Mittwoch, 22. Oktober 2014

Kläffende Mikros beißen nicht...



(melamar & Andi Pianka)



Wie schon im September gastierte das farce vivendi open mic auch im Oktober wieder im Spektakel (und wird das auch die nächsten Male tun). Einige verspätete Teilnehmende und Zuschauende noch abwartend (an dieser Stelle eine allgemeine Bitte um etwas mehr Berücksichtigung der 20:00-Beginnzeit, wobei es natürlich nach wie vor möglich sein wird, später zu erscheinen, wenn wer wirklich nicht früher da sein kann), ging es nach ca. eineinhalb akademischen Vierteln endlich in medias res.
(se crowd)

(melamar)
Die zum Los-Zwecke in die Höhe geworfene slowenische 1-Euro-Münze (auf deren Rückseite sich nicht etwa ein Urgroßvater der Co-Moderatorin befand, sondern mit Primož Trubar (1508-1586) der Verfasser des ersten slowenischsprachigen Buches, womit ein passender Zusammenhang mit dem fv open mic gegeben wäre) fiel auf Zahl, somit übernahm zum zweiten Mal in Folge (Überraschungen gibt’s!) MELAMAR die Rolle der Eisbrecherin. Sie entwarf ein Manifest für eine Poesie der Befreiung, welches den Keim seiner Umsetzung bereits in sich trägt. Poetik und Poesie sind eins. Poesie ist die Musik der Poeten. Schreiben ist für alle da.

(Andi Pianka, sich auf die Suche nach einer Glücksfee machend & melamar)


(Thomas Mayer)


 Noch überraschendererweise wurde auch bei der Startnummer 1 exakt derselbe Autor gezogen wie schon im September, nämlich THOMAS MAYER. Er las wieder Texte aus seinen beiden (auch am Büchertisch aufgelegten) Gedichtbänden, diesmal drei an der Zahl. Im ersten beendete ein Zahnarzt Bastians Krieg hinter den Wangen, indem er den Übeltäter entfernt, im zweiten (Anm.: wem es gewidmet ist, bleibt an dieser Stelle auf Wunsch des Autors unerwähnt) war ein kläffender Vierbeiner die Hauptfigur und im dritten wurde die Beziehung mit Sabine zur feindseligen Routine.








(Rafael S.)

RAFAEL S., der erstmalig beim fv open mic auftrat, sang, sich dabei auf einer Gitarre begleitend: „Jaja, das Leben“. Er ging so dahin und fragte die gnädige Frau nach der Hamburgerstraße 14 (Anm.: was sich dort befindet, bleibt an dieser Stelle unerwähnt, wurde aber an einer anderen bereits verraten), wo er, nachdem er den Eingang um die Ecke gefunden hatte, sich nach ein paar Bieren fragte: Ist die Kunst Leben oder Leber? Nach der Aufforderung „Lebe lieber ungewöhnlich!“ (mit welcher das Lied ohnehin zu Ende war) revoltierte der Bühnen-Sound ein wenig. Nach einer kurzen Reparaturpause am Tonpult ging es aber schon bald...







(Georg Harlekin)

 ...mit dem fv-open-mic-Routinier und Triptychon-Spezialisten GEORG HARLEKIN weiter. Im Tanz der Worte (so hieß übrigens auch ein literarisch-musikalischer Abend, an dem G.H. einen Tag vorher auf derselben Bühne mitwirkte) rief ein Siebenschläfer „Tanzt! Tanzt! Tanzt!“. Dem folgte eine Notiz, die eine göttliche Pause nach dem irdischen Weg ankündigte. Schwarze Löcher (u.a. jenes in seinem Schuh) spielten da eine wichtige Rolle. Schließlich gab es eine Ode an die Farbe blau zu hören: Jede Wette, eure Träume sind kobaltblau, jede Wette! Und gibt es ein Leben nach blau?
(melamar & Andi Pianka)

(Stefan Peter)



STEFAN PETER versuchte sich daraufhin als Cover-Slammer (an sich möchten wir beim fv open mic eigene Texte hören, aber Ausnahmegenehmigungen sind unter besonderen Umständen durchaus möglich – der Text stammt von einem in der Ö-Slamily und im Cafe Anno nicht gänzlich unbekannten Radieschen-Züchter; mehr zu seiner Identität bleibt an dieser Stelle unerwähnt). Es ging um’s zum Himmel und drei Mal gegen den Wind stinken. „Meine Pickel drücke ich nicht aus, ich drücke mich durch meine Pickel aus“. Sein Parfum heißt Iltis und seine Hornhaut geht auf keine Kuhhaut.

(melamar & das arme Künstlerschwein)

(Wolf Morrison)


Nach einer nochmaligen kurzen kleinen Sound-Störung (es sollte aber glücklicherweise die letzte des Abends bleiben) stellte WOLF MORRISON sich und sein Keyboard auf (und das Moderationsduo den Lesetisch weg). Ein an eine Julia gerichteter Film-/Lovesong aus einem selbst gedrehten Film war das erste Lied. Dann durfte – wie schon letztes Mal im September – als Gaststar mit dem meisten Sex-Appeal wieder Doctor Mouse auf die Bühne. 



