Mittwoch, 16. April 2014

...war's, der (Voll)Mond schien helle...



Vollmond war’s, kalt/regnerisch war’s (draußen), FARCE VIVENDI OPEN MIC war’s (drinnen) und schön war’s wieder mal.

Es begann mit einem Wunder: Die, um die eisbrechende opferlämmerische Person zu ermitteln, geworfene Münze fiel auf Zahl – und das bedeutete in diesem Fall nicht auf den „üblichen Verdächtigen“, sondern auf MELAMAR.  Ihr Text beschäftigte sich mit dem Thema Zorn. Das ist die Wut, die den Reim auf „gut“ loswerden will. Rage, rage against. Fukushima („hinter 1500 Brennstäben bald keine Welt mehr“ – Anm.: Es sollte nicht die letzte Zitierung dieses Rilke-Verses an dem Abend bleiben) oder Frauenunterdrückung waren u.a. Themen, um die es ging. Braucht es nicht ein klein wenig Zorn gegen das Unrecht? Ich atme ein...Ich atme aus...

Startnummer 1 wurde diesmal nicht gelost, sondern auf persönliche Bitte hin vergeben, da GEORG HARLEKIN nachher gleich noch zu einer Osterkonzert-Probe mußte. Zuvor erfreute er uns 1.) mit einem Würfel-Gedicht (Die Zeit im Zeitraffer dahin...Ich bin Georg Harlekin...das spielende Kind in vollendeter Komposition...), in dem u.a. auch die göttliche Nirvanagasse vorkam, in die er sich hineinfallen läßt, 2.) mit einem Ketten-Gedicht, in dem unter all den Ratten eine auftaucht, die fragt: „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe?“, sowie 3.) mit einem Danke-Gedicht für’s einfach Sein („Als Stern – das bin ich besonders gern“).

WOLF MORRISON war diesmal für vermutlich längere Zeit das letzte Mal beim fv open mic, da er derzeit berufliche Pläne verfolgt, die sich in nächster Zukunft kaum damit vereinbaren lassen werden. Zu diesem besonderen Abschiedsanlaß war (statt einer Gitarre wie üblich) diesmal ein grooviges Keyboard sein mitgebrachtes Instrument. Er begann mit einem „Klassiker“ von ihm, nämlich einem Lied über seinen unbequemen Kampf gegen die Dummheit in Stadt und Land („I hab an Panzer aus Gußeisen“) und folgte/endete mit dem S.E.X., aus dem „heit leider nix“ wird, na. Denn: „I bin scho total fertig, kaputt, Error – doch machst so an Terror“.

Auf diese beiden „Stammgäste“ des fv open mic folgte ein Debütant, nämlich STEFAN LESSMANN. Laut eigener Aussage unvorbereitet, da vorher im Kino gewesen, präsentierte er uns zuerst eine 1-Satz-Kurzgeschichte über die Rückspultaste und anschließend eine längere Kurzgeschichte namens „No milk today“ über einen gewissen Martin, dem am Bahnhof von einem anderen Mann am Klo ein „Glas Milch“ angeboten wird. Nach Hause zurückgekommen, schläft er vor dem Fernseher ein und träumt von Kindern, Milch, einem Storch, der nach dem ablegen eines Babies verbrennt usw. – bis dann der Wecker läutet...

Nicht nur den kürzesten Namen des Abends, sondern auch den kürzesten Auftritt hatte KURT, die mit ihrem wieder einmal beeindruckenden Lesetempo dem Schreiber dieser Zeilen das Mitschreiben nicht grad leicht macht (wobei der Schreiber dieser Zeilen ja oftmals durchaus ein ähnliches Lesetempo einlegt) ;-)  Es ging in ihrem Text wieder einmal um Fragen, die sich das Ich über sich selber stellt: Das läuft doch eh von selbst...Neben mir...Außer mir...Was läuft durch?...Das bin ich nicht...Bin ich Ich?...Was wichtig ist, bleibt draußen...

Die erste Hälfte beendete noch ein fv-open-mic-Debütant, nämlich KILIAN JÖRG. Anfangs konnte er sich zwischen Prosa und Gedichten nicht so recht entscheiden, fing dann doch mit Prosa an. „À dieu“ hieß der Text. In der Topographie seiner Lebens- und Leidensgeschichte kam u.a. zwischen Insektenhierarchien und Kleedschungel ein Marienkäfer vor. Es war oder (wie man auf französisch sagt:) es machte heute schönes Wetter. Aufgrund einer spontanen Unwillensbekundung des Autors, den Text zu Ende zu lesen, gab es doch noch auch drei (englischsprachige) Gedichte zu hören, u.a. als zweites eines über den „Lizard from the sea“ und die „Unfinished revolution“. Berlin und Zorn bildeten die Themen des ersten und dritten Gedichts.

Pause war’s. Und schön war’s.

ANDI PIANKA begann die zweite Hälfte. Ein politischer Text (erschienen im Radieschen #24) war sein Beitrag. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn wer Mensch ist, glänzt kunterbunt, somit heller als jeder Zynismuszipfel-gipfelige geh-acht-gib-acht-summit. Die Märkte sado, die Menschen maso. (Und, ohne sich mit melamar davor abgesprochen zu haben, gab es zufälligerweise auch in seinem Text eine Zitierung des selben Rilke-Verses – bei ihm in der Version:) Denn uns ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter ihnen keine Welt, keinen Weltrekord, keinen gordischen Knoten...

Es ging weiter mit BENJAMIN, der sogleich Guten Abend sowie Feierabend wünschte und sich in weiterer Folge während des Auftritts seines Sakkos und seiner Krawatte entledigte (gegen Ende hin auch seines weißen Hemdes). In seinem Text kam häufig der Vollmond vor. Der Sommer war Winter – April, April...Ich trank auf euch – und auf die Freiheit...Ikarus wird er nicht sein, denn die Flügel sind nur Schein...Der Mond steht über Wien...morgens im Puff – wieder eine Nacht im Vollmond...ob sie mich beschiß, wissen nur die Sterne...

Die Ersten werden die Letzten sein – dieser Satz trifft’s gut, denn just jene drei AutorInnen, die bereits allesamt vor 19:30 da waren, wurden als die letzten drei gezogen. Den Anfang dieses Trios bildete ein schon seit sehr langer Zeit nicht mehr bei fv open mic dagewesener, nämlich NOAH HUBER. In englischer Sprache brachte er einen Text über Beobachtungen und Erlebnisse – u.a. über Kinder beim Sushi, „The day is drenched“, ein „early arrival“ bei Andy („she smiles finely“) und nochmals Kinder: „Two girls walkin’ alone up the Wienzeile“, wovon die eine (no doubt!) eine „destination“ hatte. Eine kurze Gesangseinlage gab es in dem Text auch.

