 20 Quizfragen. Wenn ihr sie richtig beantwortet, ergibt sich aus den Buchstaben, die bei den Auswahlmöglichkeiten stehen, etwas sinnvolles ;-)


Frage 1: Wie lautet der Name unserer Veranstaltung?

D) Grand Prix farce vivendi de la poésie
E) farce vivendi Poetry Slam
F) farce vivendi Open Mic
G) farce vivendi Closed Mic

Frage 2: Was bieten wir euch bei unserer Veranstaltung an?

A) Eine offene Bühne
B) Eine offene Rechnung
C) Eine offene Beziehung
D) Eine offene Büchse der Pandora

Frage 3: Wer moderiert unsere Veranstaltung?

P) Werner Faymann & Michael Spindelegger
Q) Mieze Medusa & Yasmin Hafedh
R) melamar & Andi Pianka
S) Gerald Dell’mour & Rafael Wagner

Frage 4: Wie viele Veranstaltungen dieser Reihe hat es bis Februar 2014 gegeben?

B) gar keine
C) 40
D) 365
E) 666

Frage 5: Wann fand unsere Veranstaltung erstmals statt?

B) Am 14. Juli 1789
C) Am 9. November 1989
D) Am 11. September 2001
E) Am 16. Februar 2007

Frage 6: Und wie hieß das Lokal, in dem damals die Premiere stattfand?

T) Die Säge
U) Die Zange
V) Die Feile
W) Die Guillotine

Frage 7: Zwischen diesem ersten Lokal und dem jetzigen folgten einige andere. Welches davon war NICHT darunter?

F) LABfactory
G) Arena Beisl
H) Das Werk
I) Bierstindl

Frage 8: Nun sind wir ja im Celeste gelandet. Wie lautet dessen Adresse?

U) Frankfurterstraße 9
V) Hamburgerstraße 18
W) Debrezinerstraße 27
X) Dürümstraße 36

Frage 9: Wie viel verlangen wir an Eintritt?

D) Eintritt frei, Spenden strengstens verboten
E) Eintritt frei, freiwillige Spenden sehr erwünscht
F) 13 Schilling und 76 Groschen
G) Eintritt in Euro = Alter in Jahren dividiert durch zehn

Frage 10: Wir bitten das Publikum um „Respect the poets!“ – was aber bedeutet das genau?

M) Das Publikum möge mit dem Rücken zur Bühne stehen und den Kopf nach hinten drehen (respectare auf Latein = zurückblicken).
N) Das Publikum möge die Darbietungen in respektvoller Stille (=ohne sich nebenbei zu unterhalten) mitverfolgen und genießen.
O) Das Publikum möge respektieren, daß an unserer Veranstaltung PoetInnen leider nicht teilnehmen dürfen.
P) Das Publikum muß bei Beginn jedes Auftritts ehrfürchtig niederknien.

Frage 11: Wie wird eigentlich die Reihenfolge der Auftritte bestimmt?

B) Es geht nach dem Alphabet.
C) Es geht nach der Sozialversicherungsnummer der Auftretenden (von der kleinsten bis zur größten).
D) Eine menschliche Glücksfee aus dem Publikum darf ein Namenskärtchen ziehen.
E) Ein Tintenfisch im Aquarium (im Stock darüber) bekommt Futterboxen zur Auswahl, die mit den Namen der Auftretenden markiert sind.

Frage 12: Auch das Moderationsduo bestimmt, wer von den beiden die Eisbrecherrolle (bei anderen Veranstaltungen auch „Opferlamm“ genannt) übernimmt. Was wird dabei in die Höhe geworfen, um zu bestimmen, wer es wird?

G) Eine Taube
H) Eine Banknote
I) Eine Münze
J) Confetti

Frage 13: Nun ist Auftrittszeit. Die Dauer muß zwar nicht exakt eingehalten werden, jedoch haben wir eine ungefähre Zeitempfehlung. Die lautet?

N) 4 Minuten 33 Sekunden
O) 5 Minuten
P) 5 Lichtminuten
Q) 86.400 Sekunden

Frage 14: Welche Sprachen erlauben wir euch bei euren Auftritten?

M) Mittelbairische Dialekte (bzw. südbairische nur dann, wenn dabei keine Requisiten verwendet werden)
N) Deutsch, Englisch, Esperanto
O) Sämtliche germanische, romanische, slawische, keltische, baltische und indoiranische Sprachen sowie außerdem noch Albanisch, Armenisch und Griechisch
P) Alle

Frage 15: Sind auch musikalische Beiträge erlaubt?

E) Ja
F) Nur Gesang, keine Instrumente
G) Nur Zwölftonmusik
H) Nur Freestyle-Rap

Frage 16: Was bekommen unsere Auftretenden?

K) 813,99 Euro Gage
L) Eine Vorteilscard
M) Einen Eintrag ins Gästebuch
N) Ein Freigetränk

Frage 17: So, das Quiz nähert sich langsam seinem Ende. Doch wißt ihr überhaupt, wann ihr kommen müßt?

L) An jedem Monatsersten
M) An jedem dritten Dienstag des Monats
N) An jedem letzten Sonntag jener Monate, die nicht durch drei teilbar sind
O) An jedem 29. Februar aller durch vier teilbaren Jahre, jedoch nicht, wenn sie ebenfalls durch hundert teilbar sind, wovon allerdings die durch vierhundert teilbaren nochmals eine Ausnahme bilden, an denen die Veranstaltung dann sehr wohl stattfindet

Frage 18: Allerdings machen wir auch Pause. Wann?

I) Juli & August
J) Juni & Dezember
K) Bei Regen & Schnee
L) In ungeraden Jahren

Frage 19 (die allerschwerste): Es gab am 13. August 2012 einen Poetry Slam, den die eine Hälfte des fv-Moderationsduos mitmoderierte und die andere Hälfte diesen gewonnen hat. In welcher Stadt fand dieses Ereignis statt?

A) Klagenfurt
B) Katowice
C) Scheibbs
D) St. Pölten

Frage 20 (nur damit es eine runde Zahl an Fragen ist, also ohne Auswahlbuchstaben): Und was macht ihr am 18. März?

- Auf den 19. März warten
- Auf Weihnachten warten (sind ja nur noch knapp über 9 Monate)
- Auf den Weltuntergang warten
- Ins Celeste gehen

Dienstag, 18. Februar 2014

Ein grandioses Jubiläum


Das FARCE VIVENDI OPEN MIC feierte Mehrfachjubiläum – und sowohl Teilnehmende als auch Publikümer strömten in großer Menge herbei.

ANDI PIANKA und die jegliche Wahrscheinlichkeitsrechnung ignorierenden Münzen, welche die Reihenfolge der beiden EisbrecherInnen bestimmen, leben zur Zeit in keiner Liebesbeziehung miteinander. So musste er auch diesmal den Anfang machen. Er widmete sich in seinem Text den am WeltKriegReloaded-Ball alleswalzernden Burschenschaftern in der Hofburg.