Nun war es Zeit für eine PAUSE.


(Andi Pianka)
 Nachdem das Publikum im Bar-Bereich seine letzten halben und allerletzten viertel Zigaretten ausgedämpft hatte und wieder zurückkam, kam ANDI PIANKA als zweiter Eisbrecher auf die Bühne. er versuchte, den Ersten Weltkrieg auf eine für die heutige Jugend möglichst verständliche Sprache zu erklären, nämlich als Event: Österreich-Ungarn hat die Veranstaltung erstellt. Österreich-Ungarn nimmt teil. Deutsches Reich gefällt das. Serbien nimmt teil. Russisches Reich gefällt das. Und so weiter...


(Christian Schreibmüller)

Weiter ging es mit einem wahren fv-open-mic-Urgestein, nämlich dem mutmaßlich bislang häufigsten Teilnehmer, CHRISTIAN „SCHREIBI“ SCHREIBMÜLLER, der über ein älteres Paar dichtete. Sie schimpften sich Schatzerl, Mauserl, Herzerl. Doch: Was is denn jetzt, Oida? Nie hätt i gedacht, dass der so wird. Früher Sex und Rock’n’Roll, heut hat er die Hosen voll. Nur kurz bist jung und ewig alt.




(Elffriede Haass-Ehrenfeld)
Erstmals mit dabei war hingegen ELFRIEDE HAASS-EHRENFELD, die auf’s Mikrophon verzichtete und ihren (Licht-)Text in einer schauspielerischen Performance darbrachte. Sie stellte Fragen („Wo nix is, kann da was sein?“), griff hinaus ins Universum und kam drauf: Es ist die Einsicht! Es sind die Augen! Und als sie stand, wo sie noch nie war, meinte sie: I steh, i steh und bleib. Dies war allerdings nicht als Weigerung gemeint, die Bühne zu verlassen, somit...


(Andrea)
...wurde sogleich die nächste Teilnehmerin gezogen, welche aufgrund ihres Spontanwunsches nach einem Auftritt überhaupt erst einige Minuten vorher ins Los-Sackerl gekommen war, nämlich ANDREA. Sie coverte (ebenfalls Mikro-los, mitsamt spontan ausgeborgter Gitarre) den Song „Strong“ von London Grammar: Excuse me for a while, while I’m wide eyed and so damn caught in the middle. Das sich eine Zugabe wünschende Publikum wurde von ihr auf das nächste fv open mic vertröstet. Also an alle: nächstes Mal wieder kommen...


(Angela)



...so wie ANGELA (laut Selbstbeschreibung „im Leben Proletin, im Geiste Poetin“), die im September das erste Mal dabei war und eben diesmal wieder kam, um dem Rapper Curse eine Fanpost zu schicken: Seit der Arena steh ich auf dich ganz und gar...Curse, du bist mein Lieblingsfluch, legst über Babylon dein Leinentuch! Auch Xavier Naidoo kam am Ende dieser Fanpost vor, ehe dieser ein zweiter Text folgte: Begräbnis – das ist mir zu teuer. Sterben kann ich mir nicht leisten, ich verzichte drauf! Auch zahlreiche Schmerz-Arten fanden darin Erwähnung.







(Mike)
Den Schlusspunkt dieser von den meisten Auftretenden ohne Mikro (aber gut hörbar) gestalteten zweiten Hälfte bildete MIKE. Sein erstes, englischsprachiges Lied nannte er „Chance“. We should choose! Es ging u.a. um „truths & lies“. Dem folgte ein instrumentales “Extro” (Wortschöpfung eines Zuschauers, welcher anschließend zum Thema verstimmte Gitarren auch noch den Satz des Tages “Wir san alle verstimmt!” kreierte). Die Welt is schee, die Richtung ist richtig, hieß es in einem zweiten Lied.
(der Autor dieser Zeilen, ebendiese verfassend)

Trotz einiger kleiner Sound-Pannen und eines recht späten Endes wirkte das Publikum sehr begeistert. Auf der Heimfahrt ließen sich der Autor dieser Zeilen und ein weiterer Auftretender des Abends von einem Nachtbusfahrer noch erklären, wie das mit den elektronischen Minuten-Anzeigen an Haltestellen so funktioniert. An Minuten bis zum nächsten fv open mic verbleiben jedenfalls noch ca. 40.000, wir sehen uns also am 18.November um 20:00 im Spektakel wieder (es darf aber ruhig schon ab 19:30 erschienen werden).















Mittwoch, 15. Oktober 2014

Wieder im Spektakel!

Achtung, wichtige Info: Auch diesmal (21.Oktober) sind wir, wie schon letztes Mal, nicht im Celeste, sondern zwei Häuser weiter im Spektakel (Hamburgerstraße 14)! Alles andere (Beginnzeit etc.) bleibt wie gehabt.

Mittwoch, 17. September 2014

Ein spektakuläres Spektakel im Spektakel



Das letzte (und gleichzeitig einzige) farce vivendi open mic dieses Sommers war auch das erste nach der Sommerpause. Trotz eines sehr kurzfristigen Ortswechsels vom Celeste ins nicht einmal eine Gehminute entfernte Spektakel war es ein überdurchschnittlich gut besuchtes.