Zwei Texte gab es von MARLIES THUSWALD zu hören. Den Anfang bildete die (kürzere) „Wir-Statistik“ mit vielen mathematischen Anspielungen („Wir sind die beiden Konstanten in einem Chaos aus Variablen“...“In allen Tabellen korrelieren wir“), dann folgte der längere Text, der allen Menschen gewidmet war, die einen Kopf haben: „Ich habe einen Kopf, also denke, also bin ich“. Doch in der „Sicherheit des Brombeergestrüpps, wo du wartest“ verlor sie dann ihren Kopf. „Also fühle, also bin ich erst recht“. Dann kam aber die nächste Wendung, wo sie wieder einen Kopf hatte – „Also bin ich wieder allein“. Da heißt es nur mehr: „Rennen, rennen, rennen“.

Den Abschluß bildete der dritte fv-open-mic-Debütant des Abends. THOMAS las nicht nur das Gedicht „Molnet“ des schwedischen Dichters Erik Johan Stagnelius („Vad är vårt liv? Ett moln som flyktigt simmar / kring rymderna på Ödets kalla ilar......“), sondern auch seine eigenen Übersetzungen dieses Gedichts ins Litauische, Spanische, Englische und Deutsche. Auf Deutsch heißt das Gedicht „Die Wolke“: Eine Wolke, das ist unser Leben...Der Mond schläft hinter tausend grauen Schatten...Donnerschlag! Damit wurde wohl neuer fv-open-mic-Rekord erzielt: 5 verschiedene Sprachen in ca. 5 Minuten – das hatten wir wohl noch nie.

Schön war’s, qualitätsvoll war’s, gut besucht war’s, Vollmond war’s.

Und wer gedacht hat, nach dem 42.(!) FARCE VIVENDI OPEN MIC wäre die von Douglas Adams gestellte Frage nach „life, the universe and everything“ auf immer und ewig beantwortet, hat sich geirrt. Es sind noch immer viele Fragen offen. Und so sehen wir nicht betroffen den Vorhang zu, sondern uns einander am 20.Mai wieder.



Dienstag, 8. April 2014

LIEBES PUBLIKUM, WIR LIEBEN DICH!


soviel als antwort auf die frage, die - tatsächlich (!) - immer wieder auftaucht, ob man auch zum farce vivendi OPEN MIC kommen dürfe um "nur" zuzuhören...

SELBSTVERSTÄNDLICH IST PUBLIKUM WILLKOMMEN!

KEIN MENSCH WIRD AUF DIE BÜHNE GESCHUPST!

WIR FREUEN UNS ÜBER ALLE, DIE KOMMEN!

wir freuen uns dich / euch / Sie 
am di 15.4. 
um 20:00h 
im CELESTE-JAZZKELLER 
in der hamburgerstraße 18 
in 1050 wien 
begrüßen zu dürfen!


mit poetischen grüßen!

melamar

Mittwoch, 19. März 2014

Literarisch in den Frühling...



Nach dem Farce Vivendi Open Mic Nummer XL (nein, nicht X-Large, sondern die römische Schreibweise von 40) im Februar folgte nun im März (nein, nicht Nr. XXL, sondern) Nr. XLI. Und wie auch schon die letzten Male, so fanden sich auch diesmal wieder einige Personen das allererste Mal ein. Nicht das allererste Mal allerdings führten MELAMAR und ANDI PIANKA durch den Abend.

Auf wen die berühmte Eisbrechermünze diesmal fiel, braucht wohl nicht mehr dazugesagt werden. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung hat ANDI PIANKA nicht wirklich lieb (was in diesem Satz der Nominativ und was der Akkusativ ist, bleibt den werten LeserInnen selbst überlassen). Aus gegebenem Anlaß beschränkte sich dieser auf ein kurzes, bereits älteres Gedicht, welches sich mit dentalen Problemen beschäftigte.

Die eigentliche Startnummer 1 war dann KURT mit einem ebenfalls kürzeren Gedicht mit dem einprägsamen Refrain „Wir kommen, von wo wir waren, und gehen, wohin wir sein wollen“. Es ging darin um das Sein, das Suchen, das Finden und vieles andere mehr. „Unsere Schritte klingen im Takt unserer Herzen“ hieß es an einer Stelle bzw. am Ende „Und du wirst mich finden“.

Einen Teamtext brachten LAURIN & MARTIN. Zuerst ging es an einem feuchtschwülen Sommerabend ins Tortellini Mussolini. Es folgte – ausgehend vom Sanskrit-Wort „Yoni“ – eine Aufzählung von Bezeichnungen weiblicher Primärgenitalien. Dann bekamen wir Auszüge aus 100 lustigen Wegen, ein Herz zu brechen („Das Schicksal hat jemanden bestimmt, zum lokalen Puff Daddy zu werden“), zu hören. Die „Mutter“ kam des öfteren vor und auch das Abführmittel Durolax.

JOPA erzählte vom Brennen der Welt und führte dieses mittels einiger Requisiten vor. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 – wer hat auf die Welt gespieben? Ein Rezept durfte auch diesmal nicht fehlen, dieses war breiig wie ein faschiertes Mensch. Weltwundbrand. Bei der Autorautolyse verdaut der Autor sich selbst. Haben Skepsis mit Sepsis verwechselt. Pulver hier, Pulver da – Gottes Nase schreit: Hurra! Sprach jopa und löschte (blies) daraufhin symbolisch die Welt aus.

In den Kurzgedichten (zehn an der Zahl) von VERA MONTANA ging es viel um Liebe und weniger viel auch um Frankreich – ob mit Monsieur Mistral in Avignon („Toulouse-Lautrec lächelt uns an“) oder in Aix-en-Provence („Kein Korb mit Meeresfrüchten für die betagte Maman“). Oder aber im Bunker eines U-Bootes im zeitlosen Außerfern verloren. Du wirst mich im balkanesken Viertel erreichen – dort wo keiner mehr tanzt. Trage Frühlingsrosen mit mir herum – just so.

Danach fragte sich (und uns) GEORG HARLEKIN im ersten seiner drei Texte, wie viele stille Helden es wirklich gibt. Schaut genau! Noch mehr Griege griegen? Dem ließ er Gedankensplitter folgen, in denen er die Segel setzte, in der Falle saß und Horden von Schafen kamen – und das Wort fiel hinab. Passend zur Jahreszeit das dritte Gedicht: Es ist Frühling. Das Glück war schon immer da – doch schlief es noch.