Die erste eigentliche Teilnehmerin war dann AÑA (erfolgreiche Neo-Slammerin und erstmals beim fv open mic dabei), die ihren Text zwei Freundinnen und sich selber widmete. Es ging um das neue Schönheitsideal. Du hast dich in meinen Kopf eingeschlichen, mit falschen Idealen tapeziert. Zucker und Fett wurden zu Fremdwörtern gemacht. Dabei weiß doch jedes Kind, dass in Wasser 0,000 Kalorien sind. Es ist wie eine Sucht. Mensch, Mädchen, wovon träumst du nur? In den Zeitungen steht ganz fett drin (welch Ironie): Dünn sein! Doch Añas Botschaft an alle Pro-Anas lautet: „Kann heißt nicht muss!“

Als Antwort drauf brachte JOPA keine Kochrezepte. Ob Stechaugäpfel mit Zimt und Zucker, der Augapfelstrudel aus geschälten Augäpfeln, das aus den Augenhöhlen entnommene Augapfelmus – kein Auge blieb bei jopas Ausführungen trocken bzw. verschont. Auch nicht der Augenaufschlag (wie Erdbeeren auf Schlag). Jenseits der Augen ging es dann mit gebackenen (Computer-)Mäusen („Der Teig bekommt Stock und Hut und geht nun eine Weile“) und Faschokrapfen (mit faschierten Faschisten, die nach dem Backen von links zu befüllen sind) weiter, ehe schlußendlich jopa auch sein Hirn kochte.

MICHAELA HINTERLEITNER rief alle fröhlichen Hühner auf die Bühne (worauf das erste und an diesem Abend auch nicht letzte Mal menschliche Requisiten einen Auftritt begleiteten). Es ging um Lichtblitze, die an grauen Tagen durch Wolken zur Erde zischen. Tropf, tropf, tropf. Where I stand around the corner of your mind? Dann widmete sie sich dem Thema Wiedergeburt (zum Beispiel als Wurm). Den Schlußpunkt setzte Peter Pan: When you wake in the night? When you’re flyin’ in the night?

Ihr folgte JAZMIN DEL CAMPO, die von ihrer argentinischen Heimat, in der sie vor kurzem war, erzählte. Geboren sei sie in einem Land, dessen Kultur wegradiert wurde. Keiner weiß von was. Es ging um Großkapitalisten mit kommunistischem Hintergrund und eine Art „Großchina“. Jeder Buchstabe wird fast religiös verehrt. In ihrem zweiten Text wurde ein „du glaubst, was du glaubst...“ durch das Geräusch der Umgebung dividiert, mit der Quadratwurzel der jetzigen Trends multipliziert etc.
Als Einlage zwischen den Texten erzählte P.P., die auf die Bühne mitkam, Lustiges über Schokolade: Ich hab sie verdrückt – nun bin ich verrückt!

Erstmals dabei war MARTIN, der in seiner Tiroler Heimatsprache redete (auch er mit menschlicher Requisite neben sich, nämlich Concerto Crystall). Martin improvisierte: Klatschen für alle. Hauptsächlich setzte er sich (nicht als erster und nicht als letzter an diesem Abend) mit dem Tod auseinander. Wie würde er gern sterben? Im Altersheim am Klo beim scheißen. Männer seien übrigens sehr stolz auf ihre Exkremente, weil sie damit ihren Neid auf die Fähigkeit der Frauen, Kinder zu gebären, kompensieren. Schließlich meinte Martin, sich bei den Hell’s Angels als Kassier bewerben zu wollen („Wie ehrenhaft muss es sein?“)

Als letzte vor der Pause traten WOLF MORRISON und....nein, ausnahmsweise kein menschliches Requisit, sondern seine Gitarre auf. Sein erstes Lied handelte von Toleranz. Sie spucken aus vor dir auf der Straß’n. Du bist allein, g’hörst ned dazu. Wos is denn des für a Stadt? Du bleibst weiterhin ausgegrenzt und ausg’stossn. Das zweite Lied war ursprünglich für ein Kabarettprogramm geschrieben. Es ging um einen „Lonesome rider“: Riding against the wind, there is no chance for me to stop. It is my destiny to ride alone.

Der folgende Auftritt gehörte der Pause.

Eisbrecherin Nummer 2 war MELAMAR. Da es an dem Abend einige Male um das Thema Tod ging, las sie Texte zweier leider bereits verstorbener früherer fv-open-mic-Teilnehmer: Zuerst ein Gedicht bzw. eigentlich Wiegenlied von ILIJA JOVANOVIĆ: Schlaf, Müdes, schlaf! Meine Liebe ist der sanfte Wind. Dem folgte ein sehr politisches Gedicht von MIKE AUSTIN, einem waschechten Cherokee-Indianer aus Linz: If the creeks don’t rise......God damn you America! Schließlich gab es auch eigenes von melamar zu hören. Da ging es um den Gott der Kopfläuse (der meint: Macht euch die Menschen untertan!) und um die Entwicklung von Wort zu Satz zu noch mehr. Doch am Anfang war das Wort.

Schon in der ersten Hälfte begleitend aufgetreten, kam nun CONCERTO CRYSTALL zu seinem „eigentlichen“ Auftritt. Erst mit einem kurzen Gedicht: Leistung ist des Menschen einziges Kapital. Begleitet von Walter Egon auf der Gitarre (zu ihm dann später) setzte er überaus bluesig fort und kreierte dabei das Wort des Tages: Blues-Bim-Slam! Er pfercht sich in die U-Bahn, neben ihm ein schönes Dirndl. Und sie sagt: Fahrscheine bitte! I denk mi, i lad’s ein. Heute wird ein guater Tag. Doch dann steht auch noch der Postler mit einem Brief vor der Tür, weil ihn die Mistelbacher deppert geblitzt haben. Oftmal hab i a Pech, oftmal hab i a Glück. Schulden bei der Bank hab i sowieso.

Nach ihm trat GEORG HARLEKIN auf. „Einfach jeder“ hieß es in seinem ersten Text. Jeder, einfach jeder hat seine Geschichte. Fühlt sich an wie Leder. In der stillen Nacht hatten Zinnsoldaten ihre Wacht. Eine kleine Mahnung war das zweite Gedicht, das von Mutters gutem Kuchen handelte. Und: Macht Lolas Beispiel Schule, weil sie schneller rennt. Zum dritten Text gesellte sich ein Darth-Vader-ähnlich verkleideter (beim Open Mic durchaus erlaubt – außerdem ist zur Zeit ohnehin Fasching) WALTER EGON hinzu: Wer oder was ist abgestürzt? Ich bin das Ungewisse und genieße deine Angst. Macht es gut, ihr Großohrhasen! Sogleich und nahtlos wurde der vom Teufel hergesandte Walter Egon vom Neben- zum Hauptakteur. Es gibt noch viel zu tun – und nahm sich ein kleines bißchen Ehrgeiz. Noch eine kleine Prise Größenwahn und mein Auftrag ist getan.