Die Münze, die als Orakel zur Bestimmung des einleitenden Eis brechenden Auftritts diente, war diesmal sogar älter als so manche Urgroßeltern des Publikums, sie stammte nämlich aus dem Jahre 1861. Sie fiel auf Kopf, somit musste MELAMAR als Moderatorin von der Bühne, um sogleich samt Textblatt als Autorin wiederzukehren. Sie las einen ganz neuen Text über das Schreiben. Auf philosophische Fragen wie „Wozu schreiben?“ oder „Was ist schreiben?“ folgte eine ebenso philosophische Antwort: „Ich lese, also schreibe ich“. Außerdem meldete sich die innere Spottdrossel zu Wort, worauf eine Katze als Mediatorin einschreiten musste.

Als Startnummer 1 wurde ein fv-open-mic-Neuling gezogen. THOMAS MAYER las je ein Gedicht aus seinen beiden Gedichtbänden („GE-MENSCH-TEN“ und „Phantasönlich“), die auch am Büchertisch auflagen. Im ersten ging es zurück in die Pubertät und das erste Schamhaar: Was wuchs denn da, oh wunderbar, jetzt bin ich richtig männlich. Nur für das alte Herz der streng gläubigen Mutti war das zu viel: Du Ferkel! Auch das zweite Gedicht drehte sich um ein körperbezogenes Thema, nämlich Blähungen: Wind-Verkehr so schwer.

Auf ihn folgte mit MIKE ein schon mehrfacher fv-open-mic-Teilnehmer, der wieder einmal mitsamt Gitarre auf die Bühne kam. Seine instrumentale Darbietung untermalte er hin und wieder mit einzelnen kurzen Sprecheinlagen, die den eigenen Auftritt betrafen und mitkommentierten.

Erstmals mit dabei war ANGELA, die Ehen als vom Aussterben bedroht ansah. Dabei wäre Vermählung ganz einfach: „Ich mailte ihm, schon sind wir vermailt“. Der Text sprang dann thematisch über die Jugend (Kopferbrechen in Mathe und „was andere tragen, war mehr Loch als Stoff“) bis hin zur Politik, für deren Dachschäden es eine Haftpflichtversicherung geben sollte.

Mit STEFAN PETER kam wiederum einer unserer häufigsten Auftretenden an die Reihe. Von ihm gab es zunächst einen Sketch-Dialog zu hören, in dem der AMS-Betreuer den Namen seines Gegenüber nicht aussprechen konnte und deswegen der Meinung war, sich mit ihm in gebrochenem Deutsch unterhalten zu müssen, damit ihn dieser verstehe (die Pointe wird an dieser Stelle nicht verraten). Auch der zweite Dialog betraf das Thema Arbeitssuche, diesmal war es ein Bewerbungsgespräch bei einem Esoterikklub, der einen sensitiven Gärtner suchte.

Musikalisch ging es mit WOLF MORRISON weiter, der neben seinem Keyboard auch noch einen prominenten Stargast auf die Bühne mitbrachte, nämlich Doctor Mouse, den ultimativen „Mr. Sex Appeal“, der in Sachen Sex-Appeal auch sämtliche Hollywood- & Musik-Stars von Brad Pitt über Britney Spears bis Sharon Stone übertraf. Nach diesem englischsprachigen Hit sang er dann in einem deutschsprachiges Lied davon, was es heißt zu leben.

Literarisch und musikalisch beendete wALTEREGOn die erste Hälfte. Er begann mit einem erotischen Liebestext über „Sie und Du und Ich“. Es ging um ansehen, betasten, riechen, fühlen und um vier Zahnreihen, die das zarte Fleisch zerteilen. Und die Bibel hat doch nicht recht – es waren sicher die Erdbeeren! Diesem Text folgte ein Lied über’s Leinen loslassen und Segel setzen. In dieser Stadt warst du doch noch nie zuhaus.

Danach wurde gemütlich pausiert.

Als Eisbrecher der zweiten Hälfte fungierte die zweite Hälfte des Moderationsduos, nämlich ANDI PIANKA. Er ging in seinem Text auf gewisse innenpolitische Ereignisse dieses Sommers ein, nämlich den kafkaesken Prozess gegen einen DÄMON-stranten, der es wagte, gegen den akademisierten WKR-Ball auf die Straße zu gehen. Und als der ihn belastende Polizist den Zeugenstand verließ, fuhr er dann mitsamt Panzer und 1700 KollegInnen zum kollegialen Pizza bestellen.  

GEORG HARLEKIN, derzeit allerregelmäßigster Teilnehmer an unserer Veranstaltung, war in seinem ersten Gedicht mit solcher Freude er selbst. Im zweiten Gedicht ging es um das Wachs auf seinem durchwachsenen Weg: Wachs ist knetbar und polierbar, somit manipulierbar. Im dritten, gesellschaftskritischen, Gedicht, in dem Jungefernscharen zum Liebe und Frieden machen aufrufen, war Gott am Ende irgendwie fad. Schließlich ein viertes, minimalistisches: Ich scherze nicht, ich herze dich.