Frohen Frühling wünschte auch unser fv-open-mic-Debütant BENJAMIN, der London (Big Ben, der fast immer im Regen steht) mehr als Paris mag, stolzer Bayer ist („Die Lederhos’n hat sich bewährt“) sich aber vor allem fragt, worüber er sich mit der Frau, deren Freund er haßt, unterhalten soll („Über CERN und Drogen möcht ich mit dir nicht reden“). Das ist alles eine Frage der Geduld und der Kommunikation.

MARLIES THUSWALD erzählte von der „Generation Y“: Wir sind jung und brauchen kein Geld, sondern das Glück. Ich und du reiten auf einem Handschuh; wir küssen uns in eine Zukunft. Im zweiten Text ging es um den Piepton zwischen Ich-Telefon und Dich-Telefon (bzw.: I-Phone, You-Phone, Piep-Ton): Bin ich nur ich und dafür Viele? Und im letzten hieß es: Du bist wieder Kind, wieder frei vom Geschrei der Masse. Katzen wie Tatzen umeinander gelegt.

CHRISTIAN „SCHREIBI“ SCHREIBMÜLLER stellte daraufhin einen vermutlich neuen Rekord auf: Nicht Minuten, sondern bloß Sekunden, nachdem er im Celeste ankam (entschuldigt durch einen wichtigen Termin zuvor), mußte er schon auf die Bühne. Erst sprach er vom Falschschreiben (Schreyymüller oder Schraubmüller – nur Schreibmüll wollte er sich nicht nennen) und von peinlichen Vorstellungen (Angenehm! Peinlich.). Es folgte ein zweiter Text über den vor der Glotze sitzenden und zappenden Egon, der gleichzeitig mit seiner Frau Herta einen Ehestreit mit bellendem Hund und überkochender Milch führt.

Nachdem die eine Hälfte des Moderationsduos das Alpha des Abends gebildet hatte, machte (aufgrund des Verzichts auf eine Pause und somit auf ein zweites Eisbrechertum) MELAMAR das Omega(tier?). Zuerst mit einer Hommage an den letztes Jahr verstorbenen Rolf Schwendter: Der Dozent als Dissident im Kampf gegen Devianz-Intoleranz. Er kroch in niemandes A****loch. Der zweite Text handelte von Liebe – Sciencia amatoria: Diese Liebe ist nicht blind. Diese Liebe ist ein Versuch, eine Studie. Diese Liebe ist doppelblind, randomisiert, placebogestützt (und wird bloß vom Kind mit eselsgleichem Antlitz hinterfragt).

Ein fv open mic, das sich von den letzten paar deutlich unterschied (erstens durch ein rein literarisches Programm, also diesmal – zufälligerweise – erstmals seit vielen Monaten wieder ohne Musikbeiträge, zweitens durch den Verzicht auf eine Pause und drittens durch ein um ca. eine Stunde früheres Ende), war nun also vorbei. Doch auf XLI folgt XLII, nämlich am 15. April (ein z.B. für Studierende günstiger Termin, da Osterferien und somit keine Lehrveranstaltungen). Es wird übrigens (so wie letzten Dezember) wieder ein fv open mic bei Vollmond sein (nützet die Chance, denn das nächste Zusammentreffen von fv open mic und Vollmond wäre erst – sofern wir terminlich bei den dritten Dienstagen des Monats bleiben – im Februar 2019 zu erwarten).

Dienstag, 4. März 2014

DAS GROSSE FV-QUIZ

So, langsam wird es Zeit, euer Wissen zu überprüfen. Hier wären mal 20 Quizfragen. Wenn ihr sie richtig beantwortet, ergibt sich aus den Buchstaben, die bei den Auswahlmöglichkeiten stehen, etwas sinnvolles ;-)


Frage 1: Wie lautet der Name unserer Veranstaltung?

D) Grand Prix farce vivendi de la poésie
E) farce vivendi Poetry Slam
F) farce vivendi Open Mic
G) farce vivendi Closed Mic

Frage 2: Was bieten wir euch bei unserer Veranstaltung an?

A) Eine offene Bühne
B) Eine offene Rechnung
C) Eine offene Beziehung
D) Eine offene Büchse der Pandora

Frage 3: Wer moderiert unsere Veranstaltung?

P) Werner Faymann & Michael Spindelegger
Q) Mieze Medusa & Yasmin Hafedh
R) melamar & Andi Pianka
S) Gerald Dell’mour & Rafael Wagner

Frage 4: Wie viele Veranstaltungen dieser Reihe hat es bis Februar 2014 gegeben?

B) gar keine
C) 40
D) 365
E) 666

Frage 5: Wann fand unsere Veranstaltung erstmals statt?

B) Am 14. Juli 1789
C) Am 9. November 1989
D) Am 11. September 2001
E) Am 16. Februar 2007

Frage 6: Und wie hieß das Lokal, in dem damals die Premiere stattfand?

T) Die Säge
U) Die Zange
V) Die Feile
W) Die Guillotine

Frage 7: Zwischen diesem ersten Lokal und dem jetzigen folgten einige andere. Welches davon war NICHT darunter?

F) LABfactory
G) Arena Beisl
H) Das Werk
I) Bierstindl

Frage 8: Nun sind wir ja im Celeste gelandet. Wie lautet dessen Adresse?

U) Frankfurterstraße 9
V) Hamburgerstraße 18
W) Debrezinerstraße 27
X) Dürümstraße 36

Frage 9: Wie viel verlangen wir an Eintritt?

D) Eintritt frei, Spenden strengstens verboten
E) Eintritt frei, freiwillige Spenden sehr erwünscht
F) 13 Schilling und 76 Groschen
G) Eintritt in Euro = Alter in Jahren dividiert durch zehn

Frage 10: Wir bitten das Publikum um „Respect the poets!“ – was aber bedeutet das genau?

M) Das Publikum möge mit dem Rücken zur Bühne stehen und den Kopf nach hinten drehen (respectare auf Latein = zurückblicken).
N) Das Publikum möge die Darbietungen in respektvoller Stille (=ohne sich nebenbei zu unterhalten) mitverfolgen und genießen.
O) Das Publikum möge respektieren, daß an unserer Veranstaltung PoetInnen leider nicht teilnehmen dürfen.
P) Das Publikum muß bei Beginn jedes Auftritts ehrfürchtig niederknien.

Frage 11: Wie wird eigentlich die Reihenfolge der Auftritte bestimmt?

B) Es geht nach dem Alphabet.
C) Es geht nach der Sozialversicherungsnummer der Auftretenden (von der kleinsten bis zur größten).
D) Eine menschliche Glücksfee aus dem Publikum darf ein Namenskärtchen ziehen.
E) Ein Tintenfisch im Aquarium (im Stock darüber) bekommt Futterboxen zur Auswahl, die mit den Namen der Auftretenden markiert sind.