Es ging weiter mit einem seit kurzem schon fast Stammgast seienden Auftretenden des fv open mic, nämlich MIKE (und seiner Gitarre). Mike sang nach einer Neuversion eines bereits vertrauten englischsprachigen Liedes über den Zustand der Erde ein zweites, deutschsprachiges: I kenn den Tod persönlich. Seitdem is mei Leben zum Speib’n. Vü Zeit hab i vergeudet, doch gestern hat mir a Engerl die Lösung dafür gesagt: Gib deinem Leben Hoffnung! I mecht mi wieda freu’n. Und zur Entspannung durfte Mike auf der Bühne eine Massage genießen.

Bei fv open mics in Feile und Werk öfters mit dabei, nun das erste Mal im Celeste war OSKAR: Lang is her. Hallo Welt, ich bin 16 Jahr’! Wobei er damals im Krieg, also im Punischen, zu den Karthagern gehalten hätte. Und vor dem Urknall hat er sei Ruh gehabt. Vielleicht, wenn er stirbt, wird es wieder so sein wie vor dem Urknall. Doch Oskar weiß, wie der Tod nackert ausschaut. Die Welt is so unfair! Sieben mal vierzig ist zweihundertachzig. Andi, hol die Peitsche raus! Ja und ja – es geht uns gut.

Aufgrund einer wichtigen GV (Generalversammlung und nicht Geschlechtsverkehr!) verspätet, aber dennoch rechtzeitig angekommen war der wohl häufigsten Teilnehmer in der fv-open-mic-Geschichte, nämlich CHRISTIAN „SCHREIBI“ SCHREIBMÜLLER. Er hatte was von einem „Marquis de la Silhouette“ gehört. In seinem ersten Text ging es dann um’s Rülpsen ins dreckige WC. Im Magen stechen dich Hornissen. Dich mag auch nur einer leiden. Im zweiten Gedicht unterhielten sich zwei ältere sexistische Herren über Frauen: Warum wir Frauen also hassen? Nun, wir können sie nicht lassen. Und schließlich im dritten Text wollte er seine Oide pack’n, die Elvis Presley und Eisenhower verdroschen hätte.

Von der selben GV kam auch JIMI LEND (sowie im Anhang auch noch weitere AutorInnen, die sich aber auf ein Publikumsdasein beschränkten). Jimi war ein Freedom Fighter – und so weiter. Die Gewinner sind immer die selben, nach ihnen werden die Normen geeicht. Sein altes Auge zuckte schon zum Beat. Verwesung, Stillstand, Hundertschaften von Netzwerkmeckerern waren weitere Themen seines Auftritts. Deppen, die im System stecken. Wie steht’s mit dem Einzelnen, der sich selbst genug liebt?

Zum Abschluss dieser Jubiläumsveranstaltung betrat JONOPONO die Bühne. Auch sie bat Grillhendln zur Begleitung auf die Bühne (siehe Michaela Hinterleitner in Hälfte 1). Sie sang: Ich liebe mich. Ich bin so gerne voll gestresst. Ich stehe sowieso auf Schmerz. Ich lass mich gerne nicht entlohnen. Ich leb so gern in diesem Land. Und wenn ich einmal nicht mehr kann, dann sauf ich mich ganz schrecklich an. Ihr zweites Lied erklärte (in Form einer Kritik an den heutigen industriellen Lebensmittelerzeugungsprozessen) das Leben für Kinder von 4 bis 8: Erst kommt der Regen, dann kommt das Leben, dann kommt die Sonne, dann kommen Lieder. Der Bauer auf dem Felde wär der Retter dieser Welt. Doch die Kinder in den Städten haben nie ein Huhn gesehen. Erst kommt kein Regen, dann kommt kein Leben. Nun verwesen die Bäuerinnen.

Das moderierende Duo machte (unter Beihilfe einiger Mitanwesender) kurz noch Werbung für einige Veranstaltungen der nächsten Zeit, bedankte und verabschiedete sich bis zum nächsten Mal, welches (unbedingt in den Kalender eintragen!) am 18. März stattfindet. Da laut einer unlängst erschienenen Studie GV’s (Geschlechtsverkehre, nicht Generalversammlungen) am häufigsten um 19:37 passieren, lassen wir euch das Vergnügen davor und fangen mit unserem Vergnügen für euch erst (oder schon?) um 20:00 an. Rechtzeitiges Kommen (ob beim GV oder beim fv open mic) durchaus erwünscht, damit wir relativ pünktlich loslegen können, aber es sind Nachanmeldungen in der Pause auch nicht verboten.

Freitag, 14. Februar 2014

di 18.2. JUBILÄUM! 7 JAHRE farce vivendi OPEN MIC!


liebe freundinnen und freunde der angewandten wortkunst!


ich freue mich, folgende jubiläumsveranstaltung ankündigen zu dürfen:

7 JAHRE farce vivendi OPEN MIC! (ist die zeit wirklich so schnell vergangen?)

mein zahlen- und jubiläumsaffiner co-moderator und -organisator andi pianka entdeckte folgende einzigartige konstellationen:

"dieses fv open mic wird ein ganz besonderes:
- 7 Jahre farce vivendi open mic (Na ja, mit einer kleinen statistischen Standardabweichung von 2 Tagen gegenüber dem allerersten fv open mic, was aber innerhalb der Toleranzgrenze liegt)!
- Es wird das 40. fv open mic sein!
- Es wird das 40. von melamar organisierte und moderierte fv open mic sein!
- Es wird das 20. vom Autor dieser Zeilen mitorganisierte/mitmoderierte fv open mic sein!
- Es wird das 11. (Doppel-Einser!) fv open mic im Celeste sein!
- Es wird der 83. Geburtstag der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison sein, der 82. von Miloš Forman, der 81. von Yoko Ono, der 76. von István Szabó, der 60. von John Travolta, der 50. von Matt Dillon und der 43. von Jimmy Kelly! Das müssen wir auf jeden Fall feiern...
- Es wird der 559. Todestag von Fra Angelico sein (über den der Autor dieser Zeilen in der sechsten Klasse AHS mal ein Referat halten mußte), der 468. von Martin Luther, der 450. von Michelangelo, der 427. von Maria Stuart und der 207. von Marie Sophie von La Roche!
- Es wird der Nationalfeiertag von Gambia sein!
Also wenn das alles für euch keine fundamentalen Gründe sind, um zum nächsten farce vivendi open mic zu kommen, dann versteh ich die Welt echt nimmer. Bis zum 18. Februar also!"


ZELEBRIERT WIRD am DIENSTAG, den 18.02. 2014
ab 20:00h

im CELESTE-jazzkeller
hamburgerstraße 18,
1050 wien
(U4 kettenbrückengasse / pilgramgasse)

moderation: melamar & andi pianka

EINTRITT FREI! FREE ENTRY! ENTRADA LIBRE!

nähere infos:



anmeldung für auftretende ab 19:30h


mit poetischen grüßen!

melamar


Mittwoch, 22. Januar 2014

Im neuen (Lebens)Jahr angekommen...