Der mutmaßliche Rekordhalter an fv-open-mic-Teilnahmen seit Beginn (2007) ist CHRISTIAN „SCHREIBI“ SCHREIBMÜLLER. Er begann mit einem ernsten Text über Papa Tränengas und Mama Handgranate, deren wenigste Feinde schließlich erschießlich sind. Nach Opa Scharfschützgewehr („Granaten sind doch für Katakomben“) melden sich auch noch Kobaltbombe Clementine und Wasserstoffbombe Ruth zu Wort. Es ist alles eine Frage der Dosis. Im zweiten Text sprach der Wirtshausdichter, also der Herr Promillpoet. Da wurde Don Carlos zum Herrn Karl und Gräfin Ebola war keine Seuche zum Tod.

Extra aus Frankreich angereist kam JACQUELINE, die anfangs „très nerveuse“ war, dann aber doch sehr selbstsicher ein französisches Gedicht über das Leben („La vie“) vortrug. Dieses bestand u.a. aus Croissants, Baguettes, Camembert und viel Pastis. L’état c’est moi! Wie der Zufall es so wollte, wurde gleich nach ihr JOPA ausgelost, welcher in völliger Spontaneität dieses französische Gedicht simultan-zeitversetzt ins Deutsche übersetzte: Leben, Leben lang Brot Kipferl. Kam ein Bär. Rosa Rotwein passt schon. Die Azur kotzt.

Der schließlich letzte Auftretende des Abends war dann auch wieder ein schon häufiger Teilnehmer unserer Veranstaltungsreihe, nämlich WOLFGANG E. EIGENSINN. Zuerst forderte er das Publikum auf, bis 64 zu zählen, danach setzte es von ihm Ding Dong („Ist da jemand?“), Ping Pong und (Steve’s Freund, good old mister monster) King Kong. Damit ging nach 11+2 Auftretenden das 45. farce vivendi open mic zu Ende.

Die Premiere im Spektakel war ein sehenswertes Spektakel mit hochqualitativen Darbietungen. Dennoch wird das nächste fv open mic (Di, 21.Oktober) voraussichtlich wieder am üblichen Ort, nämlich zwei Häuser weiter westlich im Celeste stattfinden. Doch vielleicht wird uns in einigen Monaten der Westwind auch wieder ins Spektakel wehen...

Mittwoch, 3. September 2014

Nach der Sommerpause...

...geht es am Di, 16. September weiter (Einlass 19:30, Beginn 20:00). Nach wie vor im Celeste, aber diesmal nicht unten im Keller, sondern oben im Club. Zum nunmehr bereits 25. Mal in der Moderations-Konstellation melamar & Andi Pianka. Kommet zahlreich, selbst wenn ihr zahlarm seid (denn der Eintritt und seine Lehre sind bei uns frei)!

Achtung: Das heutige Open Mic ist kurzfristig ins Spektakel verlegt worden (2 Häuser weiter, Hamburgerstraße 14)!!!

Dienstag, 17. Juni 2014

Ein fv open mic zwischen Bus-Bim-Slam & Fußball-WM



Das 44. FARCE VIVENDI OPEN MIC, welches gleichzeitig das letzte der Saison 2013/14 war, brachte trotz vorangegangenen Bus-Bim-Slam #17, des gleichzeitig stattfindenden Fußball-WM-Spiels Brasilien – Mexiko und eines zum eher draußen sitzen animierenden Wetters eine große Anzahl an auftrittswilligen Menschen. Insgesamt war’s die zweithöchste Teilnehmendenzahl dieser Saison. Doch der Reihe nach...

Wundersamerweise sprach sich die Losmünze diesmal für MELAMAR als erste Eisbrecherin aus. Sie ist neuerdings Mitglied einer (fiktiven und doch höchst realen) Gedanken-Gang, die niemals auf den Gedankenstrich geht.

Und nun wurden statt des Münzwurfs Namenskärtchen gezogen. Als Erste las ADRIANA einen spanischsprachigen Text über die Liebe. MARLIES THUSWALD brachte es auf gar vier Gedichte, die thematisch von Sprache über Mathematik bis hin zu iPoems und Pieptönen reichten. PASCAL OPTIONAL erzählte dann über das Einzelgängertum des Schwertfisches Hermann, der seine gesamte Umgebung auffrißt. WOLF MORRISON erinnerte an die vor ein paar Tagen verstorbene Radiolegende Casey Kasem und sang einen Megagigagaga-Hit, gefolgt von einem Liebeslied. THOMAS brachte erst eine Kirschtragödie und dann einen Mitmachtext mit norwegischem Titel. Als letzter Auftretender vor der Pause ging LEO im Wienerwald spazieren, wo bei einem Gasthaus ein Vogel bzw. Zwutschkerl vom Himmel herunterfiel.

Dann war Pause.