Frage 12: Auch das Moderationsduo bestimmt, wer von den beiden die Eisbrecherrolle (bei anderen Veranstaltungen auch „Opferlamm“ genannt) übernimmt. Was wird dabei in die Höhe geworfen, um zu bestimmen, wer es wird?

G) Eine Taube
H) Eine Banknote
I) Eine Münze
J) Confetti

Frage 13: Nun ist Auftrittszeit. Die Dauer muß zwar nicht exakt eingehalten werden, jedoch haben wir eine ungefähre Zeitempfehlung. Die lautet?

N) 4 Minuten 33 Sekunden
O) 5 Minuten
P) 5 Lichtminuten
Q) 86.400 Sekunden

Frage 14: Welche Sprachen erlauben wir euch bei euren Auftritten?

M) Mittelbairische Dialekte (bzw. südbairische nur dann, wenn dabei keine Requisiten verwendet werden)
N) Deutsch, Englisch, Esperanto
O) Sämtliche germanische, romanische, slawische, keltische, baltische und indoiranische Sprachen sowie außerdem noch Albanisch, Armenisch und Griechisch
P) Alle

Frage 15: Sind auch musikalische Beiträge erlaubt?

E) Ja
F) Nur Gesang, keine Instrumente
G) Nur Zwölftonmusik
H) Nur Freestyle-Rap

Frage 16: Was bekommen unsere Auftretenden?

K) 813,99 Euro Gage
L) Eine Vorteilscard
M) Einen Eintrag ins Gästebuch
N) Ein Freigetränk

Frage 17: So, das Quiz nähert sich langsam seinem Ende. Doch wißt ihr überhaupt, wann ihr kommen müßt?

L) An jedem Monatsersten
M) An jedem dritten Dienstag des Monats
N) An jedem letzten Sonntag jener Monate, die nicht durch drei teilbar sind
O) An jedem 29. Februar aller durch vier teilbaren Jahre, jedoch nicht, wenn sie ebenfalls durch hundert teilbar sind, wovon allerdings die durch vierhundert teilbaren nochmals eine Ausnahme bilden, an denen die Veranstaltung dann sehr wohl stattfindet

Frage 18: Allerdings machen wir auch Pause. Wann?

I) Juli & August
J) Juni & Dezember
K) Bei Regen & Schnee
L) In ungeraden Jahren

Frage 19 (die allerschwerste): Es gab am 13. August 2012 einen Poetry Slam, den die eine Hälfte des fv-Moderationsduos mitmoderierte und die andere Hälfte diesen gewonnen hat. In welcher Stadt fand dieses Ereignis statt?

A) Klagenfurt
B) Katowice
C) Scheibbs
D) St. Pölten

Frage 20 (nur damit es eine runde Zahl an Fragen ist, also ohne Auswahlbuchstaben): Und was macht ihr am 18. März?

- Auf den 19. März warten
- Auf Weihnachten warten (sind ja nur noch knapp über 9 Monate)
- Auf den Weltuntergang warten
- Ins Celeste gehen

Dienstag, 18. Februar 2014

Ein grandioses Jubiläum


Das FARCE VIVENDI OPEN MIC feierte Mehrfachjubiläum – und sowohl Teilnehmende als auch Publikümer strömten in großer Menge herbei.

ANDI PIANKA und die jegliche Wahrscheinlichkeitsrechnung ignorierenden Münzen, welche die Reihenfolge der beiden EisbrecherInnen bestimmen, leben zur Zeit in keiner Liebesbeziehung miteinander. So musste er auch diesmal den Anfang machen. Er widmete sich in seinem Text den am WeltKriegReloaded-Ball alleswalzernden Burschenschaftern in der Hofburg.

Die erste eigentliche Teilnehmerin war dann AÑA (erfolgreiche Neo-Slammerin und erstmals beim fv open mic dabei), die ihren Text zwei Freundinnen und sich selber widmete. Es ging um das neue Schönheitsideal. Du hast dich in meinen Kopf eingeschlichen, mit falschen Idealen tapeziert. Zucker und Fett wurden zu Fremdwörtern gemacht. Dabei weiß doch jedes Kind, dass in Wasser 0,000 Kalorien sind. Es ist wie eine Sucht. Mensch, Mädchen, wovon träumst du nur? In den Zeitungen steht ganz fett drin (welch Ironie): Dünn sein! Doch Añas Botschaft an alle Pro-Anas lautet: „Kann heißt nicht muss!“

Als Antwort drauf brachte JOPA keine Kochrezepte. Ob Stechaugäpfel mit Zimt und Zucker, der Augapfelstrudel aus geschälten Augäpfeln, das aus den Augenhöhlen entnommene Augapfelmus – kein Auge blieb bei jopas Ausführungen trocken bzw. verschont. Auch nicht der Augenaufschlag (wie Erdbeeren auf Schlag). Jenseits der Augen ging es dann mit gebackenen (Computer-)Mäusen („Der Teig bekommt Stock und Hut und geht nun eine Weile“) und Faschokrapfen (mit faschierten Faschisten, die nach dem Backen von links zu befüllen sind) weiter, ehe schlußendlich jopa auch sein Hirn kochte.

MICHAELA HINTERLEITNER rief alle fröhlichen Hühner auf die Bühne (worauf das erste und an diesem Abend auch nicht letzte Mal menschliche Requisiten einen Auftritt begleiteten). Es ging um Lichtblitze, die an grauen Tagen durch Wolken zur Erde zischen. Tropf, tropf, tropf. Where I stand around the corner of your mind? Dann widmete sie sich dem Thema Wiedergeburt (zum Beispiel als Wurm). Den Schlußpunkt setzte Peter Pan: When you wake in the night? When you’re flyin’ in the night?

Ihr folgte JAZMIN DEL CAMPO, die von ihrer argentinischen Heimat, in der sie vor kurzem war, erzählte. Geboren sei sie in einem Land, dessen Kultur wegradiert wurde. Keiner weiß von was. Es ging um Großkapitalisten mit kommunistischem Hintergrund und eine Art „Großchina“. Jeder Buchstabe wird fast religiös verehrt. In ihrem zweiten Text wurde ein „du glaubst, was du glaubst...“ durch das Geräusch der Umgebung dividiert, mit der Quadratwurzel der jetzigen Trends multipliziert etc.
Als Einlage zwischen den Texten erzählte P.P., die auf die Bühne mitkam, Lustiges über Schokolade: Ich hab sie verdrückt – nun bin ich verrückt!