Das erste farce vivendi open mic des Jahres 2014 startete de iure zur neuen, früheren Beginnzeit 20:00, de facto allerdings, da sich diese noch nicht überall herumgesprochen hatte und die auftretenden/zuschauenden Menschen erst mit der Zeit ein- und zuströmten, doch etwas später (allerdings immer noch früher als zu der alten de-iure-Beginnzeit, die von nun an nicht mehr erwähnt und in Vergessenheit geraten soll – das nächste Mal werden sich dann ja hoffentlich alle an die neue gewöhnt haben....). Gut Dinge braucht Weile – und in diesem Fall hat es sich ausgezahlt: Dieses fv open mic wurde zu einem der sowohl an Auftretenden als auch an Publikümern bestbesuchtesten der jüngeren Neuzeit (das bestbesuchte seit in etwa dem Jahre 1793).

Die Münze ist ein magisches, von den Pharaonen verhextes Objekt. Sie fällt (auch wenn sie diesmal ausnahmsweise nicht von ihm selber mitgebracht wurde) immer auf genau die Seite, die ANDI PIANKA nicht will. So mußte dieser arme Co-Moderator zum wohl mittlerweile 999. Male den ersten Eisbrecher spielen. Er tat es mit einem Medley aus seinen Texten, mit dem er schon vor einigen Jahren etwa bei einer Veranstaltung der "jungen literaturwerkstatt wien" im Literaturhaus, beim ersten Scheibbser Poetry Slam oder bei der Internationalen Slam-Revue in Berlin (hinter dem Link verbirgt sich der youtube-Link zu jenem Auftritt von Andi Pianka mit jenem Text ;-)) aufgetreten war, und erklärte damit die Bühne für eröffnet.

Erstmalig beim nun eröffneten fv open mic dabei und gleich als erste (Andi Pianka war ja der nullte) auftreten durfte JONO. Sie sang zwei kritische/nachdenkliche Lieder. Zuerst über den falschen „Hausverstand“, der immer daran erinnert, nicht auf’s Konsumieren zu vergessen. Denn: „Konsum macht dich glücklich, Konsum gibt dir Kraft“. So viel Genuß darf doch noch sein. Das zweite Lied beinhaltete ein nicht ganz jugendfreies, aber in dem Fall durchaus nicht unangebrachtes Vokabular („Ich find dich scheiße (...) Fuck you!“). Wie fühlt es sich an, wenn mensch stets weiß, was wie wo geht und was mensch so liket? Das ist nicht g’sund, ich will hier aussteigen. Sozialer Zwang. Will hier raus und bin raus. Ein gewisses „soziales“ Netzwerk war gemeint (erste Silbe fängt mit f an, zweite mit b, mehr sei an dieser Stelle nicht verraten – Anmerkung des Autors dieser Zeilen).

Der zweite Auftretende wird vom Autor dieser Zeilen sehr wohl verraten – es war einer unserer mittlerweiligen fv-open-mic-„Stammmenschen“ (und zusätzlich auch bekennender Stammleser dieses unseres Blogs hier), nämlich GEORG HARLEKIN, der seine Drei-Gedichte-Tradition auch diesmal wieder fortsetzte. Liebe möchte atmen, kommen, gehen, dich sehen, mit dir schlafen, wachen... Und noch vieles mehr. Liebe liebt einfach Musik. Liebe gibt mit Liebe Liebe. Im zweiten Gedicht ging es um Mandelhonig, Olivenöl und deinen rötlichen Erdbeermund. Welcher Geist ist es denn? IM abschließenden Text hat er alles bereits gefunden, nur noch nicht den Götterfunken. Das Reine. Pure Liebe Götterfunken. Wozu das alles? A stupid game?

Numero drei in diesem ganz unstupiden Game war dann ARTURO UI (letztes Mal nannte er sich noch anders, aber das war einmal vor langer, langer Zeit – vielleicht gar noch unter Bertolt Brecht...?). Er fühlt sich von Mike (zu ihm kommen wir dann später) inspiriert. Er sieht die Welt als ein männlich dominiertes System. Die Männer kämpfen um dies und das. Das einzige aber, worauf sich alle Männer einigen können, ist die Liebe zum Busen. Deswegen sang er das Busenlied: Da wird gleich der Papst („Hätt ich zwei Busen, wär ich kein Papst mehr“) zum Busenbussibär. Da stehen Tungusen, Awaren oder Tataren auf lauter Busen. Und die Langobarden-Frauen waren sowieso kolossal verbust. Da wird man mal schon zum Professor für vergleichende Busologie. Der zweite Song war nicht von ihm, aber das ist beim fv open mic durchaus erlaubt. Es war „Space Oddity“ von David Bowie.

Dann kam zwar nicht David Bowie, aber immerhin JOPA mit einem Dramolett, in dem der Schaum mit Hut („Idna“) und die Prinzessin („Apoj“) die Hauptrollen spielten und der...ähm...tja, sehr viele Anspielungen auf Texte des Autors dieser Zeilen enthielt. Bsssssssssss? Ich suche das Hotel zum kleinen Schaum, ich habe dort nämlich ein Zimmer im 13. Stock gebucht. Es folgten so manche Zitate aus Liedern von Element of Crime. Die Hauptperson aus Godwin’s Law kam auch vor, wurde allerdings von Idna unter dem Dank der Menschheit mehrmals getötet. Die Wurstkarte war wurst, die Pizzakarte war bizarr. Und die Würgerkarte? Julian wollte einen Witz erzählen, El Awadalla pinkelte einem Polizisten ans Bein, Senffaß und Faß mit Russen warteten auf Godot bzw. Franzobel. Passant mit Hund sackerlte ein Gackerl, Passant mit Bart rasierte sich („Schreibi: Ich habe einen Bart“) und Bebraham drehte sich einen Ofen. Ich wollte einen Riot ohne Bussi machen, stattdessen machte ich einen Slam ohne Bimi. Riot Bus Bim Slam Anker Pi. burt pri ank za woll pi bla hau lt bld prm z z.

Auf burt pri ank za woll pi bla hau lt bld prm z z folgte nun der schon seit den alten Werk-Tagen des fv open mic nicht mehr mit dabei gewesene SAMUEL. Er brachte ein doppeltes italienisches Sonett über den Hot Dog zum besten. Am Würstelstand: Hunger brach mir den Verstand. Senf und Ketchup zum Ersaufen. Das Publikum bekam noch viele weitere Details zu diesem mißglückten Hot-Dog-Kauf an einem Würstelstand in Wien (den der Autor des Textes auch konkret erwähnte, aber vom Autor dieser Zeilen unerwähnt belassen wird) zu hören. Die Tragödie fand in der Straßenbahn ihren ultimativen Höhepunkt: „Der Senf tropfte auf meine weißen Schuh“. Und die Moral von der Geschicht’: Kaufe bei dem Würschtler nicht.