Die zweite Hälfte wurde von ANDI PIANKA als zweitem Eisbrecher eröffnet. Er las u.a. über eine begegnung des Kleinen Prinzen mit einem "Lederjackentypen". Es folgte STEFAN PETER mit seinem Schnitzelkarma, in dem die Schnitzelfeuerpolizei die schnitzelfreien Tage überwacht. LORE MURBACHER begann mit zwei kleinen Weisheiten, ehe sie die Pubertären von heute auf’s Korn nahm. BRENT ORMAN spielte (rein instrumental) erst einen Blues-Song und dann das weltberühmte „Killing me softly“. ANDI LUF trug (passend zur Fußball-WM) einen Text vor, der sich kritisch mit einigen Entwicklungen des Profifußballs befaßte. RHONDA appellierte, Menschen als Individuen zu begreifen und nicht bloß anhand ihres körperlichen Geschlechts. JOHNNY GANGSTER trug kurze Artikel aus einer nicht erscheinenden Zeitschrift vor. Das 44. fv open mic beendete schließlich KURT mit einem Text u.a. über Perspektive und Freiheit sowie dem wohl kürzesten Auftritt des Abends.

Kurz vor 23 Uhr war somit der Auftrittsteil zu Ende. Kurz vor Mitternacht (als ein Teil des Moderationsduos bereits auf dem Heimweg war) erschienen noch zwei Teilnehmer des vorangegangenen Bus-Bim-Slam #17 im irrtümlichen Glauben, das fv open mic würde noch andauern. Auftreten konnten sie nicht mehr, so schauten sie sich im Celeste gemeinsam mit dem Autor dieser Zeilen das mitternächtliche WM-Match Russland – Südkorea an und fuhren dann nach Hause...

So, das war’s für diese Saison. Der diesmal etwas kürzere und etwas verspätet erschienene Nachbericht hat seine Mitursache in den Bus-Bim-Slams, zu denen auch der Autor dieser Zeilen zwei Berichte beisteuerte, die hier nachzulesen und mit Fotos von melamar (sowie deren Helferleins Schreibi und Simon Tomaz) untermalt sind:

Nun machen wir Sommerpause und sehen uns hoffentlich im September wieder!


Dienstag, 20. Mai 2014

Ein genußvoller Abend mit Buffet, Tango Argentino und Gitarreklängen

Trotz harter Konkurrenz (das zum draußen Sitzen animierende Frühsommerwetter einerseits und ein zeitgleich stattfindender kaiserlicher und königlicher Poetry Slam im Weltmuseum andererseits) war das 43. FARCE VIVENDI OPEN MIC gut besucht. Wieder einmal gab es einen bunten Mix aus StammgästInnen und NewcomerInnen zu erleben. Doch der Reihe nach:

Wer vom Moderationsduo per Münzwurf die Rolle des ersten Eisbrechers zugelost bekam, darf der Stammleserschaft dieses Blogs wohl als bekannt vorausgesetzt werden. Natürlich war es – wie so gut wie immer – wieder mal ANDI PIANKA. Er brachte eine mit „Im Wandel der Zeitalter“ betitelte (nicht ganz unpolitische) Hommage an Christoph Ransmayrs Roman „Die letzte Welt“, in der auch weitere mythologische Anspielungen und diverse Songzitate vorkamen.

Die eigentliche Startnummer 1 war dann MIKE. Er und seine Gitarre spielten ein gesangloses, rein instrumentales Musikstück (es sollte nicht das letzte des Abends bleiben), was dem sonst immer brav Mitschrift führenden Autor der fv-open-mic-Nachberichte ein paar gemütliche Minuten des zur Abwechslung mal nicht Mitschreibens von Textzitaten bescherte :-)  Dem Publikum gefiel Mikes Darbietung und es setzte großen Applaus.

Ihm folgte THOMAS – im Unterschied zum April diesmal „nur“ einsprachig unterwegs. In einem mit „Rotweinflecken“ betitelten (Slam-)Text referierte er über Dinge, die er nicht mag – von Siamkatzen und Randalierern über schlechte Überleitungen und seltsame Marienerscheinungen bis hin zum McDonald’s-Salat. „Ich schweife ab – schweife wie ein Komet“ und „so viele Nächte, in jeder Woche circa sieben“ blieben u.a. als prägende Textpassagen hängen, genauso wie eine „sinnlos-sinnliche Sexextase“.

MARLIES THUSWALD (übrigens geladene Teilnehmerin beim Bus-Bim-Slam #19) las zwei Texte. Im ersten ging es um die Lebendigkeit des Lebens und um die Sprache. „Die Händlerin für Lebenszeit verhandelt nicht“. „Sprache ist Musik, die Gezeiten verschiebt“. „Bloß Liebe ist nicht. Liebe liebt.“ Der zweite Text forderte zum Augen aufmachen auf. „Es ist wahr, du bist nicht blind“ und „Alles, was du tust, hat Gewicht“ sowie „Und Schweigen ist auch ein Statement“. Statt eines Gedicht-Endes hieß der letzte Satz: „Wir haben übersehen, daß das Gedicht hier abbricht.“

Wie schon erwähnt, gab es an diesem Abend noch einen zweiten rein instrumentalen Auftritt, diesmal war es Newcomer BRENT mit seiner Gitarre – sogar mit zwei Stücken. Einem „Old fashion lovesong“ folgte „ein langsames Lied“. Auch hier gestaltet sich die Textwiedergabe für den Autor dieser Zeilen relativ schwierig (und für die Notenwiedergabe der Töne fehlt ihm das perfekte musikalische Gehör) ;-)  Es sei allerdings hinzugefügt, daß auch jener Auftritt dem Publikum gefiel.