Erstmals dabei war MARTIN, der in seiner Tiroler Heimatsprache redete (auch er mit menschlicher Requisite neben sich, nämlich Concerto Crystall). Martin improvisierte: Klatschen für alle. Hauptsächlich setzte er sich (nicht als erster und nicht als letzter an diesem Abend) mit dem Tod auseinander. Wie würde er gern sterben? Im Altersheim am Klo beim scheißen. Männer seien übrigens sehr stolz auf ihre Exkremente, weil sie damit ihren Neid auf die Fähigkeit der Frauen, Kinder zu gebären, kompensieren. Schließlich meinte Martin, sich bei den Hell’s Angels als Kassier bewerben zu wollen („Wie ehrenhaft muss es sein?“)

Als letzte vor der Pause traten WOLF MORRISON und....nein, ausnahmsweise kein menschliches Requisit, sondern seine Gitarre auf. Sein erstes Lied handelte von Toleranz. Sie spucken aus vor dir auf der Straß’n. Du bist allein, g’hörst ned dazu. Wos is denn des für a Stadt? Du bleibst weiterhin ausgegrenzt und ausg’stossn. Das zweite Lied war ursprünglich für ein Kabarettprogramm geschrieben. Es ging um einen „Lonesome rider“: Riding against the wind, there is no chance for me to stop. It is my destiny to ride alone.

Der folgende Auftritt gehörte der Pause.

Eisbrecherin Nummer 2 war MELAMAR. Da es an dem Abend einige Male um das Thema Tod ging, las sie Texte zweier leider bereits verstorbener früherer fv-open-mic-Teilnehmer: Zuerst ein Gedicht bzw. eigentlich Wiegenlied von ILIJA JOVANOVIĆ: Schlaf, Müdes, schlaf! Meine Liebe ist der sanfte Wind. Dem folgte ein sehr politisches Gedicht von MIKE AUSTIN, einem waschechten Cherokee-Indianer aus Linz: If the creeks don’t rise......God damn you America! Schließlich gab es auch eigenes von melamar zu hören. Da ging es um den Gott der Kopfläuse (der meint: Macht euch die Menschen untertan!) und um die Entwicklung von Wort zu Satz zu noch mehr. Doch am Anfang war das Wort.

Schon in der ersten Hälfte begleitend aufgetreten, kam nun CONCERTO CRYSTALL zu seinem „eigentlichen“ Auftritt. Erst mit einem kurzen Gedicht: Leistung ist des Menschen einziges Kapital. Begleitet von Walter Egon auf der Gitarre (zu ihm dann später) setzte er überaus bluesig fort und kreierte dabei das Wort des Tages: Blues-Bim-Slam! Er pfercht sich in die U-Bahn, neben ihm ein schönes Dirndl. Und sie sagt: Fahrscheine bitte! I denk mi, i lad’s ein. Heute wird ein guater Tag. Doch dann steht auch noch der Postler mit einem Brief vor der Tür, weil ihn die Mistelbacher deppert geblitzt haben. Oftmal hab i a Pech, oftmal hab i a Glück. Schulden bei der Bank hab i sowieso.

Nach ihm trat GEORG HARLEKIN auf. „Einfach jeder“ hieß es in seinem ersten Text. Jeder, einfach jeder hat seine Geschichte. Fühlt sich an wie Leder. In der stillen Nacht hatten Zinnsoldaten ihre Wacht. Eine kleine Mahnung war das zweite Gedicht, das von Mutters gutem Kuchen handelte. Und: Macht Lolas Beispiel Schule, weil sie schneller rennt. Zum dritten Text gesellte sich ein Darth-Vader-ähnlich verkleideter (beim Open Mic durchaus erlaubt – außerdem ist zur Zeit ohnehin Fasching) WALTER EGON hinzu: Wer oder was ist abgestürzt? Ich bin das Ungewisse und genieße deine Angst. Macht es gut, ihr Großohrhasen! Sogleich und nahtlos wurde der vom Teufel hergesandte Walter Egon vom Neben- zum Hauptakteur. Es gibt noch viel zu tun – und nahm sich ein kleines bißchen Ehrgeiz. Noch eine kleine Prise Größenwahn und mein Auftrag ist getan.

Es ging weiter mit einem seit kurzem schon fast Stammgast seienden Auftretenden des fv open mic, nämlich MIKE (und seiner Gitarre). Mike sang nach einer Neuversion eines bereits vertrauten englischsprachigen Liedes über den Zustand der Erde ein zweites, deutschsprachiges: I kenn den Tod persönlich. Seitdem is mei Leben zum Speib’n. Vü Zeit hab i vergeudet, doch gestern hat mir a Engerl die Lösung dafür gesagt: Gib deinem Leben Hoffnung! I mecht mi wieda freu’n. Und zur Entspannung durfte Mike auf der Bühne eine Massage genießen.

Bei fv open mics in Feile und Werk öfters mit dabei, nun das erste Mal im Celeste war OSKAR: Lang is her. Hallo Welt, ich bin 16 Jahr’! Wobei er damals im Krieg, also im Punischen, zu den Karthagern gehalten hätte. Und vor dem Urknall hat er sei Ruh gehabt. Vielleicht, wenn er stirbt, wird es wieder so sein wie vor dem Urknall. Doch Oskar weiß, wie der Tod nackert ausschaut. Die Welt is so unfair! Sieben mal vierzig ist zweihundertachzig. Andi, hol die Peitsche raus! Ja und ja – es geht uns gut.

Aufgrund einer wichtigen GV (Generalversammlung und nicht Geschlechtsverkehr!) verspätet, aber dennoch rechtzeitig angekommen war der wohl häufigsten Teilnehmer in der fv-open-mic-Geschichte, nämlich CHRISTIAN „SCHREIBI“ SCHREIBMÜLLER. Er hatte was von einem „Marquis de la Silhouette“ gehört. In seinem ersten Text ging es dann um’s Rülpsen ins dreckige WC. Im Magen stechen dich Hornissen. Dich mag auch nur einer leiden. Im zweiten Gedicht unterhielten sich zwei ältere sexistische Herren über Frauen: Warum wir Frauen also hassen? Nun, wir können sie nicht lassen. Und schließlich im dritten Text wollte er seine Oide pack’n, die Elvis Presley und Eisenhower verdroschen hätte.

Von der selben GV kam auch JIMI LEND (sowie im Anhang auch noch weitere AutorInnen, die sich aber auf ein Publikumsdasein beschränkten). Jimi war ein Freedom Fighter – und so weiter. Die Gewinner sind immer die selben, nach ihnen werden die Normen geeicht. Sein altes Auge zuckte schon zum Beat. Verwesung, Stillstand, Hundertschaften von Netzwerkmeckerern waren weitere Themen seines Auftritts. Deppen, die im System stecken. Wie steht’s mit dem Einzelnen, der sich selbst genug liebt?