Es ging nun schon Richtung Pause, aber davor trat noch ein weiterer nicht Würschtler, sondern „Stammmensch“ des fv open mic samt Requisit/Instrument (bei uns ja im Unterschied zu Poetry Slams erlaubt) auf. Es handelt sich um WOLF MORRISON und (wie so meist) seine Gitarre. In einem ersten Lied meinte er: „Tua ma bitte ned weh und halt mi ned am Schmäh“ (der der Dialektschreibung ziemlich unkundige Autor dieser Zeilen schreibt das mal so auf). „Bist grantig? Da kann i nichts dafür“. Das zweite Lied handelte von einer Person namens Julia: „Du bist wia a Sonnenstrahl an a Regentag“ bzw. „Wann du lachst, dann lacht die ganze Welt“. Einige Passagen dieses Liedes gab es dann auch in englischer Fassung.

Und dann ward PAUSE - abgesehen von einem kleinen Ständchen kurz davor (da hatte offenbar irgendwer Geburtstag an dem Tag...), aber das ist eine andere Geschichte...

So, das Eisbrechertum ging nach der Pause mit der zuvor von Tutanchamun münzbeglückten fv-open-mic-Erfinderin/-Gründerin MELAMAR weiter. Ein kleiner Wurm im Elfenbeinturm machte sich Gedanken, die sich in Reime fassen lassen. Tourette-Synrom? Ich bin nicht dumm. Rosamunde studiert Altertumskunde, Sigismund liebt die blinde Gerlinde und Raimund mit seinem Hirtenhund beim Schäferstündchen...womöglich mit Amanda auf der Veranda. Bob hingegen ist mehr wie Hiob. Und überhaupt erst ein urbaner Marokkaner. Der schenkt ihr reinen Reim ein – anachronistisch reimfetischistisch.

Auf das zweite Eisbrechertum folgte die zweite Hälfte, die durchaus reine Reime (und keine Schäferstündchen, sondern vollste Aufmerksamkeit beim Publikum) bot und die mit MIKE begann. Er meinte, die Musik als Frequenz wäre unterschätzt. Sie hätte eine positive Beeinflussung und „wir hätten eine Riesengaudi“, wenn Musik die Rolle von G20-Gipfeln und ähnlichem übernehmen würde. Er begann mit einer neuen/besseren Version des Liedes, das er letztes Mal dargeboten hatte, wo es um „laws and orders“, den „sick planet“, aber eben doch positiverweise um „feeling, harmony, good songs“ ging. Um love & peace. Dem folgte ein (Mutmaßung des Autors dieser Zeilen) spontanes(?) Lied über sein Ego, das ihn immer wieder stört.

Die nächste Autorin gibt ihren Egos viele Namen, diesmal trat sie als MICHAELA ERLE auf. Kurze, performative Texte bildeten ihren Auftritt. Ein Spruch, ein Bruch, Beinbruch. Aber Holla, Stützgewebe! „Ich bin ein Puffer ohne Kartoffeln (...) bin dazwischen (...) zerstreue mich, zerstreusle mich (...) bin Spurensucherin“. Im zweiten Text war sie dann ein Tausendsassa, ein Hundertsassa, ein Bienenfresser, ein Hundertwasser, der Dunst produziert. Im dritten der „common sense“ (mit ausgesprochenem e bei „sense“!). Mit alles drüber. Macht alles gleich. Mit dir auch deinen Golfrasen glatt. Und in den vierten Text durfte schließlich vom Publikum „interveniert“ werden: Ein Mitmachtext, bei dem die Art des Mitmachens vom Publikum völlig frei gewählt werden konnte (und auch dementsprechend gewählt wurde). Es ging jedenfalls um den Errrnst. Und das meine ich jetzt errrnst. Das ist der Errrnst des Lebens. Oh Errrnst: Errrnsthaft!

Nun ging es weiter mit dem errrnsthaften WALTER EGON, der dem Publikum ein „Attentat“ anbot. Er bereitet sich nämlich grad auf den von Diana Köhle diesen Freitag organisierten Singer-Songwriter-Slam vor und hat um die 50 Lieder parat. Welches davon soll er wählen? Da muß das Publikum entscheiden. Eh nicht zwischen allen fünfzig, sondern zwischen dreien. Soll es a) um die Friedensbringung anstatt des ewigen Suchens und Kämpfens gehen oder b) um das Lächeln im Regen („Crowd of people always questioning’“) oder c) doch um ein Ikea-artiges Mitmach-Selbstbaulied mit special effects und dem Refrain „shubshubshubidubidubdua“ (Versuch einer lautgetreuen Wiedergabe des Refrains durch den Autor dieser Zeilen)? Tja, liebes Publikum, nun dürft ihr euch entscheiden...

...aber bitte auch nicht allzulange, denn gleich kommt eine der wohl ältesten TeilnehmerInnen der fv-open-mic-Geschichte, aber gleichzeitig sehr junggebliebene LORE MURBACHER auf die Bühne – nach u.a. einigen Auftritten beim Slam B diesmal erstmals als Liedermacherin auftretend. Das erste Lied sah das Alter bzw. „alte“ Menschen, als solche, die durchaus Spaß haben, wehrte sich aber auch andererseits gegen veraltete erzwungene Zwangsbräuche („Gib der Oma a Busserl!“). Das zweite Lied war dem türkischen Friseur mit seinen sechs Kindern gewidmet, der diesmal keinen Tee zum schlafen können gibt. Den Schluß ihres Auftritts bildete das Straßenbahnlied („In den Kurven lan i mi fest an“). Von Hietzing bis Praterstern schlängelt sie sich durch alle Kurven – samt sämtlichen Gestalten, die ihr den Platz anbieten bzw. umfliegen, sodaß sie am Ende doch noch einen Platz ergattert.

Den letzten Startplatz ergattert hat diesmal MRIRI, der mittlerweile nicht ganz unbekannte Kurztexte-Slammer, der mit Witzen anfing: Erst schmeckte Einstein sein Steak nicht („Iiih, Kuh!“), dann wurden in Italien Fäkalien gefunden – der DNA-Test ergab, daß es sich um den Da-Vinci-Kot handelt. Pensionisten wurden mit Erdbeeren gekreuzt, der Großvater war ein Metzger, nur der Romananfang klappte nicht so recht: Dem haargefärbten Kiffer wurde sein Kopf leer. Ohne sein Gehirn wäre er aber sowieso tot. Beim Nachdenken kommt man nämlich drauf: Planeten, Kosmos – alles unwichtig. Die erste Liebesgeschichte war ein Annäherungsversuch: „Ich setz mich neben sie – Fortsetzung folgt“. Die zweite spielte unter der Decke und beinhaltete so manche Extremitäten. Und zum Abschluß wurde dem Nestroyplatz das N durch ein D ersetzt.