Der nächste Auftritt gehörte nicht nur der üblichen Pause, sondern einem Überraschungsbuffet (Großer Dank an Valie dafür!). Wer nicht da war, hat also nicht nur großartige Darbietungen, sondern auch kulinarische Genüsse verpaßt.

Die Eisbrecherin der zweiten Hälfte war logischerweise MELAMAR, die in ihrer Muttersprache, nämlich dem Lavanttaler Kärntnerisch (welches oft mit dem Steirischen verwechselt wird), las. „Woas i noch?“, hieß es da öfter. Das Thema war eine Rückschau in die Vergangenheit, als im Wald die Vögel „g’zwutschkert“ und „Würmla geklaubt“ haben. „Woas i noch, wies Brot grochn hot? (...) Wie die Kuh gekälbert hat?“  Der Pfarrer und der Schnaps durften in diesen Erinnerungen ebenfalls nicht fehlen.

Ihr folgte JASMIN (die auch wieder bei einigen Bus-Bim-Slams mit von der Partie sein wird) mit einem aus einer früher verfaßten Einführung und einer später verfaßten Weiterführung bestehenden Text. „Die Welt tickt nicht so, wie du denkst“ und „Der Körper bewegt sich – rund unrund“ hieß es etwa in der Einführung. Die Weiterführung begann mit der Ansicht, daß der berühmte Glas-Gegensatz halbvoll/halbleer längst überholt sei, und zählte im weiteren Verlauf verschiedene „U-Bahn-Typen“ auf. „Pessimisten braucht man ja“. Es ging in der Ein- und Weiterführung um das Leben an sich bzw. das Leben der Autorin im Konkreten.

Der Nächste von einer Glücksfee Gezogene war dann RONNI (der bereits zu „Feile“-Zeiten beim fv open mic mehrmals mit dabei war), für dessen ersten Text ein persönliches botanisches Aha-Erlebnis mit einem sehr großen Löwenzahn auf den Kanarischen Inseln sowie eine Fernsehsendung über die Galapagos-Inseln die Inspirationen waren. „Löwenzahnwald Galapagos, hast mich einiges gelehrt: Puste, Blume!“ Im zweiten Text „sind wir dreisam gesessen“. Liebeskörper, Seelen gespürt und am Ende ein Wiedersehenswunsch.

YVONNE, das erste Mal beim fv open mic, hatte sich noch spontan in der Pause angemeldet. Sie schöpfte, ähnlich wie Ronni, die ca. fünf Minuten nicht vollständig aus und las ein kurzes Spoken-Word-Gedicht, das sich mit ihrer mehrjährigen Beziehung befaßte. „Dieses Nichtsgefühl, schön mit Nichts eingefettet“, „Meine Bittgebete haben nichts gebracht“ und der Erkenntnis am Schluß: „Nichts hat nun mal nichts“. Wir hoffen, Yvonne (und auch alle anderen NewcomerInnen) beim fv open mic demnächst mal wiederzusehen.

VERONICA, ebenfalls erstmals dabei, erhöhte nicht nur die Argentinien-Quote, sondern sang vor allem auch einen Tango, in dem es um Liebe, Traurigkeit und Einsamkeit ging. „Cruel amor, preocupación, nostalgia (...) No poder vivir desde la triste soledad (...) Noche triste sin estrellas, fracasos del amor (...) Hablará de su amor. Triste soledad“. Nachdem sich das Publikum noch eine Zugabe wünschte, folgte ein Lied in der Sprache der Toba, eines indigenen Volkes in Argentinien.

(Danke übrigens an dieser Stelle an Jasmin, die bei Veronicas erstem Lied anstatt des des Spanischen unkundigen Autors dieser Zeilen die Mitschrift übernahm)

BENJAMIN SCHWEJDA stieß zuallererst versehentlich eine Gitarre um und nützte die Gelegenheit gleich spontan für ein instrumentales Intro. Dem folgte die Begrüßung: „Guten Abend, Cheers!“ Und war damit bereits im ersten Text mittendrin, in dem es u.a. hieß: „I drink like a rider“. Der zweite Text handelte von virtueller Kommunikation. „Get up, stand up, look up! (...) Hauptsache, Kommunikation“. Schließlich im dritten Text „Sie lud mich ein und ich kam mit“. Benjamins Wunsch, die Texte mittels unterschiedlicher Applausstärke untereinander zu bewerten, dürfte wohl zu einer Art Ex-aequo-Sieg aller drei geführt haben.