Zum Abschluss dieser Jubiläumsveranstaltung betrat JONOPONO die Bühne. Auch sie bat Grillhendln zur Begleitung auf die Bühne (siehe Michaela Hinterleitner in Hälfte 1). Sie sang: Ich liebe mich. Ich bin so gerne voll gestresst. Ich stehe sowieso auf Schmerz. Ich lass mich gerne nicht entlohnen. Ich leb so gern in diesem Land. Und wenn ich einmal nicht mehr kann, dann sauf ich mich ganz schrecklich an. Ihr zweites Lied erklärte (in Form einer Kritik an den heutigen industriellen Lebensmittelerzeugungsprozessen) das Leben für Kinder von 4 bis 8: Erst kommt der Regen, dann kommt das Leben, dann kommt die Sonne, dann kommen Lieder. Der Bauer auf dem Felde wär der Retter dieser Welt. Doch die Kinder in den Städten haben nie ein Huhn gesehen. Erst kommt kein Regen, dann kommt kein Leben. Nun verwesen die Bäuerinnen.

Das moderierende Duo machte (unter Beihilfe einiger Mitanwesender) kurz noch Werbung für einige Veranstaltungen der nächsten Zeit, bedankte und verabschiedete sich bis zum nächsten Mal, welches (unbedingt in den Kalender eintragen!) am 18. März stattfindet. Da laut einer unlängst erschienenen Studie GV’s (Geschlechtsverkehre, nicht Generalversammlungen) am häufigsten um 19:37 passieren, lassen wir euch das Vergnügen davor und fangen mit unserem Vergnügen für euch erst (oder schon?) um 20:00 an. Rechtzeitiges Kommen (ob beim GV oder beim fv open mic) durchaus erwünscht, damit wir relativ pünktlich loslegen können, aber es sind Nachanmeldungen in der Pause auch nicht verboten.

Freitag, 14. Februar 2014

di 18.2. JUBILÄUM! 7 JAHRE farce vivendi OPEN MIC!


liebe freundinnen und freunde der angewandten wortkunst!


ich freue mich, folgende jubiläumsveranstaltung ankündigen zu dürfen:

7 JAHRE farce vivendi OPEN MIC! (ist die zeit wirklich so schnell vergangen?)

mein zahlen- und jubiläumsaffiner co-moderator und -organisator andi pianka entdeckte folgende einzigartige konstellationen:

"dieses fv open mic wird ein ganz besonderes:
- 7 Jahre farce vivendi open mic (Na ja, mit einer kleinen statistischen Standardabweichung von 2 Tagen gegenüber dem allerersten fv open mic, was aber innerhalb der Toleranzgrenze liegt)!
- Es wird das 40. fv open mic sein!
- Es wird das 40. von melamar organisierte und moderierte fv open mic sein!
- Es wird das 20. vom Autor dieser Zeilen mitorganisierte/mitmoderierte fv open mic sein!
- Es wird das 11. (Doppel-Einser!) fv open mic im Celeste sein!
- Es wird der 83. Geburtstag der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison sein, der 82. von Miloš Forman, der 81. von Yoko Ono, der 76. von István Szabó, der 60. von John Travolta, der 50. von Matt Dillon und der 43. von Jimmy Kelly! Das müssen wir auf jeden Fall feiern...
- Es wird der 559. Todestag von Fra Angelico sein (über den der Autor dieser Zeilen in der sechsten Klasse AHS mal ein Referat halten mußte), der 468. von Martin Luther, der 450. von Michelangelo, der 427. von Maria Stuart und der 207. von Marie Sophie von La Roche!
- Es wird der Nationalfeiertag von Gambia sein!
Also wenn das alles für euch keine fundamentalen Gründe sind, um zum nächsten farce vivendi open mic zu kommen, dann versteh ich die Welt echt nimmer. Bis zum 18. Februar also!"


ZELEBRIERT WIRD am DIENSTAG, den 18.02. 2014
ab 20:00h

im CELESTE-jazzkeller
hamburgerstraße 18,
1050 wien
(U4 kettenbrückengasse / pilgramgasse)

moderation: melamar & andi pianka

EINTRITT FREI! FREE ENTRY! ENTRADA LIBRE!

nähere infos:



anmeldung für auftretende ab 19:30h


mit poetischen grüßen!

melamar


Mittwoch, 22. Januar 2014

Im neuen (Lebens)Jahr angekommen...


Das erste farce vivendi open mic des Jahres 2014 startete de iure zur neuen, früheren Beginnzeit 20:00, de facto allerdings, da sich diese noch nicht überall herumgesprochen hatte und die auftretenden/zuschauenden Menschen erst mit der Zeit ein- und zuströmten, doch etwas später (allerdings immer noch früher als zu der alten de-iure-Beginnzeit, die von nun an nicht mehr erwähnt und in Vergessenheit geraten soll – das nächste Mal werden sich dann ja hoffentlich alle an die neue gewöhnt haben....). Gut Dinge braucht Weile – und in diesem Fall hat es sich ausgezahlt: Dieses fv open mic wurde zu einem der sowohl an Auftretenden als auch an Publikümern bestbesuchtesten der jüngeren Neuzeit (das bestbesuchte seit in etwa dem Jahre 1793).

Die Münze ist ein magisches, von den Pharaonen verhextes Objekt. Sie fällt (auch wenn sie diesmal ausnahmsweise nicht von ihm selber mitgebracht wurde) immer auf genau die Seite, die ANDI PIANKA nicht will. So mußte dieser arme Co-Moderator zum wohl mittlerweile 999. Male den ersten Eisbrecher spielen. Er tat es mit einem Medley aus seinen Texten, mit dem er schon vor einigen Jahren etwa bei einer Veranstaltung der "jungen literaturwerkstatt wien" im Literaturhaus, beim ersten Scheibbser Poetry Slam oder bei der Internationalen Slam-Revue in Berlin (hinter dem Link verbirgt sich der youtube-Link zu jenem Auftritt von Andi Pianka mit jenem Text ;-)) aufgetreten war, und erklärte damit die Bühne für eröffnet.