Welcher Platz es denn nun auch ist – eines steht fest: Das nächste farce vivendi open mic erleben wir gemeinsam am 18. Februar ab 20:00. So traget diese Botschaft in die große weite Welt und vor allem in eure Kalender ein! Denn dieses fv open mic wird ein ganz besonderes:
- 7 Jahre farce vivendi open mic (Na ja, mit einer kleinen statistischen Standardabweichung von 2 Tagen gegenüber dem allerersten fv open mic, was aber innerhalb der Toleranzgrenze liegt)!
- Es wird das 40. fv open mic sein!
- Es wird das 40. von melamar organisierte und moderierte fv open mic sein!
- Es wird das 20. vom Autor dieser Zeilen mitorganisierte/mitmoderierte fv open mic sein!
- Es wird das 11. (Doppel-Einser!) fv open mic im Celeste sein!
- Es wird der 83. Geburtstag der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison sein, der 82. von Miloš Forman, der 81. von Yoko Ono, der 76. von István Szabó, der 60. von John Travolta, der 50. von Matt Dillon und der 43. von Jimmy Kelly! Das müssen wir auf jeden Fall feiern...
- Es wird der 559. Todestag von Fra Angelico sein (über den der Autor dieser Zeilen in der sechsten Klasse AHS mal ein Referat halten mußte), der 468. von Martin Luther, der 450. von Michelangelo, der 427. von Maria Stuart und der 207. von Marie Sophie von La Roche!
- Es wird der Nationalfeiertag von Gambia sein!
Also wenn das alles für euch keine fundamentalen Gründe sind, um zum nächsten farce vivendi open mic zu kommen, dann versteh ich die Welt echt nimmer. Bis zum 18. Februar also!

Dienstag, 17. Dezember 2013

Ein würdiger Jahresabschluß in turbulenten Zeiten



Der 17. Dezember 2013 war ein historischer Tag, an dem vom Morgen bis zum Abend das Niveau der Veranstaltungen sukzessive anstieg:
Es begann in der Früh mit der Regierungserklärung von Werner Faymann im österreichischen Nationalrat.
Es folgten zu Mittag Wiederwahl und Angelobung von Angela Merkel in Berlin.
Am späten Nachmittag demonstrieten am Wiener Minoritenplatz (von einem ca. halbstündigen Gig der großartigen Yasmo begleitet) in Eiseskälte ca. 10.000 Menschen für den Erhalt des Wissenschaftsministeriums. 
Doch der wahre geistige Höhepunkt dieses ereignisreichen Tages folgte erst am Abend, nämlich das 38. farce vivendi open mic im CELESTE.

Der schon traditionelle Münzwurf machte, da Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy auf der Rückseite der 20-Schilling(!)-Münze nicht mit dem Kopf nach oben landen wollte, - wie üblich – ANDI PIANKA zum ersten Eisbrecher. Er beschäftigte sich aus aktuellem Anlaß mit der auf Forschung und Lehre nun folgenden Verorschung und Leere, las danach ein Uralt-Gedicht über kalte Füße, die im Unterschied zu Legebatterien Gefühle haben, sowie eine Nicht-Hommage an Ex-Ministerin und Neo-Kultursprecherin „Bloody Mary“. Den Rest des Abends beschränkte er sich auf ein (fettnäpfchenreiches) co-moderieren. Es konnte somit losgehen:

Zum zweiten Mal beim fv open mic sahen wir WALTER EGON, der mit dem Leonard-Cohen-Klassiker „Hallelujah“ einen prominenten Auftakt der sehr musikreichen ersten Hälfte des Abends bildete. An diesen schloß er einen eigenen Song mit dem Titel „Du bist der Grund“ an, in dem es um ein vielfaches „Warum?“ ging. Du bist der Grund, auf dem/den ich geh, du bist der Grund, auf dem/den ich steh. Auch andere Gründe wie der Beweggrund und der Abgrund wurden in diesem Lied besungen.

Von GEORG HARLEKIN gab es – schon traditionell – wieder ein lyrisches Triptychon zu hören. Diesmal ging es zuerst um eine schicksalshafte Liebesnacht, in der eine Eule (die Weisheit) vorbeifliegt. Duftender Jasmin war auch ihr Name, doch am Ende war alles zerronnen, verschwommen und dann verschwunden. Das zweite Gedicht handelte von einer Spurensuche im Schnee an der Weggabelung zum steinernen Schloß – Sehnsucht. Doch das Tor war verschlossen. Im letzten Text hieß es „Matt statt satt“. Die Verdammnis schreit schrill. Wo ist nur der Ausgang?

Erstmals beim fv open mic trat als – wie auch alle anderen von einer Glücksfee aus dem Publikum geloste – Startnummer 3 MIKE mit seiner Gitarre auf. In seinem englischsprachigen Lied sang er über den „sick planet“, auf dem es nur „laws and orders“ sowie „just pollution“ gibt. Es liegt an den Menschen und es ist machbar, das zu ändern, denn „there’s a reason for live in peace“. Diesem ersten Song mit Musik und Text folgte ein zweites, rein instrumentelles Stück.

Nach längerer Pause wieder mit dabei war RONALD JAVUREK, der zum Märchen von dem Myrtenfräulein von Clemens Brentano (in dem es um einen Töpfer und seine Frau geht, die sich ein Kind wünschen) eine Fortsetzung schrieb. Der Töpfer war ein gläubiger Mann, der betete, seine Frau hingegen „pragmatischer Natur“. Dann kam ein Bote aus der porzellanenen Hauptstadt, der von der baldigen Ankunft des Königs berichtete. So schön funkelten die Bäuche der Krüge dem König entgegen. Und nach einer neu entbrannten Liebe zwischen den Körpern des Töpferpaares erkannte die Frau, als sie den König sah, daß sie schwanger geworden war.

Für den Schlußpunkt der ersten Hälfte sorgte einer unserer langjährigen Stammgäste, nämlich WOLF MORRISON mit wieder einmal einer musikalisch Darbietung: Die Weihnachtslieder im Radio – ein zweisprachiger deutsch-englischer Song über den Tag vor Weihnachten. I war erst 14 und sie war mei erste große Liebe. Wir hab’n g’redt und wir hab’n gelacht. Es waren die schensten Weihnachten. Von der Vergangenheit ging es im zweiten Lied in den Konjunktiv: Waun du mei Freindin warst. Doch die ist in festen Händen...

Fest in die Hände geklatscht wurde allen Auftretenden, zwischendurch gab es die wohlverdiente Pause, die von MIKE musikalisch untermalt wurde.

Darüber, ob die EisbrecherInnen zu den regulären Teilnehmenden des Open Mics zählen, waren sich die beiden MC’s des Abends nicht einig, sehr wohl aber darüber, daß MELAMAR logischerweise die zweiten Hälfte beginnen sollte. Schaltet die Zikaden stumm – hieß der Titel ihres in einer von Fritz Widhalm herausgegebenen Anthologie erschienenen Textes. Irgendwo bellt ein Hund und nördlich verblutet der Himmel. Der Gesang der Nachtigall ertönt in Dolby Surround. Weit unten mäandert ein Fluß – das muß Europa sein, wo man Sturzhelm trägt.