Den Abend beendete unser treuester Stammgast der letzten Zeit (seit Juni 2013 ausnahmslos bei jedem fv open mic dabei gewesen), nämlich GEORG HARLEKIN, wieder mit Kurzgedichten (diesmal entgegen seiner Tradition nicht 3, sondern gar 4 an der Zahl). Um den Erdbeermund ging es in den ersten beiden (im ersten mit dem Geruch von Mandelhonig und Olivenöl, im zweiten mit dem Apfel kombiniert). Das dritte Gedicht: „Erstaunlich, Mensch, du bist so endlich!“ Und im vierten war das Karussell des Lebens das Thema. „Reset: Zurück zum Ursprung“ (Georg Harlekin wird übrigens auch beim Bus-Bim-Slam #22 als geladener Teilnehmer mit dabei sein).

Danach folgte noch gemütliches Plaudern, Trinken etc.

[Anmerkung in eigener Sache: Die Orthographie der zitierten Textpassagen entspricht dem Gefühl des Autors dieser Zeilen und muß nicht immer mit der Original-Orthographie des jeweiligen Textes übereinstimmen. Das bezieht sich nicht nur auf Dialekttexte – siehe melamar – sondern auch z.B. auf des Autors dieser Zeilen Vorliebe für die ss/ß-Schreibung von vor der letzten großen Rechtschreibreform. Anmerkung Ende] ;-)

Wir sehen uns dann im Juni hoffentlich dreifach wieder. Denn neben dem nächsten regulären fv-open-mic-Termin am 17. Juni moderieren MELAMAR und ANDI PIANKA gemeinsam noch 2 der 23 BUS-BIM-SLAMS, nämlich #19 am 19.Juni und #22 am 22.Juni. Bis spätestens dann!

Mittwoch, 16. April 2014

...war's, der (Voll)Mond schien helle...



Vollmond war’s, kalt/regnerisch war’s (draußen), FARCE VIVENDI OPEN MIC war’s (drinnen) und schön war’s wieder mal.

Es begann mit einem Wunder: Die, um die eisbrechende opferlämmerische Person zu ermitteln, geworfene Münze fiel auf Zahl – und das bedeutete in diesem Fall nicht auf den „üblichen Verdächtigen“, sondern auf MELAMAR.  Ihr Text beschäftigte sich mit dem Thema Zorn. Das ist die Wut, die den Reim auf „gut“ loswerden will. Rage, rage against. Fukushima („hinter 1500 Brennstäben bald keine Welt mehr“ – Anm.: Es sollte nicht die letzte Zitierung dieses Rilke-Verses an dem Abend bleiben) oder Frauenunterdrückung waren u.a. Themen, um die es ging. Braucht es nicht ein klein wenig Zorn gegen das Unrecht? Ich atme ein...Ich atme aus...

Startnummer 1 wurde diesmal nicht gelost, sondern auf persönliche Bitte hin vergeben, da GEORG HARLEKIN nachher gleich noch zu einer Osterkonzert-Probe mußte. Zuvor erfreute er uns 1.) mit einem Würfel-Gedicht (Die Zeit im Zeitraffer dahin...Ich bin Georg Harlekin...das spielende Kind in vollendeter Komposition...), in dem u.a. auch die göttliche Nirvanagasse vorkam, in die er sich hineinfallen läßt, 2.) mit einem Ketten-Gedicht, in dem unter all den Ratten eine auftaucht, die fragt: „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe?“, sowie 3.) mit einem Danke-Gedicht für’s einfach Sein („Als Stern – das bin ich besonders gern“).

WOLF MORRISON war diesmal für vermutlich längere Zeit das letzte Mal beim fv open mic, da er derzeit berufliche Pläne verfolgt, die sich in nächster Zukunft kaum damit vereinbaren lassen werden. Zu diesem besonderen Abschiedsanlaß war (statt einer Gitarre wie üblich) diesmal ein grooviges Keyboard sein mitgebrachtes Instrument. Er begann mit einem „Klassiker“ von ihm, nämlich einem Lied über seinen unbequemen Kampf gegen die Dummheit in Stadt und Land („I hab an Panzer aus Gußeisen“) und folgte/endete mit dem S.E.X., aus dem „heit leider nix“ wird, na. Denn: „I bin scho total fertig, kaputt, Error – doch machst so an Terror“.

Auf diese beiden „Stammgäste“ des fv open mic folgte ein Debütant, nämlich STEFAN LESSMANN. Laut eigener Aussage unvorbereitet, da vorher im Kino gewesen, präsentierte er uns zuerst eine 1-Satz-Kurzgeschichte über die Rückspultaste und anschließend eine längere Kurzgeschichte namens „No milk today“ über einen gewissen Martin, dem am Bahnhof von einem anderen Mann am Klo ein „Glas Milch“ angeboten wird. Nach Hause zurückgekommen, schläft er vor dem Fernseher ein und träumt von Kindern, Milch, einem Storch, der nach dem ablegen eines Babies verbrennt usw. – bis dann der Wecker läutet...

Nicht nur den kürzesten Namen des Abends, sondern auch den kürzesten Auftritt hatte KURT, die mit ihrem wieder einmal beeindruckenden Lesetempo dem Schreiber dieser Zeilen das Mitschreiben nicht grad leicht macht (wobei der Schreiber dieser Zeilen ja oftmals durchaus ein ähnliches Lesetempo einlegt) ;-)  Es ging in ihrem Text wieder einmal um Fragen, die sich das Ich über sich selber stellt: Das läuft doch eh von selbst...Neben mir...Außer mir...Was läuft durch?...Das bin ich nicht...Bin ich Ich?...Was wichtig ist, bleibt draußen...