Erstmalig beim nun eröffneten fv open mic dabei und gleich als erste (Andi Pianka war ja der nullte) auftreten durfte JONO. Sie sang zwei kritische/nachdenkliche Lieder. Zuerst über den falschen „Hausverstand“, der immer daran erinnert, nicht auf’s Konsumieren zu vergessen. Denn: „Konsum macht dich glücklich, Konsum gibt dir Kraft“. So viel Genuß darf doch noch sein. Das zweite Lied beinhaltete ein nicht ganz jugendfreies, aber in dem Fall durchaus nicht unangebrachtes Vokabular („Ich find dich scheiße (...) Fuck you!“). Wie fühlt es sich an, wenn mensch stets weiß, was wie wo geht und was mensch so liket? Das ist nicht g’sund, ich will hier aussteigen. Sozialer Zwang. Will hier raus und bin raus. Ein gewisses „soziales“ Netzwerk war gemeint (erste Silbe fängt mit f an, zweite mit b, mehr sei an dieser Stelle nicht verraten – Anmerkung des Autors dieser Zeilen).

Der zweite Auftretende wird vom Autor dieser Zeilen sehr wohl verraten – es war einer unserer mittlerweiligen fv-open-mic-„Stammmenschen“ (und zusätzlich auch bekennender Stammleser dieses unseres Blogs hier), nämlich GEORG HARLEKIN, der seine Drei-Gedichte-Tradition auch diesmal wieder fortsetzte. Liebe möchte atmen, kommen, gehen, dich sehen, mit dir schlafen, wachen... Und noch vieles mehr. Liebe liebt einfach Musik. Liebe gibt mit Liebe Liebe. Im zweiten Gedicht ging es um Mandelhonig, Olivenöl und deinen rötlichen Erdbeermund. Welcher Geist ist es denn? IM abschließenden Text hat er alles bereits gefunden, nur noch nicht den Götterfunken. Das Reine. Pure Liebe Götterfunken. Wozu das alles? A stupid game?

Numero drei in diesem ganz unstupiden Game war dann ARTURO UI (letztes Mal nannte er sich noch anders, aber das war einmal vor langer, langer Zeit – vielleicht gar noch unter Bertolt Brecht...?). Er fühlt sich von Mike (zu ihm kommen wir dann später) inspiriert. Er sieht die Welt als ein männlich dominiertes System. Die Männer kämpfen um dies und das. Das einzige aber, worauf sich alle Männer einigen können, ist die Liebe zum Busen. Deswegen sang er das Busenlied: Da wird gleich der Papst („Hätt ich zwei Busen, wär ich kein Papst mehr“) zum Busenbussibär. Da stehen Tungusen, Awaren oder Tataren auf lauter Busen. Und die Langobarden-Frauen waren sowieso kolossal verbust. Da wird man mal schon zum Professor für vergleichende Busologie. Der zweite Song war nicht von ihm, aber das ist beim fv open mic durchaus erlaubt. Es war „Space Oddity“ von David Bowie.

Dann kam zwar nicht David Bowie, aber immerhin JOPA mit einem Dramolett, in dem der Schaum mit Hut („Idna“) und die Prinzessin („Apoj“) die Hauptrollen spielten und der...ähm...tja, sehr viele Anspielungen auf Texte des Autors dieser Zeilen enthielt. Bsssssssssss? Ich suche das Hotel zum kleinen Schaum, ich habe dort nämlich ein Zimmer im 13. Stock gebucht. Es folgten so manche Zitate aus Liedern von Element of Crime. Die Hauptperson aus Godwin’s Law kam auch vor, wurde allerdings von Idna unter dem Dank der Menschheit mehrmals getötet. Die Wurstkarte war wurst, die Pizzakarte war bizarr. Und die Würgerkarte? Julian wollte einen Witz erzählen, El Awadalla pinkelte einem Polizisten ans Bein, Senffaß und Faß mit Russen warteten auf Godot bzw. Franzobel. Passant mit Hund sackerlte ein Gackerl, Passant mit Bart rasierte sich („Schreibi: Ich habe einen Bart“) und Bebraham drehte sich einen Ofen. Ich wollte einen Riot ohne Bussi machen, stattdessen machte ich einen Slam ohne Bimi. Riot Bus Bim Slam Anker Pi. burt pri ank za woll pi bla hau lt bld prm z z.

Auf burt pri ank za woll pi bla hau lt bld prm z z folgte nun der schon seit den alten Werk-Tagen des fv open mic nicht mehr mit dabei gewesene SAMUEL. Er brachte ein doppeltes italienisches Sonett über den Hot Dog zum besten. Am Würstelstand: Hunger brach mir den Verstand. Senf und Ketchup zum Ersaufen. Das Publikum bekam noch viele weitere Details zu diesem mißglückten Hot-Dog-Kauf an einem Würstelstand in Wien (den der Autor des Textes auch konkret erwähnte, aber vom Autor dieser Zeilen unerwähnt belassen wird) zu hören. Die Tragödie fand in der Straßenbahn ihren ultimativen Höhepunkt: „Der Senf tropfte auf meine weißen Schuh“. Und die Moral von der Geschicht’: Kaufe bei dem Würschtler nicht.

Es ging nun schon Richtung Pause, aber davor trat noch ein weiterer nicht Würschtler, sondern „Stammmensch“ des fv open mic samt Requisit/Instrument (bei uns ja im Unterschied zu Poetry Slams erlaubt) auf. Es handelt sich um WOLF MORRISON und (wie so meist) seine Gitarre. In einem ersten Lied meinte er: „Tua ma bitte ned weh und halt mi ned am Schmäh“ (der der Dialektschreibung ziemlich unkundige Autor dieser Zeilen schreibt das mal so auf). „Bist grantig? Da kann i nichts dafür“. Das zweite Lied handelte von einer Person namens Julia: „Du bist wia a Sonnenstrahl an a Regentag“ bzw. „Wann du lachst, dann lacht die ganze Welt“. Einige Passagen dieses Liedes gab es dann auch in englischer Fassung.

Und dann ward PAUSE - abgesehen von einem kleinen Ständchen kurz davor (da hatte offenbar irgendwer Geburtstag an dem Tag...), aber das ist eine andere Geschichte...

So, das Eisbrechertum ging nach der Pause mit der zuvor von Tutanchamun münzbeglückten fv-open-mic-Erfinderin/-Gründerin MELAMAR weiter. Ein kleiner Wurm im Elfenbeinturm machte sich Gedanken, die sich in Reime fassen lassen. Tourette-Synrom? Ich bin nicht dumm. Rosamunde studiert Altertumskunde, Sigismund liebt die blinde Gerlinde und Raimund mit seinem Hirtenhund beim Schäferstündchen...womöglich mit Amanda auf der Veranda. Bob hingegen ist mehr wie Hiob. Und überhaupt erst ein urbaner Marokkaner. Der schenkt ihr reinen Reim ein – anachronistisch reimfetischistisch.