JOHNNY GANGSTER kann zwar klingonisch, las aber dennoch – von MIKE auf der Gitarre begleitet – auf deutsch, nämlich aus der Vereinszeitung eines nicht existierenden Vereines. Im ersten Text baute Meister Eder ein Raumschiff, denn die ganze Welt ist nur eine Attrappe. Alles bloß Sperrholz, da muß man den Planeten wechseln, zum Saturn, wo man in die innersten Kreise Zugang findet und von dem man zur Erde eine Postkarte mit der Bitte um Geld schickt. Die Leute spenden auch, denn „für irgendwas wird die Sache gut sein“. Im zweiten Text versprach die Partei des gemäßigten Fortschritts jedem Wähler ein Taschenaquarium. Es folgten schließlich noch ein paar Kürzesttexte. So wie er....

....war auch ULRIKE AYODELE MEINECKE erstmals beim fv open mic zugegen. Sie trug auswendig einen Ausschnitt aus ihrem Buch „Auferstehung des Phönix“ vor, in dem es um eine Botschaft des Phönix an die Menschen geht. Die Passage war ein Dialog zwischen dem Phönix, der das Schöpfungsmuster falsch gelenkt sieht, und dem Menschen, der halb Mensch, halb Tier ist und um Auferstehung im Schatten seiner selbst bittet. Der Phönix fordert, erneut den Pfad zu beginnen und kreidet die Blindheit der Menschen an, während der Mensch von sich als Wahrheitssuchenden spricht, der Angst um sein Leben hat. Wo beginnt mein Sein? Ist es der selbstgeponnene Faden? Der Phönix schließt mit den Worten: Unsterblichkeit bringt nur Kinderhand.

Die(!) vorletzte Auftretende des Abends war KURT, die in einem rasanten Tempo (der Autor dieser Zeilen tat sich mit dem Mitschreiben nicht einfach, aber gut er selber ist ja auch ein Schnellleser) die Gedankenabfolge eines (Selbst-? Anm.d.Red.: Vermutung des Autors dieser Zeilen)Gesprächs vortrug: Das war eine Aufgabe. Steh auf, wo ist der Honig? Lauf nicht so schnell! Gib her, das ist meins! Was wolltest du finden? Du hast ein anderes Motiv. Kommst du? Warte, Herz, ich komm mit. Ich inzestiere, das ist ein Test. Das bist du. Das will ich nicht, das hab ich schon.

Wie auch die erste, so endete auch die zweite Hälfte mit einem unserer langjährigsten Stammgäste, nämlich STEFAN PETER, der einen Auszug aus einem längeren Kabarettprogramm brachte. Swami Durcheinanda, ein 72jähriger deutscher Zahnprothesenträger, der im Ashram zum Guru wurde, bereitet sich auf Weihnachten vor. Denn Weihnachten wird eben gefeiert. Tannenbaum ist aber out, weil nicht authentisch. Und den Esel in der Krippe spielt ein ehemaliger US-Präsident. Was fehlt, ist ein stimmiges Lied: Hinter mir die Sintflut. Somewhere over the rainbow... Ein oberbairischer Adventdialog (Autor: Gerhard Polt) zwischen einer Reporterin und einem Bauern bildete den Abschluß des Abends.

Somit verabschiedet sich das farce vivendi open mic vom Jahr 2013, wünscht eine schöne Feiertagszeit und freut sich, euch alle in neuer Frische am 21.Jänner 2014 wiederzusehen – am selben Ort, aber mit neuer Beginnzeit: Ab Jänner fangen wir bereits um 20:00 an, Einlaßzeit bleibt 19:30.








Montag, 25. November 2013

Die (zuletzt auch Teil des farce-vivendi-Programms seiende) Lesereihe, die am 3.12.2006 mit einer Lesung von Cornelia Travnicek und Magda Woitzuck im Arena-Beisl-Backstage gestartet wurde, dann 2010 ins "alte" Werk im 16.Bezirk und 2013 ins "neue" Werk in Spittelau übersiedelte, feiert am 3.12.2013 ihre Dernière und begibt sich somit in Ruhestand. Vielen herzlichen Dank an die in den 7 Jahren ca. 80 aufgetretenen KünstlerInnen (darunter mit der vorhin erwähnten Cornelia Travnicek sowie Nadine Kegele die Publikumspreis-Gewinnerinnen des Bachmann-Wettbewerbs von 2012 und 2013, mit Yasmin Hafedh die österreichische Poetry-Slam-Meisterin von 2013 u.v.a.m.)

Die 91. und letzte Lesung dieser Reihe bestreitet Michaela Hinterleitner mit ihrer multimedial-performativen Darbietung "Mit Schuss".
Am 3.12.2013 um 20:00 im "neuen" Werk (9., Stadtbahnbogen 331, nähe S/U Spittelau). So kommet alle zahlreichst!

Das farce vivendi open mic geht hingegen weiter - nächstmals am 17.Dezember im Celeste(-Jazzkeller).

Dienstag, 19. November 2013

Zugaben, Zugaben, Zugaben....



Es war der dritte Dienstag des Novembers, ergo war wieder FARCE VIVENDI OPEN MIC. Während am selben Abend so manche Fußballfans (jene von Frankreich, Portugal, Kroatien, Griechenland, Algerien und Ghana) die gelungene Qualifikation ihrer Teams für die nächstjährige Fußball-WM bejubeln durften, brandete auch im CELESTE Jubel über so manche Darbietung auf, die zum Teil auch in Zugabewünsche mündete. Doch alles schön der Reihe nach...

ANDI PIANKA half seine ein paar Stunden zuvor auf der MaHü-FuZo gefundene 5-Forint-Münze auch nicht. Sie fiel statt auf Zahl auf den Vogel. Das Münzpech blieb ihm also treu und so mußte er zum gefühlten 37. Mal in diesem Jahr beim FV open mic den Eisbrecher machen. Er tat es zuerst mit einer wenige Stunden zuvor geschriebenen lyrischen Antwort auf die von ihm Stunden zuvor gelesene Adventkranz-Beschreibung „Dabei werden so viele Kerzen aufgestellt, wie der Advent Tage hat“ (Originalzitat aus einer Gratiszeitung vom 19.11.2013). Dem ließ er eine weitere Antwort folgen, nämlich auf den Maya-Kalender den Müller-Kalender.

Auf den Eisbrecher folgte die von einer Glücksfee*) gezogene Startnummer 1, nämlich mit STEFAN PETER einer unserer bereits „alteingesessenen“ Stammgäste. Ohne ein Wort Spanisch zu können, sang und spielte er den Lambada (freilich, ohne ihn auch zu tanzen), den er einstmals von bolivianischen Straßenmusikern erlernt hatte. Als zweites Lied folgte eine Eigenkomposition, nämlich die Herrgottsliab. Wann du willst, kriagst es Herz von mir. Alles, was da wünschst.**)

*) Laut der überaus berühmten und anerkannten Linguistin melamar handelt es sich bei „Glücksfee“ um ein genusneutrales Nomen, welches keinen maskulinen Gegenpart à la „Glücksfähnrich“ benötigt.
**) Dem Autor dieser Zeilen sei die vielleicht nicht ganz korrekte Transkription dieser beiden dialektalen Sätze bitte verziehen.