Die erste Hälfte beendete noch ein fv-open-mic-Debütant, nämlich KILIAN JÖRG. Anfangs konnte er sich zwischen Prosa und Gedichten nicht so recht entscheiden, fing dann doch mit Prosa an. „À dieu“ hieß der Text. In der Topographie seiner Lebens- und Leidensgeschichte kam u.a. zwischen Insektenhierarchien und Kleedschungel ein Marienkäfer vor. Es war oder (wie man auf französisch sagt:) es machte heute schönes Wetter. Aufgrund einer spontanen Unwillensbekundung des Autors, den Text zu Ende zu lesen, gab es doch noch auch drei (englischsprachige) Gedichte zu hören, u.a. als zweites eines über den „Lizard from the sea“ und die „Unfinished revolution“. Berlin und Zorn bildeten die Themen des ersten und dritten Gedichts.

Pause war’s. Und schön war’s.

ANDI PIANKA begann die zweite Hälfte. Ein politischer Text (erschienen im Radieschen #24) war sein Beitrag. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn wer Mensch ist, glänzt kunterbunt, somit heller als jeder Zynismuszipfel-gipfelige geh-acht-gib-acht-summit. Die Märkte sado, die Menschen maso. (Und, ohne sich mit melamar davor abgesprochen zu haben, gab es zufälligerweise auch in seinem Text eine Zitierung des selben Rilke-Verses – bei ihm in der Version:) Denn uns ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter ihnen keine Welt, keinen Weltrekord, keinen gordischen Knoten...

Es ging weiter mit BENJAMIN, der sogleich Guten Abend sowie Feierabend wünschte und sich in weiterer Folge während des Auftritts seines Sakkos und seiner Krawatte entledigte (gegen Ende hin auch seines weißen Hemdes). In seinem Text kam häufig der Vollmond vor. Der Sommer war Winter – April, April...Ich trank auf euch – und auf die Freiheit...Ikarus wird er nicht sein, denn die Flügel sind nur Schein...Der Mond steht über Wien...morgens im Puff – wieder eine Nacht im Vollmond...ob sie mich beschiß, wissen nur die Sterne...

Die Ersten werden die Letzten sein – dieser Satz trifft’s gut, denn just jene drei AutorInnen, die bereits allesamt vor 19:30 da waren, wurden als die letzten drei gezogen. Den Anfang dieses Trios bildete ein schon seit sehr langer Zeit nicht mehr bei fv open mic dagewesener, nämlich NOAH HUBER. In englischer Sprache brachte er einen Text über Beobachtungen und Erlebnisse – u.a. über Kinder beim Sushi, „The day is drenched“, ein „early arrival“ bei Andy („she smiles finely“) und nochmals Kinder: „Two girls walkin’ alone up the Wienzeile“, wovon die eine (no doubt!) eine „destination“ hatte. Eine kurze Gesangseinlage gab es in dem Text auch.

Zwei Texte gab es von MARLIES THUSWALD zu hören. Den Anfang bildete die (kürzere) „Wir-Statistik“ mit vielen mathematischen Anspielungen („Wir sind die beiden Konstanten in einem Chaos aus Variablen“...“In allen Tabellen korrelieren wir“), dann folgte der längere Text, der allen Menschen gewidmet war, die einen Kopf haben: „Ich habe einen Kopf, also denke, also bin ich“. Doch in der „Sicherheit des Brombeergestrüpps, wo du wartest“ verlor sie dann ihren Kopf. „Also fühle, also bin ich erst recht“. Dann kam aber die nächste Wendung, wo sie wieder einen Kopf hatte – „Also bin ich wieder allein“. Da heißt es nur mehr: „Rennen, rennen, rennen“.

Den Abschluß bildete der dritte fv-open-mic-Debütant des Abends. THOMAS las nicht nur das Gedicht „Molnet“ des schwedischen Dichters Erik Johan Stagnelius („Vad är vårt liv? Ett moln som flyktigt simmar / kring rymderna på Ödets kalla ilar......“), sondern auch seine eigenen Übersetzungen dieses Gedichts ins Litauische, Spanische, Englische und Deutsche. Auf Deutsch heißt das Gedicht „Die Wolke“: Eine Wolke, das ist unser Leben...Der Mond schläft hinter tausend grauen Schatten...Donnerschlag! Damit wurde wohl neuer fv-open-mic-Rekord erzielt: 5 verschiedene Sprachen in ca. 5 Minuten – das hatten wir wohl noch nie.

Schön war’s, qualitätsvoll war’s, gut besucht war’s, Vollmond war’s.

Und wer gedacht hat, nach dem 42.(!) FARCE VIVENDI OPEN MIC wäre die von Douglas Adams gestellte Frage nach „life, the universe and everything“ auf immer und ewig beantwortet, hat sich geirrt. Es sind noch immer viele Fragen offen. Und so sehen wir nicht betroffen den Vorhang zu, sondern uns einander am 20.Mai wieder.