Auf das zweite Eisbrechertum folgte die zweite Hälfte, die durchaus reine Reime (und keine Schäferstündchen, sondern vollste Aufmerksamkeit beim Publikum) bot und die mit MIKE begann. Er meinte, die Musik als Frequenz wäre unterschätzt. Sie hätte eine positive Beeinflussung und „wir hätten eine Riesengaudi“, wenn Musik die Rolle von G20-Gipfeln und ähnlichem übernehmen würde. Er begann mit einer neuen/besseren Version des Liedes, das er letztes Mal dargeboten hatte, wo es um „laws and orders“, den „sick planet“, aber eben doch positiverweise um „feeling, harmony, good songs“ ging. Um love & peace. Dem folgte ein (Mutmaßung des Autors dieser Zeilen) spontanes(?) Lied über sein Ego, das ihn immer wieder stört.

Die nächste Autorin gibt ihren Egos viele Namen, diesmal trat sie als MICHAELA ERLE auf. Kurze, performative Texte bildeten ihren Auftritt. Ein Spruch, ein Bruch, Beinbruch. Aber Holla, Stützgewebe! „Ich bin ein Puffer ohne Kartoffeln (...) bin dazwischen (...) zerstreue mich, zerstreusle mich (...) bin Spurensucherin“. Im zweiten Text war sie dann ein Tausendsassa, ein Hundertsassa, ein Bienenfresser, ein Hundertwasser, der Dunst produziert. Im dritten der „common sense“ (mit ausgesprochenem e bei „sense“!). Mit alles drüber. Macht alles gleich. Mit dir auch deinen Golfrasen glatt. Und in den vierten Text durfte schließlich vom Publikum „interveniert“ werden: Ein Mitmachtext, bei dem die Art des Mitmachens vom Publikum völlig frei gewählt werden konnte (und auch dementsprechend gewählt wurde). Es ging jedenfalls um den Errrnst. Und das meine ich jetzt errrnst. Das ist der Errrnst des Lebens. Oh Errrnst: Errrnsthaft!

Nun ging es weiter mit dem errrnsthaften WALTER EGON, der dem Publikum ein „Attentat“ anbot. Er bereitet sich nämlich grad auf den von Diana Köhle diesen Freitag organisierten Singer-Songwriter-Slam vor und hat um die 50 Lieder parat. Welches davon soll er wählen? Da muß das Publikum entscheiden. Eh nicht zwischen allen fünfzig, sondern zwischen dreien. Soll es a) um die Friedensbringung anstatt des ewigen Suchens und Kämpfens gehen oder b) um das Lächeln im Regen („Crowd of people always questioning’“) oder c) doch um ein Ikea-artiges Mitmach-Selbstbaulied mit special effects und dem Refrain „shubshubshubidubidubdua“ (Versuch einer lautgetreuen Wiedergabe des Refrains durch den Autor dieser Zeilen)? Tja, liebes Publikum, nun dürft ihr euch entscheiden...

...aber bitte auch nicht allzulange, denn gleich kommt eine der wohl ältesten TeilnehmerInnen der fv-open-mic-Geschichte, aber gleichzeitig sehr junggebliebene LORE MURBACHER auf die Bühne – nach u.a. einigen Auftritten beim Slam B diesmal erstmals als Liedermacherin auftretend. Das erste Lied sah das Alter bzw. „alte“ Menschen, als solche, die durchaus Spaß haben, wehrte sich aber auch andererseits gegen veraltete erzwungene Zwangsbräuche („Gib der Oma a Busserl!“). Das zweite Lied war dem türkischen Friseur mit seinen sechs Kindern gewidmet, der diesmal keinen Tee zum schlafen können gibt. Den Schluß ihres Auftritts bildete das Straßenbahnlied („In den Kurven lan i mi fest an“). Von Hietzing bis Praterstern schlängelt sie sich durch alle Kurven – samt sämtlichen Gestalten, die ihr den Platz anbieten bzw. umfliegen, sodaß sie am Ende doch noch einen Platz ergattert.

Den letzten Startplatz ergattert hat diesmal MRIRI, der mittlerweile nicht ganz unbekannte Kurztexte-Slammer, der mit Witzen anfing: Erst schmeckte Einstein sein Steak nicht („Iiih, Kuh!“), dann wurden in Italien Fäkalien gefunden – der DNA-Test ergab, daß es sich um den Da-Vinci-Kot handelt. Pensionisten wurden mit Erdbeeren gekreuzt, der Großvater war ein Metzger, nur der Romananfang klappte nicht so recht: Dem haargefärbten Kiffer wurde sein Kopf leer. Ohne sein Gehirn wäre er aber sowieso tot. Beim Nachdenken kommt man nämlich drauf: Planeten, Kosmos – alles unwichtig. Die erste Liebesgeschichte war ein Annäherungsversuch: „Ich setz mich neben sie – Fortsetzung folgt“. Die zweite spielte unter der Decke und beinhaltete so manche Extremitäten. Und zum Abschluß wurde dem Nestroyplatz das N durch ein D ersetzt.

Welcher Platz es denn nun auch ist – eines steht fest: Das nächste farce vivendi open mic erleben wir gemeinsam am 18. Februar ab 20:00. So traget diese Botschaft in die große weite Welt und vor allem in eure Kalender ein! Denn dieses fv open mic wird ein ganz besonderes:
- 7 Jahre farce vivendi open mic (Na ja, mit einer kleinen statistischen Standardabweichung von 2 Tagen gegenüber dem allerersten fv open mic, was aber innerhalb der Toleranzgrenze liegt)!
- Es wird das 40. fv open mic sein!
- Es wird das 40. von melamar organisierte und moderierte fv open mic sein!
- Es wird das 20. vom Autor dieser Zeilen mitorganisierte/mitmoderierte fv open mic sein!
- Es wird das 11. (Doppel-Einser!) fv open mic im Celeste sein!
- Es wird der 83. Geburtstag der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison sein, der 82. von Miloš Forman, der 81. von Yoko Ono, der 76. von István Szabó, der 60. von John Travolta, der 50. von Matt Dillon und der 43. von Jimmy Kelly! Das müssen wir auf jeden Fall feiern...
- Es wird der 559. Todestag von Fra Angelico sein (über den der Autor dieser Zeilen in der sechsten Klasse AHS mal ein Referat halten mußte), der 468. von Martin Luther, der 450. von Michelangelo, der 427. von Maria Stuart und der 207. von Marie Sophie von La Roche!
- Es wird der Nationalfeiertag von Gambia sein!
Also wenn das alles für euch keine fundamentalen Gründe sind, um zum nächsten farce vivendi open mic zu kommen, dann versteh ich die Welt echt nimmer. Bis zum 18. Februar also!