Auch bereits ein Stammgast ist GEORG HARLEKIN. Seiner Texte waren (nicht das erste Mal) genau drei an der Zahl. Gedankenversunken lernt er ständig dazu und geht unter den Laternen. In dieser Obstschüssel da drüben, da liegt Vieles. Dann sinierte er ungeniert über Hoffnung und Unbekümmertheit. Jetzt und heute sind wir Leute. Du bist das Resultat eines göttlichen Gedankens – Wow, echt? Im dritten Text durften wir dann unser Gewicht spüren. Aus Sternenstaub sind wir gemacht. Da öffnet sich eine Türe, nein, ein großes Tor.

Das Tor ward somit geöffnet für den dritten Auftretenden, nämlich für den erstmalig bei einem FV open mic auftretenden WALTER EGON. Er und seine Gitarre brachten zwei Songs dar. Der erste war ein „Blues for Peace“: We are searching like eagles, we are finding like dogs and cats. Und immer wieder “Give us peace!”, denn: There’s a question and an answer. Im zweiten Lied war’s der Regen, der fiel. The rain, the rain, the rain is falling down. Aber: When you smile....Shine on bright!

Die Rolle des Omega (der ersten Hälfte) und Alpha (der zweiten Hälfte) übernahm MELAMAR. Im Omega-Teil gab es Gedichte, in denen es z.B. um die Frage ging, ob eine kopflose Münze denn Metapher oder Allegorie wäre. Es folgte eine Auseinandersetzung mit automatischen Rechtschreibkorrekturen. Als nächstes eine 02:09-Uhrzeit, die als 2 Euro und 9 Cent abgelesen wurde. Daraufhin die Frage, wieso ein Text zusammenhängend und nicht sich aufhängend sein soll. Die Wendezeit hatte das Asyl als Thema. Und bei der mißglückten Liebe hieß es schlußendlich: „Du bist der Apfel, ich bin der Wurm“.

Zwischen Omega und Alpha war natürlich eine Pause nötig, um das Alphabet wieder an seinen Anfang zu drehen (und sich getränkemäßig zu versorgen). Da die Zahl der Nachanmeldungen in der Pause unterhalb des sonstigen Schnitts lag, hatten alle Auftretenden der ersten Hälfte diesmal das Glück, auch noch ein zweites Mal auf der Bühne stehen zu können. Doch zuerst kam das Alpha...

MELAMAR brachte ein ganzes Feuerwerk an Kurzgedichten. Auf den Vorsatz und den Dialog folgte die Frage, wieso sich Polizei auf Prügelei reimt. Meditation, Selbstbetrug, Talent und Vernunft waren die Themen der folgenden Texte. Der Wiederbegegnung von Finger und Flamme folgte die schlimmste aller Allergien, nämlich die Redundanzintoleranz. Mit dem synästhetischen Alltag und einer Bühnenweisheit ging es weiter. Mit Worten, die sich um Gedanken ranken. Mit der Bitte des Textes an die Autorin, ihn atmen zu lassen. Und schlußendlich mit dem verpaßten Blind Date.

Das Los zog (nein, wurde gezogen) ALICE REICHMANN, also den einzigen Pausen-Neuzugang, als Nummer 1 der zweiten Halbzeit. Direkt von einer Sitzung mit der Mama gekommen, begann sie mit einem vor 10 Jahren geschriebenen Text, der u.a. von einer Ungeduld, einer Panik, einer Nervosität, einer Unruhe handelte. 10 Jahre später wurde es „noch einmal Zeit“: Du hast so viele Gesichter. Und kurze Zeit später kam der Sturzflug in die Vogelperspektive: Sag ma afach nur ja oder na. Dei Hologramm verliert die Farb in meiner Imagination. Den Schlußpunkt ihres Auftritts bildete da Koffer von da Gitarr’ am Neubaugasse-Flohmarkt.

Nun zog das Los GEORG HARLEKIN. Es waren zwar wieder drei Texte, diesmal jedoch auswendig performt. Über die Demut: Was hab ich gemacht? Kann es sein, du bist in Abendkleidung? Dann ging es um die Garben der Narben. Vorantreiben, warten auf den Tod, ausgetrocknet sind die Flüsse in der Wiege der Verlorenheit. Der letzte Text war an den Wind gerichtet: Oh Wind, vom Leben getreten, vom Leid geliebt – was trägst du heimlich? Getrübter Augenschein. Du, der Wind, welch ein Genie!

STEFAN PETER trat beim zweiten Mal ohne Gitarre auf. Es ging in seiner Textcollage um den schönen Sigismund. Denn was war schon Woodstock (oder Wutstock?). Mir in Holzhausen heißen genauso und hob’n des jedes Jahr, z.B. den Fredi mit sei Dschingis-Khan-Kombo. Da kann die Tante am Telefon über das Akademikergsindl schimpfen (Das ist wie ein Virus, so ein Titel!), anstatt sich mit ihrer Sabine über die Promotion zu freuen. Denn sie selber konnte aufgrund von „proletaris generitis“ leider nicht studieren. Da muß die Frau Bachelor im Fernsehstudio dann die Frage beantworten, was der Sigismund dafür kann.

Auch WALTER EGON kam zu einem zweiten Auftritt. Er versuchte, das Publikum zu einem Mitmachlied zu animieren. Ein Chor und „special effects“ (ein schreiendes Baby, das legendäre Zitat „Houston, wir haben ein Problem!“ und ein engelhaftes Hallelujah wären verlangt gewesen) sollten seine Begleitung sein. Leider setzten die meisten Mitwirkenden (eher an die siebenfache Wiederholung des Refrains denkend) an der falschen Stelle ein. Nichtsdestotrotz wurde das Lied zu einem erfolgreichen Ende gebracht. Es ging übrigens um Keinen für Renate – und das von der Geburtsklinik bis zum Himmel. Das Publikum verlangte nach Zugaben, es folgten zwei englischsprachige, wovon der Satz „We bring joy“ aus der ersten sehr prägend war.

Spontan verlangten daraufhin Teile des Publikums eine Zugabe von STEFAN PETER. Diese wurde ihm natürlich gewährt. Die Selbstmordberatung Toni war am Apparat. Am anderen Ende der Leitung Menschen, die ihren Selbstmord nicht schafften (selbst ein Mafia-Pate befand sich darunter). Weil der Strick beim Erhängen gerissen war (da wäre die Stricklänge und –dicke schon von Bedeutung) und das Fenster beim Raussturzwunsch verschlossen. Und am in der Garage entzündeten Benzin verreckte bloß die Schwiegermutter. Ach, wie gut, daß es das AMS gibt, das Jobs im Callcenter der Selbstmordberatung Toni anbietet...  

Das Omega der zweiten Hälfte und somit des Abends bildete ANDI PIANKA. „Ich möchte schreiben“ war das Thema dieses sehr persönlichen und von ihm sonst sehr selten gelesenen Textes, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft behandelte. Den Abschluß bildeten einige selbst erfundene und erdichtete Bauernregeln.

Es war wieder einmal ein literarisch (und musikalisch) hochqualitativer Abend in sehr netter Stimmung und Atmosphäre. Das nächste Mal sehen wir uns hoffentlich wieder am 17. Dezember.